Der Opel-Schock

Abteilung in Rüsselsheim schließt, was wird aus Eisenach?

28. Oktober 2021 - 12:38 Uhr

Autobauer Opel kommt nicht zur Ruhe

Was ist bei Opel los? In Rüsselsheim schließt ein ganze Abteilung, die eigentlich bleiben sollte. In Eisenach stehen die Bänder bis zum Jahresende still, angeblich wegen Lieferschwierigkeiten von wichtigen Bauteilen. Und die deutsche Entwicklungsabteilung könnte aufgelöst und die Aufgaben nach Marokko verlagert werden. Man könnte meinen, der Autokonzern Stellantis, zu dem Opel gehört, hat keine Lust mehr auf deutsche Mitarbeiter.

Opel-Geschäftsleitung bricht Zusagen

Entgegen früherer Ankündigungen soll im Opel-Stammwerk Rüsselsheim der Werkzeugbau mit rund 260 Beschäftigten zum Jahresende auslaufen, wie die Geschäftsleitung am Mittwoch mitteilte. Der Betriebsrat sprach in einem Flugblatt an die Belegschaft von einem Vertragsbruch, weil das Unternehmen noch vor vier Monaten zugesagt habe, in dem Bereich rund 160 Stellen zu erhalten. Zudem würden erneut Investitionszusagen aus dem mit der IG Metall abgeschlossenen Zukunftstarifvertrag nicht befolgt.

Opel ist die einzige deutsche Marke in dem europäischen Autokonzern Stellantis, der zum Jahresbeginn aus der Peugeot-Mutter PSA und Fiat-Chrysler entstanden war. Seit der Übernahme im August 2017 durch PSA wurden tausende Arbeitsplätze abgebaut, wobei betriebsbedingte Kündigungen noch bis Sommer 2025 ausgeschlossen sind.

Auch im aktuellen Fall will Opel die Beschäftigten im Rahmen der Vereinbarungen mit der Gewerkschaft zum Verlassen des Unternehmens bewegen. Das Unternehmen habe alle zumutbaren Maßnahmen unternommen, um die Auslastung und den Personalbedarf beim Werkzeugbau in einer angemessenen Balance zu halten, erklärte ein Opel-Sprecher. Es würden nun weitere Gespräche mit dem Betriebsrat geführt. Für diesen Freitag sind an allen Opel-Standorten Proteste der Arbeitnehmer gegen den Stellantis-Kurs angekündigt.

Hat Opel Mitarbeitern gedroht?

Bereits Mitte Oktober soll es bereits zu unschönen Szenen in Rüsselsheim gekommen sein. Laut einer Mitarbeiter-Info des Betriebsrats sei Beschäftigten des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim in Personalgesprächen gedroht worden, ihre Aufgaben aus Kostengründen nach Marokko zu verlagern. Sie sollten sich nach einer neuen Tätigkeit umsehen, berichtete die "Wirtschaftswoche".

Die Mitarbeitervertretung sieht sich in ihren Mitbestimmungsrechten verletzt, zumal auch im Einkauf umfassende und nicht abgestimmte Präsentationen über eine neue Organisationsstruktur vorgestellt worden seien. "Es verdichten sich die Hinweise, dass die nächste Stellantis-Reorganisation nicht nur bevorsteht, sondern teilweise in Bereichen schon rechtswidrig ohne vorherige Information, Beratung und Verhandlung mit der Arbeitnehmervertretung umgesetzt werden soll", heißt es in dem Info-Schreiben. Rechtliche Schritte seien eingeleitet.

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Werk in Eisenach bis Jahresende geschlossen: Was kommt danach?

Und auch die Entscheidung von Opel, das Werk in Eisenach bis Jahresende wegen fehlender Zulieferteile zu schließen, sorgte Ende September bereits für Unruhe und Empörung in der Belegschaft, bei der IG Metall und in der Politik. "Das ist ein unglaublicher Vorgang in Form, Stil und Inhalt", sagte der IG Metall-Bezirksleiter Mitte, Jörg Köhlinger.

"Ich kenne keinen anderen Automobilhersteller, der wegen fehlender Teile Kurzarbeit bis ins nächste Jahr ankündigt wie Opel", so Köhlinger. Der Gewerkschafter warf die Frage auf, ob der Bau des Modells Grandland möglicherweise in Eisenach gestoppt, aber im französischen Sochaux weitergeführt werde. "Lieferengpässe dürfen nicht zulasten nur von Eisenach gehen."

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sprach von einer bitteren Entscheidung und pochte auf Einhaltung von Zusagen für das Eisenacher Werk durch die Stellantis-Gruppe. Immerhin gehören das Autowerk, das nach der Wiedervereinigung eröffnet wurde, sowie seine Zulieferer in der Region zu den wichtigen Industriearbeitgebern in Thüringen.

Für den 29. Oktober hat die IG Metall zu Protestaktionen in den Opel-Standortländern Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Saarland aufgerufen. Mitarbeiter und Gewerkschaft fürchten die endgültige Zerschlagung des Unternehmens. (dpa/aze)