Flucht vor Belarus klappt

Last-Minute-Ticket nach Wien bringt Olympia-Starterin Timanowskaja in Sicherheit

04. August 2021 - 8:15 Uhr

Wenn das Mutterland zum Feind wird

Lange musste sie kämpfen, jetzt ist die Flucht gelungen. Die belarussische Athletin Kristina Timanowskaja hat es nach einem mutmaßlichen Entführungsversuch ihres Landes geschafft, die Olympischen Spiele in Tokio zu verlassen. Medienberichten zufolge änderte die Sprinterin kurzfristig ihre Flug-Pläne und floh nach Wien statt wie erwartet nach Warschau. Wie es für Timanowskaja nach der Landung in Österreich weitergeht, sehen Sie oben im Video.

IOC untersucht Vorfälle

Der Fall wird das Internationale Olympische Komitee (IOC) noch weiter beschäftigen. Das IOC hat kurz vor der Abreise der belarussischen Sprinterin aus Tokio eine Disziplinarkommission zur Aufklärung des Falls eingesetzt. Diese solle die Tatsachen in der Affäre um die mutmaßlich von belarussischen Behörden versuchte Entführung der Leichtathletin aus Japan feststellen, sagte ein Sprecher.

Die 24-Jährige hatte zuvor ein humanitäres Visum von Polen erhalten und begab sich in die polnische Botschaft in Tokio. In dem osteuropäischen Land könne sie auch ihre sportliche Karriere fortsetzen, hatte die polnische Regierung versichert. "Meines Wissens ist sie auf ihrem Weg nach Polen", sagte IOC-Sprecher Mark Adams.

"Politisch und moralisch bankrott"

Die IOC-Disziplinarkommission soll nun vor allem den Leichtathletik-Cheftrainer von Belarus (Weißrussland) und den stellvertretenden Direktor des nationalen Trainingszentrums ins Visier nehmen. Die beiden Funktionäre sollen Timanowskaja mitgeteilt haben, dass sie wegen ihrer Kritik an den Entscheidungen der Teamspitze in den Sozialen Medien vorzeitig in ihre Heimat zurückkehren muss.

Unterdessen wächst die Kritik am belarussischen Machthabern. Außenminister Heiko Maas (SPD) kritisierte die Regierung von Belarus als politisch und moralisch bankrott. Sportler-Bündnisse wie Athleten Deutschland und Global Athlete machten sich für eine Sperre des Belarussischen Olympischen Komitees stark.

Eine Entscheidung über mögliche IOC-Sanktionen noch während der Tokio-Spiele erscheint aber unwahrscheinlich. "Diese Dinge brauchen Zeit. Wir müssen der Sache auf den Grund gehen", hatte IOC-Sprecher Adams bereits am Dienstag gesagt. (lde/dpa)