Einen Tag vor der großen Show

Eklat bei Olympia: Show-Direktor machte Holocaust-Witze - gefeuert!

Tokio fiebert der Eröffnung der Olympischen Spiele am Freitag entgegen.
Tokio fiebert der Eröffnung der Olympischen Spiele am Freitag entgegen.
© dpa, -, hen pat

22. Juli 2021 - 11:18 Uhr

Ein alter Fehltritt hat jetzt Folgen

Ein Auftritt von 1998 kostet ihn seinen Job – und das einen Tag vor seinem großen Abend: Die Olympia-Bosse haben den Direktor der Eröffnungsfeier für die Spiele in Tokio 2021, den Japaner Kentaro Kobayashi, etwas mehr als 24 Stunden vor der großen Show gefeuert. Dahinter steckt ein Auftritt des Comedian von vor 23 Jahren, bei dem er antisemitische Sprüche benutzte und sich so über den Holocaust lustig machte. Kurz vor der großen Zeremonie am Freitag in Tokio kursieren Videos dieses Auftritts im Netz und ließen dem Organisationskomitee keine andere Chance, als sich von Kobayashi zu trennen.

Tokio 2021: "Jede Verbindung dieser Person" zu den Spielen würde Juden-Andenken beleidigen

"Es ist zu Tage getreten, dass Kobayashi während Auftritten in der Vergangenheit Ausdrücke benutzt hat, die sich über einen tragischen Teil der Geschichte lustig gemacht haben", sagte Seiko Hashimoto, Chefin des Organisationskomitees der Sommerspiele.

"Jede Verbindung dieser Person mit den Olympischen Spielen in Tokio würde das Andenken von sechs Millionen Juden beleidigen und die Paralympics grausam verspotten", kommentierte Rabbi Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center.

22.07.2021, Japan, ---: Dieses undatierte Foto, das von Tokyo 2020 veröffentlicht wurde, zeigt Kentaro Kobayashi, den Kreativdirektor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio. Die Organisatoren der Olympischen Spiele in Tokio haben Kentaro
Er war der Kreativdirektor der Eröffnungsfeier: Kentaro Kobayashi
© dpa, Uncredited, exa

Comedian nicht der erste, der seinen Hut nehmen muss

Und es ist nicht die erste Konsequenz für frühere Vorfälle: Erst Anfang der Woche hatte Japans Musik-Star Cornelius erklärt, auf seinen Auftritt bei der Eröffnungsfeier am Freitag zu verzichten. Der J-Pop-Künstler, der mit bürgerlichem Namen Keigo Oyamada heißt, zog sein Engagement nach starker öffentlicher Kritik an früheren Aussagen von ihm zurück. Denn zuvor waren auch von ihm Videos aus den 90er-Jahren aufgetaucht, in denen Oyamada ohne erkennbare Reue darüber spricht, wie er früher behinderte Mitschüler gemobbt habe.

Orga-Chefin Hashimoto bedauerte am Donnerstag, dass man zu lange gebraucht habe, um sich von Oyamada zu trennen. In eine solche Situation wollen sich die Organisatoren nicht nochmal bringen. Deshalb soll das gesamte aktuelle Programm der Eröffnung nun noch einmal genau überprüft werden, sagte OK-Geschäftsführer Toshiro Muto. Man werde jetzt schnell beraten, wie die Zeremonie abgehalten werden solle und "so bald wie möglich" zum Ergebnis kommen, so Hashimoto.

Bereits im März hatte es Aufregung um die Inszenierung der Eröffnungsfeier gegeben. Kreativdirektor Hiroshi Sasaki war zurückgetreten, nachdem er geplant hatte, ein Plus-Size-Model als "Olympig" - als olympisches Schwein - bei der Eröffnungsfeier ins Stadion einschweben zu lassen. (ana/sid/dpa)

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