1. März 2019 - 8:10 Uhr

Eine Frau. Eine Mission.

Achtmal reiste die Fotografin Xiomara Bender (31) nach Nordkorea. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Land einmal pro Jahr zu bereisen und die spürbaren Veränderungen, die Modernisierung zu dokumentieren - eine ungewöhnliche Leidenschaft. Doch wer Xiomara zuhört, merkt schnell, dass die zierliche, blonde Fotografin mit den großen, blitzenden, braunen Augen eine Mission hat: Sie möchte den Frauen in Nordkorea eine Stimme geben.

Nordkorea – ein Land im Wandel

Frauen in Nordkorea
Bei einer ihrer Reisen nach Nordkorea fotografierte Xiomara Bender eine Frau im Bus. (Foto: Xiomera Bender)

2011 reiste Xiomara zum ersten Mal nach Nordkorea. Zu dieser Zeit war es ihr nicht möglich, alle Teile des Landes zu besuchen. Vom Norden in den Süden zu fahren, war undenkbar. Als Fotografin sucht sie nach Motiven, die die Geschichte des Landes erzählen - Landschaften und vor allem Menschen.

Die junge Frau bemerkt, dass sich die Menschen auf den Straßen nicht gerne fotografieren lassen. Immer wieder wenden sie sich ab, schauen beschämt weg, wenn sie Touristen mit Kameras bemerken. Zwischen 2011 und 2013 wurde den Nordkoreanern von ihrem kommunistischen Regime untersagt, sich abbilden zu lassen. Die diktatorische Regierung wollte die Kontrolle über die Informationen und das Image, was in die restliche Welt dringen könnte, nicht verlieren.

Seitdem sind acht Jahre vergangen, in Nordkorea hat ein Machtwechsel stattgefunden. Das neue Staatsoberhaupt Kim Jong-un hat die Führung von seinem Vater übernommen. Zwar regiert er ebenfalls in Form von einem diktatorischen System, ist aber in der Schweiz zur Schule gegangen. Er kennt die Welt außerhalb der nordkoreanischen Halbinsel. Xiomara Bender spürt diese Veränderung. Sie liebt das Land und möchte ihren Teil zur Versöhnung beitragen, indem sie der Welt die andere Seite Nordkoreas zeigt.

„Die Frauen in Nordkorea sind emanzipierter, als in vielen anderen Teilen dieser Erde!“

Auf ihren Reisen bemerkt Xiomara die Veränderung der Frauen im Land. Es ist der Moment, in dem sie sich entscheidet, die Nordkoreanerinnen zum Hauptthema ihrer Fotografie zu machen. Auf den Straßen, bei der Arbeit oder im überfüllten Bus, überall beobachtet und fotografiert die junge Fotografin Frauen.

Auf die Frage, wie Frauen in der Diktatur leben, antwortet Xiomara besonnen: "Die nordkoreanische Frau kleidet sich modisch, alles wird bunter. Es wird individueller, ob es nun das Make-Up ist oder die hohen Schuhe. Die Frau ist dem Mann relativ gleichgestellt. In Universitäten und Fabriken – überall sind Frauen." Diese Veränderung, sagt Xiomara, sei dem Diktator Kim Jong-un zu verdanken. Er präsentiere sich oft in der Öffentlichkeit zusammen mit seiner Frau. Generell sei der Machthaber immer von Frauen umgeben. Dies könne man als Zeichen werten, dass Frauen in Nordkorea eine gleichwertige Rolle zum Mann einnehmen.

Außerdem, berichtet Xiomara, würden immer mehr Nordkoreanerinnen Englisch sprechen. Natürlich nicht auf dem Land, aber in den großen Städten wie Pjöngjang, sprechen Koreanerinnen Touristen auf Englisch an. Ein völlig neues Bild seien Nordkoreanerinnen, die telefonierend mit dem Handy durch die Straßen laufen. Es sind nur kleine Schritte, aber wer hinsieht, kann spüren wie Menschen ihre Individualität entdecken und leben.

Das Militär darf nicht fotografiert werden!

Es gibt aber auch immer noch strenge Regeln in einem der letzten kommunistisch regierten Länder der Welt. Zum Beispiel darf das nordkoreanische Militär nicht fotografiert werden. Vorfälle in der Vergangenheit haben immer wieder gezeigt, wie mit Menschen umgegangen wird, die die Regeln und Gesetze des Landes ignorieren. Ob es einen Moment gab, in dem Xiomara Angst um ihr Leben hatte und ob es einmal richtig brenzlig wurde, erzählt sie im Video.

„Man kann nichts auf der Welt mit Nordkorea vergleichen.“

Frauen in Nordkorea
Mit ihren Fotos will Xiomera Bender ein anderes Bild von Nordkorea zeigen. (Foto: Xiomara Bender)

Trotz der vielen kleinen Veränderungen, sieht Xiomara auch die andere, die dunkle Seite der Diktatur. Auch sie, die so oft in Nordkorea war, hat nicht zu allen Teilen und Bereichen des Landes Zugang. "Man sieht nur das, was einem gezeigt wird", erklärt sie nüchtern. Zwischen den Touristen und den Nordkoreanern herrscht kein Unterschied, man wird permanent vom Staat beobachtet und überwacht.

Doch die Fotografin berichtet: "Der Drang nach Freiheit ist relativ groß, zumindest bei den Menschen, mit denen ich gesprochen habe, sie würden sich wünschen, ausreisen zu dürfen, aber sie würden auch gerne wiederkommen". Xiomara Bender hat Nordkorea auf eine sehr intensive Weise erlebt. Sie wünscht dem Land und den Leuten die Wiedervereinigung und hofft, dass der aufgenommene Dialog mit dem Land weitergeführt wird. Nur Verhandlungen und Austausch können irgendwann dem Land die Freiheit bringen, davon ist sie überzeugt.