Ungestört plünderten sie hunderte Schließfächer

Diebe dringen durch ein Bohrloch in Norderstedter Bankfiliale ein

Die Haspa-Filiale in Norderstedt (Rathaushalle 21a) ist nach einem Einbruch vollständig abgesperrt.
Die Haspa-Filiale in Norderstedt (Rathaushalle 21a) ist nach einem Einbruch vollständig abgesperrt.
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11. August 2021 - 10:28 Uhr

Durch die Decke gebohrt

Am vergangenen Wochenende haben sich Einbrecher in der Zeit zwischen Freitagnachmittag und Sonntagnachmittag auf dreiste Weise Zugang zu einer Filiale der Hamburger Sparkasse in Norderstedt in Schleswig-Holstein verschafft. Nach Angaben der Polizei in Bad Segeberg seien die Täter durch ein Loch in der Decke in die Filiale eingedrungen. Die Wohnung über der Bankfiliale habe leer gestanden, was die Täter ausnutzten. Sie hätten sich offensichtlich mit Hilfe eines Kernbohrers den Boden in der Wohnung großflächig geöffnet und seien so in den Tresorraum eingebrochen. Dort hätten sie zahlreiche Schließfächer geplündert, in denen Bargeld und Wertsachen von Bankkunden lagerten.

Mysteriöser Brandgeruch

Erst am Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr habe ein Mitarbeiter der Bankfiliale den Einbruch zufällig festgestellt, weil Wasser aus dem Tresorraum floss, und die Polizei alarmiert. Zwar hätten Nachbarn in dem Komplex mit Geschäften und Wohnungen am Wochenende Bohrlärm wahrgenommen, aber diese für Renovierungsarbeiten gehalten, so ein Sprecher der Polizei. "Wir haben gehört, dass hier mit einem Presslufthammer oder so etwas gearbeitet wird. Ich habe gedacht, mein Nachbar baut die Küche um", berichtet Andreas Herrmann, der in der Nachbarschaft ein Reisebüro betreibt. Die Filiale der Hamburger Sparkasse sei laut Polizei am Wochenende zudem geschlossen gewesen. Die Täter seien aber nicht nur am helllichten Tag in die Haspa-Filiale eingebrochen, sondern wollten ihre Tat scheinbar durch Brandspuren verschleiern. Am Montag früh nahm ein Bankmitarbeiter einen Brandgeruch wahr, der aus in den Tresorraum gezogen sei. Wie die Feuerwehr später feststellte, kam dieser Geruch von verbrannten Reifen, die in der Wohnung über der Filiale angezündet worden seien. Die Polizei geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus.

"Diese Filiale bleibt heute geschlossen"

Sowohl die Haspa-Filiale als auch die leerstehende Wohnung darüber sind großflächig abgesperrt. Aktuell laufen nach Angaben der Polizei die Ermittlungen, die die Kriminalinspektion in Pinneberg übernommen hat. Vor dem Eingang der Bank prangt auf einem Whiteboard der Hinweis an Kundinnen und Kunden, sich an Filialen im Herold-Center Norderstedt oder an die Filiale Ochenzoll zu wenden. Eine Sprecherin der Bank wollte sich zu den Vorfällen aktuell nicht äußern. Die Polizei wird nach eigenen Angaben in den den nächsten Tagen Kontakt zu Geschädigten aufnehmen und bittet bis dahin um Geduld.

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"Ich hab gedacht, ich kriege einen Herzinfarkt"

Einige Kunden sind am Dienstagmittag, nachdem sie von dem Vorfall erfahren haben, sofort an die Filiale gekommen. Auch Bankkundin Sonja Zietlow, die seit mehr als dreizehn Jahren bei der Haspa-Filiale in Norderstedt ein Schließfach besaß, wollte sich selbst vor Ort ein Bild machen: "Dass das jetzt in Norderstedt passiert, hätte ich nicht gedacht. Wir sitzen hier ganz bequem beim Frühstück und auf einmal kommt das durch die Medien, ich habe gedacht, ich kriege einen Herzinfarkt, wir sind nur noch im Krimi hier in Deutschland." Auch Sandra Hinz, Filialleiterin einer Bäckerei in der Nachbarschaft ist fassungslos. "Es hat keiner etwas gesehen, nur gehört. Wir kennen ja auch die Angestellten und so. Die waren schon sehr betrübt." (lri)