Insekten-Sensation!

Moin "Feldahornblattwespen-schlupfwespe"! Neue Tierart in Schleswig-Holstein entdeckt

Das ist ein Campodorus paradiesensis-Weibchen.
Das ist ein Campodorus paradiesensis-Weibchen.
Lennart Bendixen

Die Gemeinde Mohrkirch liegt zwischen Flensburg und Schleswig und hat gerade einmal knapp 1.000 Einwohner – und genau da hat sich eine kleine Sensation zugetragen! Insektenkundler Lennart Bendixen hat nämlich in seinem eigenen Garten eine völlig neue Insektenart entdeckt.

Das ist die Campodorus paradiesensis

Bei dem gelb-orange und damit ungewöhnlich hell gefärbten Tier handelt es sich um eine Schlupfwespenart. Der lateinische Name ist wohl keiner, den man sich gut merken könnte. Auch Bendixens Vorschlag für den deutschen Sprachgebrauch (Schlupfwespen haben normalerweise keine deutschen Namen) ist mit „Feldahornblattwespenschlupfwespe“ zwar wenig besser, trifft aber den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf. Denn Schlupfwespen ernähren sich von anderen Insekten, die Campodorus paradiesensis im Besonderen von Blattwespen, die am Feldahorn leben. So sind die kleinen Insekten ganz wichtig für das Ökosystem.

Eine neue Insektenart im eigenen Garten

Die meisten Schlupfwespen-Arten sind überwiegend schwarz und rot gefärbt. So besonders, wie die Campodorus paradiesensis also aussehen mag, so simpel ist die Geschichte ihrer Entdeckung: Bereits im Mai 2020 wird Bendixen in seinem Garten auf das Tier aufmerksam, als es auf einem Feldahorn-Blatt sitzt. „Das war wirklich ein Zufallsfund“ meint Bendixen im Gespräch mit RTL. Der Aufwand, wenn man eine neue Art entdeckt hat, sei unter anderem mit der wissenschaftlichen Beschreibung ziemlich hoch. „Deswegen bin ich eigentlich ganz froh, dass es bei dieser einen geblieben ist“, sagt Bendixen schmunzelnd. Besonders sei die Entdeckung aber auf jeden Fall: Die letzte neu beschriebene Schlupfwespen-Art in Schleswig-Holstein sei 1982 entdeckt worden.

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So oder so ähnlich sehen Schlupfwespen oft aus.
So oder so ähnlich sehen Schlupfwespen oft aus.
Pixabay
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Clevere, kleine Wespe

Eine Erklärung für das besondere Aussehen hat Lennart Bendixen auch parat: Wenn sich im Frühling die Ahorn-Knospen öffnen, fallen die sogenannten Knospenschuppen zu Boden. Diese sind sehr hell. Und je ähnlicher ein Insekt den Pflanzenteilen ist, desto besser ist der Schutz vor Fressfeinden.

Apropos Feinde: Wer es nicht so mit Wespen hat, kann aufatmen: Weibliche Schlupfwespen haben zwar einen Stachel, der kann die menschliche Haut aber nicht durchdringen. Schlupfwespen werden unter anderem sogar als tierisches Gegenmittel gegen Kleidungsmotten verkauft.

Langes Warten auf Anerkennung

Lennart Bendixen erkennt schnell, dass er da ein ganz besonderes Exemplar entdeckt hat. Bis sein Fund aus dem Jahr 2020 bestätigt ist, dauert es aber mehr als zweieinhalb Jahre. Beim lateinischen Namen des Insekts hat sich Bendixen übrigens selbst verwirklicht: Der Mohrkircher wohnt in der Straße „Paradies“ – und wer weiß, welche neuen Tierarten genau hier noch entdeckt werden. (dka)