Washington erlaubt Kompostieren von Menschen

Nachhaltig sterben: Welche Bestattung ist am umweltfreundlichsten?

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24. Mai 2019 - 15:44 Uhr

Ab auf den Kompost oder doch lieber in den Wald?

Was passiert mit dem Körper nach dem Tod? Möchte ich eine Erdbestattung? Oder doch lieber in eine Urne? In Washington gibt es jetzt eine ganz neue Möglichkeit: Leichen dürfen künftig kompostiert werden. Klingt etwas gewöhnungsbedürftig. Ist aber anscheinend unglaublich umweltfreundlich und kostengünstig. Aber was genau kann ich in Deutschland tun, um auch noch das Sterben besonders nachhaltig zu gestalten? Und was ist ökologischer: Erd- oder Feuerbestattung?

Zurück bleiben 750 Liter Komposterde

Es ist ein Thema, mit dem sich die meisten Menschen nicht gerne auseinandersetzen, das jeden von uns angeht: Was soll nach dem Tod mit meinem Körper passieren? Als erster US-Bundesstaat erlaubt Washington künftig das Kompostieren von Leichen. Anstatt in einen Sarg kommt die Leiche dafür in ein Stahlbehältnis. Der Körper wird mit Naturmaterialien wie Stroh oder Holzspänen bedeckt. Innerhalb von drei bis sechs Wochen bauen Mikroben die Überreste ab – und der Mensch wird zu Erde. Zurück bleiben etwa 750 Liter Erde (ungefähr zwei Schulkarren voll), die die Angehörigen mitnehmen oder an Naturschutzorganisationen spenden können.

Umweltfreundliche Bestattung auch in Deutschland?

Damit folgen die Erfinder einem Trend hin zur "grünen" Bestattung. Immer mehr Bürger wollen "umweltfreundlich" bestattet werden - wie etwa der Anfang März verstorbene Schauspieler Luke Perry, der sich in einem biologisch abbaubaren und den Verwesungsprozess beschleunigenden Anzug bestatten ließ. Zwar ist in Deutschland die Kompostierung von Verstorbenen nicht erlaubt. Aber über die ökologischen Folgen von Bestattungen wird auch hier zunehmend diskutiert. Denn viele Menschen wollen nicht nur nachhaltig leben, sie wollen auch im Tod keine Belastung für die Umwelt sein.

Aber welches ist denn nun die umweltfreundlichste Bestattungsform?

In Deutschland gibt es zwei erlaubte Bestattungsformen, aus denen sich alle anderen ableiten lassen: die Erdbestattung und die Feuerbestattung. Und die traurige Umweltbilanz lautet: beide Bestattungsarten sind nicht wirklich umweltverträglich. Bei einer Erdbestattung gelangen durch Prothesen, quecksilberhaltige Zahnfüllungen, Sargnägel oder Lacke Schadstoffe in den Boden und verunreinigen das Grundwasser. Das Hauptproblem bei der Feuerbestattung sind der extrem hohe Energieverbrauch und der starke Schadstoffausstoß im Krematorium. Und auch die Urne selbst kann, je nach verwendetem Material, umweltschädigende Stoffe in Boden und Grundwasser abgeben.

Wie mache ich eine Bestattung umweltfreundlicher?

Erdbestattung:
Bei einer Erdbestattung wird der gesamte Leichnam in einem Sarg beigesetzt. Dafür gibt es mittlerweile verschiedene "grüne" Möglichkeiten: es gibt beispielsweise Holzsärge ohne schädlichen Lack. Außerdem gibt es mittlerweile unterschiedliche Anbieter, die Särge aus alternativen Materialien anbieten, zum Beispiel aus (Recycling-) Pappe, Bambus oder Bananenblättern. Zusätzlich kann man auch das Sarginnenleben mit umweltschonendem Material ausstatten, zum Beispiel mit einem Kopfkissen aus Sägespänen oder einer Matratze aus Mais. 

Feuerbestattung:
Bei einer Feuerbestattung wird der Leichnam mitsamt dem Sarg im Krematorium verbrannt. Im Abschluss kann die Asche in einer Urne auf dem Friedhof, im Wasser (Seebestattung) oder auch an unterschiedlichen anderen Orten beigesetzt werden. Um das Ganze möglichst nachhaltig zu gestalten, hat man die Möglichkeit, biologisch abbaubare Urnen zu wählen, z.B. aus Bambus, Weidengeflecht oder sogar Kartoffelstärke. Außerdem wird seit einigen Jahren nach Möglichkeiten gesucht, den CO2-Ausstoß der Öfen bei der Verbrennung zu verringern. Außerdem beziehen viele Krematorien mittlerweile Ökostrom.

Urne auf dem Wohnzimmerregal? Nicht in Deutschland

In Deutschland herrschen Bestattungspflicht und Friedhofszwang. Das bedeutet, dass die sterblichen Überreste des Verstorbenen auf einem dafür vorgesehen Gelände, auf dem Friedhof, beigesetzt werden müssen. Die genaue Regelung einer Bestattung liegt in der Verantwortung der einzelnen Bundesländer. Die können für sich entscheiden, welche Bestattungsarten erlaubt sind und welches Material für Sarg oder Urne gewählt werden darf.