Er erstach einst ihren Mann - jetzt nimmt der Fecht-Olympiasieger die Witwe bei sich auf

Matthias Behr versöhnt sich mit seiner tragischen Geschichte

Matthias Behr nimmt die ukrainische Familie des Mannes auf, den er einst im Fechtkampf erstach
Matthias Behr nimmt die ukrainische Familie des Mannes auf, den er einst im Fechtkampf erstach
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11. Mai 2022 - 12:52 Uhr

Rom, 19. Juli 1982 – ein Tag, den Florettfechter Matthias Behr (67) wohl nie vergessen wird. Während seines Kampfes gegen den damaligen sowjetischen Olympiasieger und Weltmeister von 1981, Wladimir Smirnow, bricht die Spitze des Floretts von Behr ab, dringt durch die Maske über das Auge in das Gehirn von Smirnow ein. Ein tragischer Unfall, durch dessen Folge sein Gegner zehn Tage später stirbt. Jetzt endlich, nach fast 40 Jahren, hat der Olympiasieger mit seiner Geschichte Frieden gefunden. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Zita Funkenhauser (55) nimmt Behr dessen ukrainische Familie auf.

"Ich war gelähmt vor Entsetzen"

"Endlich bin ich mit meinem Schicksal versöhnt, für mich schließt sich ein Kreis", sagt Behr in einem Interview mit dem "Bunte"-Magazin. Mit seiner Gattin, die ebenfalls Fecht-Olympiasiegerin ist, hat er Smirnows Witwe, deren Enkel sowie den alleinerziehenden Witwer ihrer Tochter bei sich im heimischen Tauberbischofsheim aufgenommen. Sie waren Mitte März aus der Ukraine über Warschau nach Baden-Württemberg geflohen.

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Zita Funkenhauser und Matthias Behr
Zita Funkenhauser und Matthias Behr bei der "Sportler des Jahres"- Gala 2017
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Doch die Bilder des tragischen Fecht-Unfalls, sie bleiben womöglich für immer in sein Gedächtnis eingebrannt. "Dieses Geräusch, als die Klinge brach, habe ich heute noch im Ohr. Ich konnte es lange nicht fassen. Wladimir war mein Freund, wie ich Olympiasieger und Weltmeister, ein Fechtgott für mich. Ich war gelähmt vor Entsetzen, als ich mit blutverschmiertem Florett in der Hand dasaß. Aus Erzählungen weiß ich, dass ich mit der Waffe hin und her gelaufen bin und geschrien habe: Nein, nein, nein", erinnert sich Behr an den fürchterlichsten Moment seiner Karriere.

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Die Bilder verfolgten ihn durchs Leben

Smirnow, damals 28 Jahre alt, starb zehn Tage nach dem Unfall im Krankenhaus an seinen Kopf-Verletzungen. Auch wenn Behr keine Schuld trifft – wie sich später herausstellte, war Smirnows Maske porös – verzeihen konnte sich Behr kaum. "Als wir ein Paar wurden und 1993 auch heirateten, habe ich schnell begriffen, wie sehr Matthias dieser Unfall belastet. Das ist sein Lebensthema. Dass Matthias später an einer schweren Depression erkrankte, hatte sicher auch darin seine Ursachen", sagt Funkenhauser. Durch ihre gemeinsame Hilfsaktion hat Behr nun endlich Frieden gefunden – fürs Erste … (mli)