FIFA drohte mit Sanktionen für Spieler

Nach dem WM-Aus für die "One Love"-Kapitänsbinde: So erklärt sich der DFB

Absage an One Love Binde FIFA WM 2022
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FIFA WM 2022
Absage an One Love Binde

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Diese Entscheidung schlägt hohe Wellen! Nachdem sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und seine europäischen Verbündeten dem als erpresserisch empfundenen FIFA-Druck gebeugt haben und auf die „One Love“-Kapitänsbinde verzichten, äußerte sich nun der DFB in Person von Präsident Bernd Neuendorf und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff zu dem Thema.

„Das ist kein Vergnügen"

Neuendorf sagte in einem kurzfristig einberufenen Medienstatement vor dem Training der Nationalmannschaft, dass der DFB die von der FIFA so kurzfristig ins Leben gerufene Debatte bemerkenswert finde und kritisch sehe. „Das ist kein Vergnügen, wenn man so kurz vor dem Turnier mit sowas konfrontiert wird.“ Gegenüber der FIFA wolle Neuendorf klarmachen, dass „wir ein solches Verhalten keinesfalls tolerieren können.“ „Es handelt sich um eine Machtdemonstration der FIFA“, äußerte der DFB-Boss, der von einem „weiteren Tiefschlag“ sprach: „Die Drohung von sportlichen Konsequenzen war eindeutig. Wir stehen aber zu unseren Werten und werden die auch weiter während des Turniers vertreten.“

Gleichzeitig hat Neuendorf Kritik zurückwiesen, wonach der DFB eingeknickt sei. „Dem Vorwurf müssen wir uns nicht aussetzen“, sagte der 61-Jährige. Neuendorf verwies auf die verweigerte Gefolgschaft des DFB für FIFA-Präsident Gianni Infantino auf dem Weg zu dessen Wiederwahl: „Das ist ein deutliches Signal.“ Neuendorf will trotz des Streits weiter mit der FIFA „im Dialog“ bleiben: „Ich habe kein Interesse daran, das Verhältnis zur FIFA nachhaltig zu belasten. Aber wir bleiben klar in der Kritik.“

DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff äußerte, es fühle sich „schon stark nach Zensur an“. Er kritisierte, dass die FIFA bewusst kurz vor dem Spieltag eine Drucksituation gestalte, obwohl schon länger bekannt sei, dass mehrere Verbände mit der Binde auflaufen wollen. „Das ist traurig, dass es in der Art und Weise passiert ist.“ England hat zum Beispiel erst kurz vor dem Spiel gegen den Iran von der Entscheidung des Weltverbandes erfahren. Bierhoff berichtete zudem, dass das Verbot auch für die Spieler frustrierend sei. „Auch für Manuel ist es eine schwierige Situation“, sagte der Ex-Profi mit Blick auf DFB-Kapitän Manuel Neuer.

Verbände bedauern die Entscheidung der FIFA

„Wir erleben einen beispiellosen Vorgang in der WM-Geschichte“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf zuvor schon zum Endrunden-Aus für das Menschenrechts-Symbol: „Die von der FIFA herbeigeführte Konfrontation werden wir nicht auf dem Rücken von Manuel Neuer austragen.“ Es geht also auch um den Schutz der Spieler. Der DFB und die Verbände aus England, Wales, Belgien, Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz setzen sogar eine gemeinsame Erklärung auf. Darin heißt es: „Die FIFA hat sehr deutlich gemacht, dass sie sportliche Sanktionen verhängen wird, sollten unsere Kapitäne die Armbinden auf dem Platz tragen.“

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Zeitgleich hatte der Fußball-Weltverband in seiner Mitteilung unmissverständlich klar gemacht, dass der „Spielführer jeder Mannschaft die von der FIFA zur Verfügung gestellte Armbinde tragen muss“. Die Kapitäne könnten nun mit den vom Weltverband bereitgestellten Binden auflaufen. Diese sollen diverse Botschaften verbreiten.

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Schiedsrichter versteht die Welt nicht mehr

Auch Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich hat sich in der Debatte deutlich gegen den Fußball-Weltverband positioniert. „Ich suche nach der Regelgrundlage für die Entscheidung seitens der FIFA, das Tragen der OL Binde mit Gelb zu sanktionieren. Ich finde sie nicht“, schrieb der 43 Jahre alte Hamburger am Montag auf Twitter. „Alle werden instrumentalisiert. Traurig und unfassbar! Auch hier nur indirekt ohne Grundlage für Gelb, oje!“

Die FIFA hat das Verbot der „One Love“-Kapitänsbinde mit den von allen Teilnehmern anerkannten WM-Regularien begründet. Es gab die Drohung, dass betreffende Spieler eine Gelbe Karte erhalten würden. Geldstrafen, wie normalerweise bei solchen Vergehen üblich, hätten die europäischen Verbände in Kauf genommen. (jlu/dpa/sid)