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Nach Besetzung von A100 in Steglitz: Polizist soll Klimaaktivist das Schlüsselbein gebrochen haben

Während einer Straßenblockade an der Autobahnabfahrt der A100

Schlüsselbeinbruch und Gehirnerschütterung: Klimaaktivist soll von Polizist schwer verletzt worden sein

"Letzte Generation" protestiert gegen Ölbohrungen in der Nordsee
Schlüsselbeinbruch und Gehirnerschütterung: Klimaaktivist Edmund Schultz wird nach Polizeieinsatz bei Demonstration schwer verletzt
Achim Egner

von Cathleen Bergholz

„Keine Ölbohrungen in der Nordsee!“- das fordern Klimaschützer der „Letzten Generation“ von Bundeskanzler Olaf Scholz. Bis er ihrer Forderung nachkommt, wollen die Aktivisten nun jeden Tag protestieren, indem sie Straßen für Autofahrer blockieren . Bei den bundesweiten Straßenblockaden ist es in Berlin nun zu einem schmerzhaften Zwischenfall gekommen: einer der Aktivisten wurde von der Polizei zu Fall gebracht und soll sich dabei neben Schürfwunden auch einen Schlüsselbeinbruch und eine Gehirnerschütterung zugezogen haben.

Aktivisten kleben sich auf Autobahnausfahrt fest, um Verkehr zu blockieren

Es ist bereits der dritte Tag des Widerstands für die Klimaaktivisten, als einer von ihnen, Edmund Schultz, von einem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht werden muss. Gemeinsam mit sieben weiteren Klimaschützern soll er laut Angaben der Berliner Polizei um 08:10 Uhr die Autobahnausfahrt auf der A100 in Steglitz blockiert haben. „Vier der Aktivisten waren auf der Fahrbahn festgeklebt“, erklärt ein Sprecher der Polizei auf RTL-Anfrage. Edmund Schultz ist einer von ihnen gewesen.

Aktivisten kleben sich fest und blockieren die Straßen, solang nach Öl in der Nordsee gebohrt wird
Beispielbild: Ein Polizeibeamter löst die festgeklebte Hand eines Klimaschutz-Demonstranten der Gruppe "Letzte Generation" vom Asphalt
htf, dpa, Paul Zinken

Um den Verkehr schnellstmöglich wieder zum Laufen zu bringen, rückt die Polizei mit Kräften der technischen Einsatzeinheit und einem polizeiärztlichen Dienst an und entfernt mit einem speziellen Lösungsmittel den Kleber. „Wir haben die Festgeklebten von der Fahrbahn gelöst und weggetragen“, sagt der Sprecher der Berliner Polizei.

Einige sollen dann versucht haben, erneut die Fahrbahn zu blockieren. Dabei sollen die Polizisten die Aktivisten geschubst und weggedrückt haben. Edmund Schultz fällt daraufhin zu Boden und klagt über Schulter- und Kopfschmerzen. Die Polizei habe dann den Rettungsdienst alarmiert, der den Verletzten in ein Krankenhaus bringt.

Aktivist Edmund Schultz: "Es tut schweineweh"

„Ich habe ein gebrochenes Schlüsselbein, mein Rucksack ist zerrissen, paar Schürfwunden und eine leichte Gehirnerschütterung“, schildert Schultz nach dem Vorfall in einem Video auf Twitter. Er hält das Geschehene für überflüssig. Denn auch für die Polizisten und Polizistinnen wollen er und die anderen Demonstranten die Zukunft retten. „Es ist nichts Unmögliches, was wir fordern“, sagt er. „Es ist die Pflicht der Regierung, unser Leben zu retten und kein neues Nordseeöl zu bohren“.

Der Aktivist ist nach dem Zwischenfall nun sechs bis acht Wochen „aus dem Verkehr gezogen“, wie er selbst sagt und klagt über schwere Schmerzen. Trotzdem will er weitermachen – so gut es mit einer Hand eben ginge.

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Zusammenschluss "Letzte Generation" demonstriert gegen die Ölbohrungen in der Nordsee
Klimaaktivist Edmund Schultz klebt sich selbst auf der Fahrbahn fest
Achim Egner

Sicher ist aber: Gegen alle Aktivisten wird nun wegen des Verdachts auf Nötigung ermittelt. Denn durch ihre Blockaden haben sie Autofahrer genötigt stehen zu bleiben. All die Aktivisten, die sich zusätzlich auf der Fahrbahn festgeklebt haben, wird auch wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt. „Es ist ja nicht so, dass wir die Leute sofort abdrängen“, erklärt ein Sprecher der Polizei und fügt hinzu: „Wir sprechen erst einmal mit ihnen, gehen aktiv auf sie zu. Dann folgt die Androhung von körperlichem Zwang.“

Außerdem sollen die Aktivisten Ordnungswidrigkeiten begangen haben, Bußgeldbescheide werden nun geprüft. Wer sich auf der Fahrbahn festklebt und im Beisein der Polizei wieder gelöst werden muss, den erwartet eine Geldstrafe in Höhe von 241 Euro.

Wer sind die Aktivisten der Gruppe "Letzte Generation"?

Die letzte Generation ist ein Zusammenschluss aus Klimaaktivisten, die von sich selbst sagen, entschlossen gewaltfreien Widerstand gegen den fossilen Wahnsinn unserer Gegenwart zu leisten. Ihre Forderungen an die Politik sind klar formuliert: Öl sparen, statt nach neuem zu bohren. Kostenloser Nahverkehr und ein Tempolimit wären einfache, erste Maßnahmen, so die „Letzte Generation“.