Mutter klagt an: Hätte der Tod des kleinen Elias Muhammed (7) verhindert werden können?

Musste Elias sterben, weil die Ärzte seine Symptome falsch deuteten?

Der kleine Elias Muhammed aus Pempelfort wurde nur sieben Jahre alt. Dabei soll er ein kerngesunder Junge gewesen sein, bis er Mitte Dezember plötzlich hohes Fieber bekam, das nicht unter Kontrolle zu bringen war. Seine Mutter Belgis Hakimi bat verschiedene Ärzte um Hilfe, doch die erkannten ihrer Ansicht nach den Ernst der Lage nicht - sprachen von einem einfachen Virus. Kurz darauf war der kleine Elias tot. Er starb nach einer Blutvergiftung, wie uns die trauernde Mutter im RTL-Interview erzählt. Nun soll die Staatsanwaltschaft klären, ob er Tod des Jungen hätte verhindert werden können.

von Sarah Herpertz

"Ich hab den Fall öffentlich gemacht, weil mein Kind gesund war. Mein Sohn hatte 40/41 Grad Fieber, ich bin oft zum Kinderarzt gegangen, zum Notarzt und ins Krankenhaus. Aber so, wie die Leute mit mir geredet und mit meinem Kind umgegangen sind, war unmöglich und unglaublich. Ich war ganz alleine", erzählt Elias' Mutter mir am Telefon.

Am 19. Dezember bekam ihr Sohn plötzlich Fieber. Zweimal ging sie mit dem Kind zum Notarzt, beide Male soll sie damit vertröstet worden sein, dass das Kind nur einen Virus habe. Ibuprofen, Paracetamol und etwas Geduld würden reichen, um das Fieber zu senken. Doch die 41-Jährige spürte, dass ihr Kind nicht einfach einen Virus hat. "Ich habe die Ärzte gebeten, sein Blut zu untersuchen, weil es ihm nicht gut ging. Aber die Antwort war, dass jetzt Weihnachtstage sind, und sie haben ihn mit seinen Schmerzen alleine gelassen", klagt sie an. Zu diesem Zeitpunkt soll Elias' Haut bereits von roten Flecken übersät und seine Füße und Beine gelb gewesen sein - für die Altenpflegerin ein klares Zeichen für eine Blutvergiftung.

Nachdem sich Elias' Zustand weiter verschlechtert hatte, fuhr seine Mutter am 26. Dezember schließlich mit ihm ins evangelische Krankenhaus in Düsseldorf. "Ich musste zwei Stunden auf der Station auf einen Arzt warten, bis sie ihm dann plötzlich einfach den Bauch aufgeschnitten haben – ohne MRT, ohne Untersuchung, warum?" Bei der Behandlung des Kleinen stellten die Ärzte fest, dass sein Blut nicht mehr ausreichend gesättigt war. Er hatte (doch) eine Blutvergiftung. Um seine Lunge zu entlasten, wurde er sofort notoperiert. Doch die Hilfe kam zu spät. "Mein Kind ist auf eigenen Füßen lachend ins Krankenhaus gekommen." Einige Stunden später war Elias tot. An Weihnachten. "Er hatte noch die ganze Zeit versucht, stark zu bleiben."

Elias' Mutter wartet vergeblich auf eine Entschuldigung der Ärzte

"Ich habe meinen Muhammed geliebt, liebe ihn und werde ihn auch immer lieben. Er war meine Freude, mein Lachen, mein bester Freund, mein ein und alles. Ich vermisse dich, mein Baby, ich möchte dich nur zurückhaben", schreibt Elias' Mutter bei Facebook, wo sie das Schicksal ihres kleinen Engels öffentlich machte. "Ich möchte nicht, dass eine andere Mutter so leidet wie ich. Ich sitze hier die ganze Zeit und bete und weine", erzählt sie mir weiter.

"Ich will, dass die Ärzte ihren Fehler zugeben. 'Es tut uns leid, wir haben einen Fehler gemacht', ich warte nur auf diese Worte. Wie die Leute mit mir geredet und mit meinem Kind umgegangen sind, war unmöglich und unglaublich. Ich habe so viele Kinder mit Fieber gesehen, die einfach nach Hause geschickt wurden."

Bislang soll sich niemand persönlich bei der Familie erkundigt oder gar entschuldigt haben. "Nur ein Kinderarzt, der die OP angeleitet hat."

Die Notfallpraxis und auch das Krankenhaus veröffentlichten Stellungnahmen, in denen sie die Vorwürfe zurückweisen: "Der Junge kam am Morgen des 26.12.2017 als akuter Notfall in unser Krankenhaus. Bei uns wurde er von unserem interdisziplinären Team mit allen notwendigen ärztlichen Kompetenzen entsprechend medizinisch behandelt, dann in die Uniklinik verlegt, wo er am frühen Abend verstorben ist", heißt es seitens des Krankenhauses, das betont, nicht für die Notfallpraxis verantwortlich zu sein, bei der die Mutter vor dem Krankenhausbesuch um eine gründliche Behandlung gebeten hatte.

Die Notfallpraxis selbst äußerte sich wie folgt: "Die gegen die Notfallpraxis erhobenen Vorwürfe können nicht nachvollzogen werden." Der Grund: Der Notdienst sei nicht verantwortlich für die Ärzte, die dort arbeiten. "Der Verein hat keinen Einblick in Behandlungsabläufe und -unterlagen."

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Staatsanwaltschaft soll Todesursache von Elias Muhammed klären

Eine Obduktion des Jungen soll nun klären, ob Elias' Tod wirklich hätte verhindert werden können. Dafür wurde der Leichnam des Jungen am 10. Januar auf dem Friedhof in Holthausen auf Anordnung der Staatsanwaltschaft exhumiert. Elias' Mutter soll als Erste informiert werden, wenn ein Obduktionsbericht vorliegt. Bislang wartet sie vergeblich.