Mülltonne noch nicht abgeholt und geleert?

Entsorgungsbetriebe schlagen Alarm: Es gibt zu wenig Fahrer für die Müllabfuhr!

Mitarbeiter der Abfallwirtschaft Stuttgart beladen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart einen Müllwagen (Foto vom 23.07.2012). 20 Tonnen Müll entsorgt ein Dreier-Team pro Tag.
In Deutschland gibt es zu wenig Müllwagenfahrer.
Bernd Weißbrod, picture alliance

Deutschlands Abfallbranche schlägt Alarm: Wegen Personalmangel kann es bereits jetzt dazu kommen, dass es Ausfälle bei der Müllentsorgung gibt. Denn in Deutschland gibt es zu wenig Fahrer für die Müllabfuhr. Und das Problem könnte sich bald verschärfen.

60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer fehlen in Deutschland

„Der Fahrermangel ist ein Problem, was unseren Betrieben immer stärker zusetzt“, sagte der Präsident des Entsorgungsverbandes BDE, Peter Kurth, in Berlin. „Es gibt erste Fälle, dass Entsorgungstouren mangels Fahrern nicht gemacht werden können.“ Diese Einzelfälle drohten sich in Zukunft zu häufen, warnte er.

In der gesamten Logistikbranche, zu der Kurth den Abfallsektor zählt, gingen in Deutschland jedes Jahr 30.000 Berufskraftfahrer in Rente, es gebe aber nur halb so viele Berufsanfänger. Schon jetzt fehlten 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer im Land. Die Politik müsse dringend gegensteuern. In einem Brief bat Kurth Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) unlängst um Unterstützung.

Der Verbandschef wirbt dafür, dass die Barrieren für ausländische Fachkräfte gesenkt werden. So findet er es unverständlich, dass die praktischen Prüfungen, die es bei Lkw-Führerscheinen und späteren Schulungen gibt, auf Deutsch sein müssen, während die Theorieprüfungen auch auf Englisch und in anderen Sprachen abgelegt werden können. „Für Berufsinteressenten aus Bosnien und aus anderen Nicht-EU-Staaten ist das ein Hindernis, was ihre Einstellung verzögert oder sogar unmöglich macht.“ Gute Englischkenntnisse reichten aus, um hierzulande ein Entsorgungsfahrzeug zu steuern.

Lange Wartezeiten für Führerscheinprüfung

Generell müsse Deutschland im Ausland stärker um Berufskraftfahrer werben, meint Kurth. Als problematisch empfindet der BDE-Präsident zudem die langen Wartezeiten, bis eine Prüfung abgelegt werden kann. Das liege daran, dass es zu wenige Prüfer gebe. Um dieses Problem zu lösen, solle der Staat auch hier Bürokratie abbauen. So sollten ehemalige Prüfer schnell reaktiviert werden können. Bisher dauere es sehr lange, bis die Prüferlaubnis wieder erteilt werde.

Auch die Digitalisierung könne helfen, um den Fahrermangel etwas zu lindern. „Es sollten mehr Digitalkomponenten eingesetzt werden, wenn Menschen für einen Lastwagen-Führerschein lernen und später Weiterbildungen machen.“ Dadurch könnten bestimmte Präsenzveranstaltungen entfallen und stattdessen online stattfinden, sagt Kurth. Die Niederlande und Österreich seien hier viel weiter als Deutschland. „Für die Firmen und die Fahrer wäre das eine zeitliche, räumliche und finanzielle Entlastung.“

In Deutschland gibt es nach BDE-Angaben rund 20.000 Entsorgungsfahrzeuge. Normalweise sind sie mit einem Fahrer und einem sogenannten Lader besetzt, letzterer holt die Mülltonnen und leert sie aus. Manchmal sind es auch zwei Lader. Beim Fahren wechselt sich die Besatzung nicht ab, da der Lader in den meisten Fällen nicht die nötige Fahrerlaubnis und Berufsqualifikation hat. (dpa/aze)

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