Starke Schmerzen in der Hüfte

Perthessche Erkrankung: Eine schwere orthopädische Kinderkrankheit

Leidet es unter der Perthesschen Erkrankung, hat das Baby besonders bei gespreizten Beinen starke Schmerzen.
Leidet es unter der Perthesschen Erkrankung, hat das Baby besonders bei gespreizten Beinen starke Schmerzen.
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03. August 2020 - 13:21 Uhr

Morbus Perthes: Bei Babys eher selten

Die Perthessche Erkrankung – auch Morbus Perthes oder idiopathische juvenile Hüftnekrose genannt – ist eine schwere Schädigung des Hüftkopfs. Sie tritt vorwiegend bei Kindern zwischen dem dritten und dem zwölften Lebensjahr auf, wobei die Häufigkeit bei Kindern zwischen fünf und acht Jahren besonders hoch ist. Morbus Perthes bei Babys ist zwar sehr selten, aber dennoch nicht ausgeschlossen. Insgesamt ist die Häufigkeit der Krankheit mit fünf Fällen pro 100.000 Einwohner relativ gering. Dabei sind Jungen deutlich häufiger betroffen als Mädchen. 

Morbus Perthes: Ein Defekt des Hüftkopfs

Wenn eine Perthessche Erkrankung auftritt, bedeutet das, dass Teile des Knochengewebes des Hüftkopfs absterben. Das beeinträchtigt die Bewegungsfähigkeit des Hüftgelenks und verursacht häufig starke Schmerzen. Die Perthessche Erkrankung kann in unterschiedlicher Schwere auftreten, sodass die Mediziner sie in vier Stufen einteilen:

  • Stufe I: Lediglich das innere Viertel der sogenannten Wachstumsfuge – in der das Knochenwachstum stattfindet – ist betroffen.
  • Stufe II: Etwa 50 Prozent der Wachstumsfuge sind geschädigt. Eventuell treten leichte Formveränderungen auf.
  • Stufe III: 75 Prozent sind betroffen und es kommt zu Verformungen.
  • Stufe IV: Die gesamte Wachstumsfuge ist erkrankt und vollständig deformiert.

Ursachen der Perthesschen Erkrankung

Als Ursache der Perthesschen Erkrankung gilt eine mangelhafte Durchblutung des Hüftkopfs. Das hat mehrere schwerwiegende Folgen. Zum einen erhält dieser Bereich dadurch nur unzureichende Mengen an Nährstoffen und Sauerstoff. Das behindert das Wachstum des Knochens. Zum anderen werden dadurch Stoffwechselprodukte nicht mehr abtransportiert. Daher sammeln sich schädliche Substanzen an.

Diese beiden Faktoren führen dazu, dass das Knochengewebe abstirbt. Was jedoch genau die Durchblutungsstörung verursacht, ist nicht eindeutig geklärt. Es gibt zwar verschiedene Hypothesen – beispielsweise eine mangelhafte allgemeine Durchblutung des Körpers, eine hormonelle Dysregulation oder genetische Defekte – doch es gibt bislang keine eindeutigen Beweise für diese Vermutungen.

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An diesen Symptomen erkennen Sie Morbus Perthes beim Baby

Die Perthessche Erkrankung kann schwere Folgen haben und sollte unbedingt behandelt werden. Allerdings ist es für die Eltern nicht immer einfach, diese zu erkennen. Das früheste Symptom ist sicherlich ein leichtes Hinken. Außerdem werden die Kinder lauffaul und wollen nicht mehr spielen. Später kommen Schmerzen in der Hüfte, in den Oberschenkeln und in den Knien hinzu.

Die Beschwerden sind besonders stark, wenn das Kind die Beine spreizt oder sie nach innen dreht. Darüber hinaus sind die Kinder oftmals müde und erschöpft. Wenn der Verdacht auf Morbus Perthes besteht, kann der Arzt anhand von Röntgenaufnahmen und einer Magnetresonanztomografie eine gesicherte Diagnose erstellen.

Die Behandlung der Perthesschen Krankheit

Die Behandlung von Morbus Perthes hängt von der Schwere der Erkrankung und vom Alter des Kindes ab. Bei leichten Fällen ist häufig eine Schonung des Gelenks ausreichend. Außerdem kontrolliert der Arzt regelmäßig, ob eine Bewegungseinschränkung vorliegt. Bei älteren Kindern kommen physiotherapeutische Übungen hinzu. Auch schonende Sportarten wie Radfahren und Schwimmen sind für die Behandlung sinnvoll.

In schwereren Fällen kann eine Operation notwendig sein. Normalerweise bleiben keine Beeinträchtigungen zurück. Nach der Heilung bildet sich neues Knochengewebe und der Hüftkopf nimmt wieder seine ursprüngliche Form an. Nur in seltenen Fällen kommt es zu einer dauerhaften Deformierung.