Wie ist so etwas in einem reichen Land wie Deutschland möglich?

Millionen Menschen in der Minijob-Falle: Wenn mehrere Jobs kaum zum Leben reichen

30. Juli 2019 - 11:26 Uhr

Wirtschaftliche Not treibt Beschäftigte zu mehreren Jobs

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland mehr als einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, ist regelrecht explodiert: Inzwischen haben bei uns 3,4 Millionen Menschen einen Nebenjob, vor 15 Jahren waren es noch 1,4 Millionen. Die meisten Beschäftigten brauchen zwei Jobs, um überhaupt über die Runde zu kommen - und es sind hauptsächlich Frauen, die betroffen sind. Oft ist es die pure Not, die dazu führt. Auch Marimah und Natascha gehen neben ihrer Teilzeitarbeit zusätzlichen Jobs nach. Wir haben die beiden im Alltag begleitet. Im Video erklären sie, warum sie trotz eines 10-Stunden-Arbeitstages in ständiger Sorge vor dem finanziellen Absturz leben.

Flexibler Arbeitsmarkt auf Kosten der Arbeitnehmer

Die Hauptgründe für den starken Nebenjob-Zuwachs liegen für Johannes Jakob vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) auf der Hand: Immer mehr Menschen arbeiten in Teilzeit. Das bedeutet auch, dass sie weniger Geld verdienen. "Viele suchen sich dann eine Zweitbeschäftigung als Nebenjob", sagt der Gewerkschafter.

Betroffen sind meist Beschäftigte im Dienstleistungssektor - und vor allem Frauen. Denn viele Arbeitgeber bieten gar keine Vollzeitjobs mehr an. Entsprechend müssen zwei Jobs her, um die Rechnungen bezahlen zu können.

Gerade die Minijobs sehen Gewerkschaften kritisch: Häufig sind die Tätigkeiten schlecht bezahlt und "bringen die Ordnung im Arbeitsmarkt durcheinander".  Für die Arbeitgeber seien die Minijobs gut, weil sie den Arbeitsmarkt flexibel halten - auf Kosten der Arbeitnehmer. Deshalb fordert der DGB, die Sonderbedingungen für Minijobs abzuschaffen und den Minijob voll sozialversicherungspflichtig zu gestalten.

Dann entstehen statt immer neuer Minijobs viellöicht auch mehr vernünftig entlohnte Vollzeit-Jobs. Darauf hofft auch Mariamah. Die 28-Jährige möchte endlich eine gutbezahlte volle Stelle, damit der Stress mit den zwei Jobs bald vorbei ist.