Bakterien können schwere Durchfälle auslösen

Baby hat zurückgerufene Milch bekommen - was jetzt?

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11. Oktober 2019 - 20:28 Uhr

Babys sind besonders gefährdet

Von den aktuell aus deutschen Supermärkten zurückgerufenen Frischmilch-Produkten geht die Gefahr aus, schwer an Durchfall zu erkranken - sie könnten mit dem Bakterium Aeromonas hydrophila/caviae verseucht sein. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Immungeschwächte, Transplantationspatienten, Kinder und Babys. Gerade letztere bekommen mit einem halben Jahr oft im Brei zum ersten Mal Kuhmilch. Dass die betroffene fettarme Milch jetzt nicht mehr verfüttert werden sollte, ist klar - aber was sollen Eltern tun, wenn das schon passiert ist?

Erste Hilfe bei Baby-Durchfall

Christian Neumann, Pressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, weiß Rat: "Zunächst kommt es darauf an, in welchem Zustand die Milch verabreicht wurde. Wurde sie mit auf mindestens 60 Grad erhitzt, müssten die Keime weitestgehend abgetötet worden sein. Anders sieht es aus, wenn der Brei mit kalter Milch angerührt wurde." Auch dann ist jedoch erstmal keine Panik angesagt: "Es kommt auch auf die Menge an, die vom Baby konsumiert wurde. Eltern sollten deshalb erst mal beobachten, ob überhaupt etwas passiert."

Sollte das Baby tatsächlich Durchfall bekommen, unterscheidet sich die Behandlung im Wesentlichen nicht von anderen bakteriellen Durchfällen: "Das wichtigste ist, dass der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgeglichen wird. Dafür ist aber mehr nötig als nur Wasser, da sonst die Blutsalze fehlen. In der Apotheke gibt es spezielle Elektrolyt-Lösungen, die dafür eingesetzt werden können." 

Bei Erbrechen und Fieber zum Arzt

"In der Regel sind solche Durchfälle in ein bis zwei Tagen durchgestanden", so Christian Neumann. Spätestens, wenn die Durchfälle heftiger werden, das Kind sogar erbrechen und Fieber bekommen sollte, sei jedoch der Gang zum Arzt oder am Wochenende ins Krankenhaus angesagt. "Auch, wenn das Kind völlig schlapp und müde ist und die Nahrungsaufnahme verweigert, sollten Eltern medizinische Hilfe suchen."

Getreide-Milchbreie ab 6. Lebensmonat empfohlen

Kuhmilch ist für Babys in den Augen der meisten Experten erstmal tabu. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) besagt, dass Vollmilch als Trinknahrung "erst nach dem 1. Lebensjahr" gegeben werden kann. Und weiter: "Alle Milchmahlzeiten sollten im 1. Lebensjahr aus Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung bestehen."

Ausnahme bilden geringe Mengen Vollmilch, wie sie im Vollmilch-Getreide-Brei enthalten sind - die dürfen ab dem sechsten Lebensmonat schon gefüttert werden. Dabei soll die Vollmilch im Verhältnis 1:1 mit Wasser verdünnt werden, alternativ kann der Brei auch nur mit Wasser zubereitet werden, so die Herstellerangaben. Zwar handelt es sich bei der Milch aus der aktuell zurückgerufenen Charge um fettarme Milch - trotzdem sollten Eltern von Säuglingen jetzt genau prüfen, was sie im Kühlschrank stehen haben und eventuell in den Brei mischen. 

Welche Produkte vom aktuellen Rückruf betroffen sind, erfahren Sie hier.