Treffen mit Löw muss warten

Mesut Özil findet bei Fenerbahce sein Glück und ist auf Versöhnungkurs

Mesut Özil kehrt mal wieder nach Deutschland zurück.
Mesut Özil kehrt mal wieder nach Deutschland zurück.
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15. September 2021 - 14:51 Uhr

Das hässliche Ende der Özil-Zeit für das DFB-Team

Als Mesut Özil am 23. März 2018 spätabends den Rasen in Düsseldorf verlässt, ist seine Fußball-Welt noch in Ordnung. Die deutsche Nationalmannschaft hat sich in einem höchst unterhaltsamen Spiel 1:1 von Spanien getrennt, der Weltmeister scheint gerüstet für die Mission Titelverteidigung. Doch nur wenige Monate, ein viel diskutiertes Foto, das historische Vorrunden-Aus und hässliche rassistische Anfeindungen später ist nichts mehr, wie es war. Vor allem nicht für Özil. Es sollte dreieinhalb Jahre dauern, bis er wieder ein Pflichtspiel in Deutschland bestreiten würde - bis jetzt.

Özil kehrt nach Deutschland zurück

Am Donnerstag (21 Uhr bei TVNOW) tritt der 32-Jährige zum Auftakt der Europa League mit Fenerbahce bei Eintracht Frankfurt an - und Özil ist auf Versöhnungskurs. Ein persönliches Gespräch mit dem früheren Bundestrainer Joachim Löw sei zwar "wegen der Corona-Situation leider noch nicht möglich", sagt er im Interview mit dem Sportinformationsdienst: "Aber Jogi kennt sich ja auch in Istanbul bestens aus und ist jederzeit zu einem Fenerbahce-Heimspiel eingeladen."

Özil-Entdecker erinnert sich: "War eine Entscheidung für Deutschland"

Mit seinem Förderer Löw hatte er ohnehin nie wirklich Ärger. Dass er sich nach dem Desaster von Russland aus der Nationalelf verabschiedet hatte, lag vielmehr an den üblen Beschimpfungen sowie der fehlenden Rückendeckung durch den DFB und dessen damaliger Führungsspitze. "Es wird die Zeit kommen, wo wir uns miteinander wieder unterhalten und uns wieder treffen werden", sagte Löw zuletzt. Das Umfeld der beiden sucht bereits nach einem geeigneten Termin für Özils besonderes "Heimspiel" mit Löw.

In Istanbul, sagt er, fühle er sich "sehr wohl". Dort hat er im Juni 2019 seine Amine geheiratet - übrigens mit einem gewissen Recep Tayyip Erdogan als Trauzeugen. Dort feiern ihn die Fans wie einen Heiligen. Und dort findet er nach Niederlagen Trost bei seiner kleinen Tochter Eda. "Sie ist ein Geschenk", sagt Özil.

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"Sehr glücklich über den Schritt"

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Das Foto der Empörung: Mesut Özil und Recep Tayyip Erdogan.
© dpa, -, BO nic sab hak nic fgj

Ähnlich empfindet er die Zuneigung der Türken, die den gebürtigen Gelsenkirchener nach seiner am Ende schweren Zeit beim FC Arsenal im vergangenen Januar mit offenen Armen empfingen. "Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich diesen Schritt hierher gegangen bin - privat und beruflich", sagt Özil, der schon als Kind im Fener-Trikot kickte - wenn er nicht Schalker Königsblau trug.

Der Saisonstart ist mit zehn Punkten aus vier Partien geglückt. Özil, der am ersten Spieltag zum 1:0-Sieg in Adana traf, träumt von der Meisterschaft mit seinem "Lieblingsverein" - es wäre die erste für Fenerbahce seit 2014. In der Europa League warte zum Auftakt "wahrscheinlich gleich mal das schwerste der sechs Gruppenspiele", sagt er. Ihm imponiert, wie ernst die Eintracht den Wettbewerb nimmt, das könne man "nicht immer von jeder deutschen Mannschaft behaupten". Löw wird zwar nicht kommen, dafür aber Özils Familie. Treffen, sagt der verlorene Sohn, könne er auch sie "leider nicht - wegen Corona". (tno/sid)