RTL News>Familie>

Medizinische Sensation: Extrem-Frühchen kommen corona-positiv zur Welt!

Eine medizinische Sensation

Drillinge aus der Oberpfalz kommen als Extrem-Frühchen zur Welt - und alle drei haben Corona!

Alexandra Sommer mit den Drillingen Felicia, Lilian und Noel im Arm.
Die Corona-Drillinge: Lilian, Felicia und Noel kamen als Frühchen und mit Corona infiziert zur Welt.
Alexandra Sommer, RTL

von Svenja Hoffmann

Am 15. Dezember 2020 kamen die Drillinge Noel, Lilian und Felicia, heute eineinhalb Jahre alt, in der 29. Schwangerschaftswoche als Frühchen zur Welt. Als hätte diese Tatsache für die Neugeborenen und ihre Eltern nicht schon für genug Aufregung gesorgt, waren alle drei corona-positiv – infiziert im Mutterleib! Diese Tatsache machte die drei Geschwister aus der Oberpfalz 2020 zu einer medizinischen Sensation.

Corona-positiv eine Woche vor der Entbindung

Nur eine Woche bevor Alexandra Sommer ihre Drillinge Lilian, Felicia und Noel zur Welt brachte, wurde sie selbst positiv auf das Corona-Virus getestet. Ob sie sich sorgte, dass sich die Infektion auf ihre ungeborenen Babys auswirken könnte? „Eigentlich eher weniger, da bis dahin ja noch die weitläufige Meinung vertreten wurde, dass Corona nicht im Mutterleib auf das Kind übertragen wird“, sagt sie im RTL-Interview.

Ganz im Gegenteil, erklärt sie im Interview sogar weiter, sei sie fast erleichtert gewesen, sich weit vor der geplanten Entbindung mit dem Virus infiziert zu haben. Denn: Ihre größte Angst sei die gewesen, sich um den Zeitpunkt des errechneten Geburtstermins herum anzustecken. „Übertragungen auf das Kind während der Geburt wurden ja für wahrscheinlicher angesehen.“

Doch bei Alexandra Sommer löste die Corona-Infektion Wehen und einen Blasensprung aus, wie sie gegenüber RTL erzählt. Und so wurden die Drillinge in der 29. Schwangerschaftswochen als Extrem-Frühchen geboren.

"Ich hab immer wieder geweint und gesagt: Wenn jetzt eines stirbt, hab ich es nicht mal lebend gesehen"

Nicht nur die Tatsache, dass die Geschwister Lilian, Felicia und Noel als Frühchen zur Welt kamen, machte ihnen den Start ins Leben schwer. Denn entgegen allem, was man in Medizinerkreisen zu diesem Zeitpunkt annahm, kamen die drei bereits corona-positiv auf die Welt.

Im RTL-Interview sagt Alexandra Sommer: „Ich war natürlich schockiert, hätte ja nie gedacht, dass sich die Kinder überhaupt anstecken könnten auf diesem Weg und noch dazu nicht in dieser Kürze der Zeit, dem die drei diesem Virus letztlich ausgesetzt waren.“ Und nicht nur die vierfache Mutter, die gemeinsam mit ihrem Mann neben den Drillingen Sohn Etienne hat, war schockiert. Auch Mediziner sahen sich vor einer Situation, die sie bis dato nicht kannten. „Die Ärzte sagten uns, dass sie die Situation vor Schwierigkeiten stellt“, erinnert sich Alexandra Sommer rund eineinhalb Jahre später.

Doch auch die frisch gebackene Mutter selbst hatte keine leichte Zeit. Denn: Gleich nach der Geburt wurden die Drillinge isoliert und auf der Frühchenstation behandelt. Ganze zwei Wochen hat Alexandra Sommer ihre Neugeborenen nicht sehen können: „Uns wurde gesagt, dass bei extremen Frühgeburten häufig die ersten zwei Wochen entscheidend sind. Und genau in diesen zwei Wochen konnte ich nicht bei ihnen sein.“ Die Sorge, dass es eines der drei Kinder nicht schaffen könnte, hat die junge Mutter nicht losgelassen: „Ich hab immer wieder geweint und gesagt: Wenn jetzt eines stirbt, hab ich es nicht mal lebend gesehen und das Kind hat niemals die Hilfe, den Beistand und die Liebe seiner Mutter erfahren.“

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Medizinische Sensation: Extrem-Frühchen kommen mit Corona-Infektion zur Welt

Drei Frühchen in Brutkästen.
Lilian, Felicia und Noel kamen als Extrem-Frühchen auf die Welt - mit Corona-Infektion! Hier sind sie zwei Wochen alt.
Alexandra Sommer, RTL

Im RTL-Interview erzählt die Drillings-Mutter, den Ärzten haben Berichte über ähnliche Fälle gefehlt. Aus diesem Grund haben sie auf keinerlei Erfahrungswerte oder Empfehlungen bezüglich der Behandlung zurückgreifen können. „Es habe zwar zu Beginn der Pandemie schon anderswo ein Kind gegeben, das mit COVID geboren wurde, allerdings handelte es sich dabei nicht um ein Extrem-Frühchen.“

Aufgrund dieser Besonderheit wurde der Fall rund um Lilian, Felicia und Noel von einem Ärzteteam des Klinikums Weiden in der Oberpfalz wissenschaftlich aufgearbeitet. Wie in einer Veröffentlichung der Ergebnisse im Fachmagazin „Frontiers in Pediatrics“ zu lesen ist, habe man herausgefunden, dass das Virus über die Plazenta an die Föten übertragen wurde. Man habe dort das sogenannte SARS-CoV-2 N-Protein nachweisen können.

Trotz der herausfordernden Situation ist den Ärzten des Klinikums Weiden rund um Chefarzt Dr. Schneble eine erfolgreiche Behandlung der Drillinge gelungen. Alexandra Sommer erzählt gegenüber RTL, dass ihre Babys die gesamte Zeit über beatmet werden mussten. Außerdem habe man ihnen immer wieder den Schleim absaugen müssen, der sich durch die Erkrankung bildete. „Und Ihnen wurde häufig Blut abgenommen, um Entzündungswerte zu prüfen und ihnen wurde Antibiotika gegeben“, erinnert sich weiter.

Wahre Glückskinder: Eineinhalb Jahre später sind alle drei wohlauf

Die eineinhalb Jahre alten Drillinge beim Spielen.
Die Drillinge Lilian, Felicia und Noel sind heute eineinhalb Jahre alt - Spätfolgen durch die Frühgeburt oder die Corona-Infektion haben alle drei nicht.
Alexandra Sommer, RTL

Diese schwierige Zeit liegt mittlerweile rund eineinhalb Jahre zurück. Im Dezember des vergangenen Jahres feierten Lilian, Felicia und Noel ihren ersten Geburtstag. Den Dreien gehe es sehr gut und Folgen haben sie bislang weder von der Frühgeburt noch von der Infektion davongetragen, erzählt Alexandra Sommer. Ganz im Gegenteil: „Sie entwickeln sich gut, machen zu Hause alles unsicher und werden unendlich von ihrem großen Bruder Etienne und ihren Eltern geliebt.“

Die drei müssen wahre Glückskinder sein, wie auch Chefarzt Dr. Schneble der Drillings-Mutter versicherte: „Der Chefarzt Dr. Schneble sagte einmal zu mir: Sie haben richtige Glückskinder - wer solche widrigen Startbedingungen so gut wegsteckt, muss schon mit besonderem Glück gesegnet sein.“