Israelische Studie veröffentlicht

Mathematiker behauptet: Corona-Maßnahmen sind unnötig

28.04.2020, Vorschau: Weitere Lockerungsmassnahmen in Bayern, wegen der Corona-Virus-Pandemie, ab 4.Mai dürfen Friseurl
28.04.2020, Vorschau: Weitere Lockerungsmassnahmen in Bayern, wegen der Corona-Virus-Pandemie, ab 4.Mai dürfen Friseurl
© imago images/MiS, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

30. April 2020 - 10:54 Uhr

Waren alle Einschränkungen völlig umsonst?

Laut einer israelischen Studie ist die Ausbreitung der Corona-Pandemie nach sechs Wochen rückläufig - ob mit oder ohne strenge Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus. Das würde bedeuten, dass wir uns alle Maßnahmen der vergangenen Wochen hätten schenken können. Doch was ist dran, an dieser Studie? Wir haben Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, um eine Einschätzung gebeten.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie jederzeit im Live-Ticker auf RTL.de +++

Der Wissenschaftler ist kein Mediziner oder Virologe

Sollte die Studie stimmen, würde dies die Regierungen zahlreicher Länder in Bedrängnis bringen. Schließlich beeinträchtigen die Beschlüsse das alltägliche Leben weltweit und die Wirtschaft sowie unser Privatleben leiden seit Wochen unter den Auswirkungen der Corona-Krise.

Eine Analyse des israelischen Militärwissenschaftlers und Mathematikers Isaac Ben-Israel behauptet jetzt, dass diese Einschränkungen völlig umsonst waren, berichtet die israelische Zeitung "The Times of Israel". Für die Studie analysierte der Wissenschaftler Zahlen zum Wachstum und Rückgang der von dem Coronavirus betroffenen Länder.

Nach seinem Ergebnis erreicht die Corona-Pandemie nach 40 Tagen ihren Höhepunkt. Danach würden die Neuinfektionen zurückgehen und nach weiteren 30 Tagen wäre die Pandemie vollkommen ausgeklungen. Unabhängig davon, ob die Regierung einen drastischen Shutdown oder einen lockereren Umgang beschlossen hat. Allerdings ist er bei seiner Untersuchung weder auf die Anzahl der Test in den jeweiligen Ländern eingegangen, noch hat er die zeitverzögerte Erfassung der Daten berücksichtigt. Auch eine Erklärung, warum sich das Virus angeblich nur innerhalb von zehn Wochen verbreitet, bietet der Mathematiker nicht.

Aktuelle Zahlen sprechen gegen die Theorie der israelischen Studie

Laut Ben-Israel haben massive Eingriffe in das öffentliche Leben demnach keinen Einfluss auf eine exponentielle Ausbreitung. Doch öffentliche Entwicklungen widersprechen der These der Studie. Und auch Dr. Zinn kann die Ergebnisse der Studie nicht nachvollziehen: "Es gibt tatsächlich Länder, die keinen richtigen Shutdown gemacht haben, wie zum Beispiel Schweden. Die haben aber eine dreimal höhere Todesrate als wir, die einen Lockdown haben."

Demnach zeigt sich, dass der Infektionsverlauf nicht in jedem Land gleich verläuft und Maßnahmen sehr wohl Einfluss auf den Verlauf der Pandemie haben. In anderen europäischen Ländern, wo rigider gegen die Verbreitung von Covid-19 vorgegangen wird, gibt es, im Vergleich zu Schweden, deutlich weniger Todesopfer bei gleicher Ansteckungszahl.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Videoplaylist: Alles, was Sie über das Coronavirus wissen müssen

TVNOW-Doku: Was wir aus der Krise lernen

Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen den Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind? Sehen Sie hierzu die TVNOW-Doku: "Was wir aus der Krise lernen".