Imagepolitur: „Ballermann" in der Krise?

Schluss mit Party-Exzessen: Das plant die Regierung von Mallorca

Was wird aus der Party-Meile in Playa de Palma auf Mallorca?
Was wird aus der Party-Meile in Playa de Palma auf Mallorca?
© imago images/Chris Emil Janßen, Chris Emil Janssen via www.imago-images.de, www.imago-images.de

14. April 2022 - 6:03 Uhr

Die Playa de Palma ist der wohl deutscheste Ort außerhalb Deutschlands. Millionen Touristen, die dort jährlich feiern und ordentlich einen drauf machen, schwören auf den Kultstatus des berüchtigten "Ballermanns". Doch den Politikern auf Mallorca war der gut 500 Meter lange Strandabschnitt schon lange ein Dorn im Auge. Nach langer Diskussion treten jetzt tatsächlich neue Tourismus-Regeln in Kraft, die den Inselurlaub entspannender und nachhaltiger machen sollen. Und die Gastronomie der Partymeile geht mit einer Selbstverpflichtung sogar noch weiter.

Benimmregeln und mehr Zusammenarbeit sollen Saufexzesse verhindern

Zahlreiche Gastronomen und andere Unternehmer der Playa de Palma haben einen Verhaltenskodex unterzeichnet, mit dem unter anderem dem berüchtigten "Sauftourismus" Einhalt geboten werden soll. Zu den Unterzeichnern gehören die Betreiber von Kult-Lokalen wie Megapark und Bierkönig. Das Dokument listet zehn Punkte auf, die von der "Mallorca Zeitung" als "Benimmregeln" bezeichnet wurden. Die Lokal-Betreiber wollen demnach nicht nur die von der Politik vorgegebenen Regeln einhalten, sondern auch gegen übermäßigen Alkoholverzehr, gegen Rassismus, Gewalt und Drogenkonsum verstärkt vorgehen.

Dazu wollen die Diskotheken auch stärker miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten. Wer zum Beispiel in einer Kneipe Hausverbot erhält, soll nicht so einfach in die nächste Bar schlendern können. Auch soll ein direkter Draht zur Polizei eingerichtet werden, mit der man eng zusammenarbeiten will. "Wir wollen alle davon überzeugen, dass der Tourismus der Exzesse und des Saufens der Vergangenheit angehört", verkündete Mallorcas Unternehmerverband Caeb, in dem viele Gastwirte organisiert sind.

Neues Image durch schärfere Kleiderordnung und Bettenbremse

Die Regionalregierung der Balearen strebt bereits seit einigen Jahren einen Imagewandel an. Man will vor allem an dem bei deutschen Urlaubern beliebten "Ballermann", aber auch in der "Briten-Hochburg" Magaluf die Qualität der touristischen Angebote steigern und die sogenannten "Saufurlauber" verbannen. Das soll zwar nicht das Ende der Party auf Mallorca bedeuten. Doch das Feierpublikum soll beispielsweise nicht mehr in Badehose oder mit anstößiger Kleidung in die Diskotheken gelassen werden.

Die Qualität soll vor allem durch zwei Schritte verbessert werden: Zum einen durch die "Bettenbremse" – eine neue gesetzliche Wachstumsgrenze für den Fremdenverkehr. Die Inselregierung hat die Zahl der Gästebetten für vier Jahre auf den jetzigen Stand eingefroren – danach will man weitersehen. Derzeit gibt es auf Mallorca und den Nachbarinseln 433.000 Touristenbetten.

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Mallorca will Saufgelage künftig verhindern und sein Image nachhaltig verändern.
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© dpa, Julian Stratenschulte

Zum anderen will man in der berühmten Partyhochburg an der Playa de Palma, die vor allem von deutschsprachigen Urlaubern frequentiert wird, mit noch strengeren Sittenregeln für Ordnung sorgen. Man werde dabei besonders auf extremistische Gesänge, Tätowierungen und T-Shirt-Aufdrucke achten, heißt es. In der Vergangenheit waren immer wieder rechtsradikale Besucher aufgefallen, die zum Beispiel Oberbekleidung mit dem Spruch "Sommer, Sonne und Sieg Heil" trugen. Und Oben ohne sei in den Lokalen ebenfalls nicht mehr erwünscht, ohne Oberteil gebe es für niemanden mehr Einlass. "Wir wollen ein Tourismusmodell der Qualität und nicht der Quantität", erklärte die Regierungschefin der Balearischen Inseln, Francina Armengol.

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Veränderungen auch an ökologischer Front

Doch mit Mallorcas Qualitätsoffensive sollen noch weitere Neuerungen greifen – vor allem beim Umweltschutz. Mallorca und die benachbarten Inseln müssten nachhaltiger werden, predigt denn auch Balearen-Regierungschefin Armengol. "Die Zukunft der Inseln ist grün", sagt sie. Oder es werde bald keine Zukunft mehr geben.

Die mehr als zehn Millionen Urlauber, die bis Ende dieses Jahres erwartet werden, könnten die Insel jedoch wieder ans Limit bringen. Denn die Handhabung der Müllberge, der Trinkwasserprobleme und des Energiebedarfs werden immer schwieriger. Mit Hilfe modernster Technologien sollen die Ressourcen der Insel daher künftig geschützt und jeglicher Abfall konsequent recycelt werden. (gbr)

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Der König von Palma
Der König von Palma
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