Polizist wegen Prügelattacke vor Gericht

Flammkuchen kam nicht schnell genug: Wirt in Magdeburg krankenhausreif geschlagen

19. Oktober 2020 - 10:52 Uhr

Polizist prügelte den Wirt krankenhausreif

Für Restaurantbesitzer Michael Kühl war es nicht leicht, vor Gericht dem Mann gegenüberzutreten, der ihn in seinem eigenen Lokal krankenhausreif geprügelt hat. Im RTL-Interview erzählt er, dass die Situation an einem ganz normalen Abend in seinem Restaurant in Magdeburg plötzlich eskalierte. Ein älterer Mann fing an zu pöbeln, weil er seinen Flammkuchen nicht schnell genug serviert bekam. Am Ende lag Michael kühl verprügelt am Boden. Der Mann, der ihn zusammenschlug, ist Polizeibeamter. Johannis J. muss sich nun wegen Körperverletzung und Körperverletzung im Amt vor Gericht verantworten.

Michael Kühl wollte pöbelnden Gast vor die Tür setzen

Der Schwiegervater des Angeklagten habe von gleich von Anfang an schlechte Stimmung verbreitet und herumgepöbelt, erinnert sich der Wirt. Dann habe er angefangen, sich zu beschweren, dass sein Flammkuchen noch nicht da sei. "Wir warten seit zwei Stunden", habe der Mann geschimpft. Kühl wollte daraufhin in die Küche gehen, um den Bon zu holen und dem Gast zu zeigen, dass das nicht sein könne. Doch der Mann habe nicht diskutieren wollen und gedroht, ihm "auf die Fresse" zu hauen.

Michael Kühl fackelte daraufhin nicht lange und machte von seinem Hausrecht gebrauch und verwies den Störenfried des Restaurants. Während er den aggressiven Gast hinausschob, wurde er plötzlich von hinten angegriffen. Eine Überwachungskamera im Restaurant fing die Szene ein – im Video zeigen wir die Aufnahmen.

Wirt in Magdeburg verprügelt
Michael Kühl wurde in seinem eigenen Restaurant verprügelt.
© RTL

Polizist versucht, sich vor Gericht rauszureden

"Er hat ihn von hinten genommen, zu Boden geworfen und mehrmals ins Gesicht und in die Hüfte geschlagen", berichtet Augenzeuge Enrico S. im Interview. Der Wirt selbst kann sich kaum an die Geschehnisse erinnern. Alles sei viel zu schnell gegangen. Er sei zu Boden gerissen worden und habe dann nur noch Schläge und Schmerzen gespürt.

Johannes J. versuchte in der Verhandlung vor Gericht, sich aus der Sache herauszureden. Er habe sich in den Dienst versetzt, um seinem Schwiegervater, der gerade aus dem Restaurant geschoben wurde zu helfen, erklärt sein Anwalt. Der Wirt habe nicht auf seine Anweisungen reagiert, darum habe er ihn "sachgemäß zu Borden gebracht", so der Verteidiger. Zugeschlagen habe er nur, weil Michael Kühl ihn gebissen habe.

Der Wirt leidet bis heute schwer unter dem Vorfall. Er hat sein Restaurant geschlossen, weil er nach dem Gewaltausbruch wegen eines Flammkuchens einfach nicht mehr so weiter machen konnte, wie bisher. Er hofft nun, dass er mit der Sache besser abschließen kann, wenn der Prozess vorbei ist. Er hofft, dass Johannis J. für seine Tat zur Rechenschaft gezogen wird und nie wieder als Polizist arbeiten darf. Darüber müssen nun die Richter in Magdeburg entscheiden.