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Lynchjustiz in Bremen: Unbeteiligter nach TV-Beitrag über Pädophilie lebensgefährlich verletzt

ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Blaulicht leuchtet am 27.07.2015 in Osnabrück (Niedersachsen) auf dem Dach eines Polizeiwagens. (Zu dpa: «Erschossener Reha-Bewohner: Kripo und Staatsanwaltschaft ermitteln») Foto: Friso Gentsch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk++
Symbolfoto. © dpa, Friso Gentsch, tba mg cul kde mow

Böser Übergriff auf Unbeteiligten

Nachdem mehrere Männer am Montag einen 50-Jährigen in seiner Wohnung in Bremen überfallen und lebensgefährlich verletzten hatten, hat sich nun ein Tatverdächtiger gestellt. Das teilte die Polizei am Freitag mit. Die Täter glaubten den Mann in einem TV-Beitrag des Mittagsjournals "Punkt 12" über miese Tricks von Pädophilen erkannt zu haben und suchten ihn anschließend in seiner Wohnung auf.

Fernsehzuschauer wollen Verdächtigen erkannt haben

Die Reporter hatten im Beitrag einen anonymisierten Mann gezeigt, der sich im Rahmen seiner Recherchen verdächtig gemacht hatte. Dabei wollen Zuschauer aus Bremen-Nord den Mann wiedererkannt und seine Anschrift herausgefunden haben. Sie verschafften sich Zutritt zu dem Haus. Im weiteren Verlauf drangen unbekannte Täter in eine Wohnung des Mehrparteienhauses ein und schlugen einen 50-jährigen Hausbewohner so brutal zusammen, dass er lebensgefährlich verletzt wurde. Bei dem Opfer handelte es sich allerdings nicht um den im Beitrag gezeigten Mann. Mittlerweile schwebt er nicht mehr in Lebensgefahr.

Die Polizei nahm Ermittlungen wegen eines versuchten Tötungsdeliktes auf. Die Bremer Polizei geht "nach derzeitigen Erkenntnissen" nicht davon aus, "dass in dem betroffenen Wohnhaus Menschen mit pädophiler Neigung wohnen."

Ferner wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Selbstjustiz verboten ist. "Keine Form und kein Anlass zur Selbstjustiz sind tolerierbar. Es ist die Aufgabe der Staatsanwaltschaft und der Polizei, Straftaten zu verfolgen." Wie viele Täter es waren, war noch unklar.

Ein erster Tatverdächtiger hat sich nun bei der Polizei gemeldet und eingeräumt, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Staatsanwaltschaft und die Polizei wollen nun den daraus gewonnen Hinweisen nachgehen und sucht weiter nach den anderen Verdächtigen.

Die Kriminalpolizei ruft mögliche Zeugen auf, sich unter der Rufnummer beim Kriminaldauerdienst unter 0421 362-3888 zu melden.


Anmerkung der Redaktion

RTL berichtet regelmässig über das insbesondere für Familien höchst relevante Thema Pädophilie. Auch am vergangenen Dienstag berichtete RTL darüber in Bremen unter Mitarbeit der Journalistin Beate Krafft-Schöning, einer langjährigen Expertin für Pädophilie im Internet und auch Opfer-Betreuerin.

RTL weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Opfer der Selbstjustiz in Bremen zu keinem Zeitpunkt Gegenstand der Berichterstattung von RTL war. Dies hat inzwischen auch die Bremer Staatsanwaltschaft bestätigt. Bereits unmittelbar nach der Sendung hatte RTL die zuständige Polizeibehörde in Bremen auf seine Recherchen hingewiesen und ihr belastendes Filmmaterial zur Verfügung gestellt. Nach Bekanntgabe der Lynchtat übergab RTL der Polizei auf Anfrage am Mittwochmorgen weiteres Rohmaterial. RTL verurteilt den brutalen Akt der Lynchjustiz in Bremen auf das Schärfste.

RTL hat seine journalistische Sorgfaltspflicht in jeder Hinsicht wahrgenommen. So wurden in dem Beitrag keinerlei Hinweise auf den Ort oder eine vermeintliche Adresse des mutmaßlich Pädophilen – etwa Straßennamen oder Hausnummern – gezeigt.

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