Was steckt hinter der Krankheit?

Lipödem: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

07. Juli 2020 - 16:20 Uhr

Lipödem: Das steckt hinter den Fetteinlagerungen bei Frauen

Dicke Beine trotz Diät – fast jede zehnte Frau in Deutschland leidet an der tückischen Fettverteilungsstörung: dem Lipödem. Die umgangssprachlich als "Reiterhosen" bezeichneten Fetteinlagerungen an den seitlichen Oberschenkeln werden von Betroffenen meist als psychisch belastend empfunden und für eine Folge falscher Ernährung gehalten. Häufig wird dabei jedoch nicht erkannt, dass es sich beim Lipödem um eine eigenständige und kontinuierlich voranschreitende Krankheit handelt. Diese kann mehrere Stadien durchlaufen und zahlreiche Folgerisiken mit sich bringen. Im Video gibt es die wichtigsten Informationen zur Krankheit im Überblick.

Was ist ein Lipödem?

Der Begriff Lipödem leitet sich von dem altgriechischen Wort für "Fettschwellung" ab und bezeichnet eine Fettverteilungsstörung, die vor allem bei Frauen auftritt. Viele von ihnen leiden bereits ab der Pubertät unter der übermäßigen Bildung von Fettgewebe, die symmetrisch an Hüfte, Gesäß und Oberschenkeln entsteht. Hin und wieder tritt die Erkrankung jedoch auch erst später auf – etwa während einer Schwangerschaft oder im Verlauf der Wechseljahre.

Eine dicke Frau betrachtet die Cellulite auf ihrem Oberschenkel.
Bei einem Lipödem handelt es sich um eine Fettverteilungsstörung, von der vor allem Frauen betroffen sind.
© picture alliance, chromorange, Lorenz Timm

Welche Ursachen können für ein Lipödem verantwortlich sein?

Leider wird immer noch häufig davon ausgegangen, dass ein Lipödem das Ergebnis falscher Ernährung sei. Die Fettpolster das Resultat von zu vielen Kalorien. Das entspricht jedoch nicht den Tatsachen: Die Fettzellen-Bildung an den für das Lipödem typischen Stellen ist untypisch für eine Adipositas (Fettsucht).

Allerdings kann eine Gewichtszunahme das Entstehen der Krankheit begünstigen; das Gleiche gilt für hormonelle Veränderungen sowie eine genetische Veranlagung. Da die genauen Ursachen für das Lipödem noch nicht abschließend geklärt sind, handelt es sich jedoch lediglich um Faktoren, die von Experten als Auslöser vermutet werden.

In diesen Symptomen kann sich ein Lipödem äußern

Es lassen sich fünf Schweregrade beziehungsweise Lipödem-Typen unterscheiden. Die bereits beschriebene Reiterhose bildet Typ I des Lipödems. Bei den Typen II bis V dehnen sich die Fetteinlagerungen in senkrechter Richtung aus: Zunächst bis zu den Knien (Typ II), dann bis zu den Knöcheln (Typ III). Typ IV ist durch ein Übergreifen auf die Arme gekennzeichnet. Im Falle von Typ V schließlich spricht man von einem Lipolymphödem, das sich durch große Flüssigkeitsansammlungen speziell im Bereich der Füße und Hände äußert.

Mit dem Voranschreiten der Erkrankung verändert sich das Hautbild von einer leichten Orangenhaut über dellige Hautpartien bis hin zu regelrechten Hautlappen und -wülsten. Häufig verspüren die Betroffenen einen Druck- und Berührungsschmerz und neigen zu einer Hämatombildung. Besenreiser, schlechte Durchblutung und ein veränderter Gang, der durch die Fetteinlagerungen an den Oberschenkeln (X-Beine) entsteht, sind weitere Symptome der Fettverteilungsstörung. Lipödeme haben meist auch psychische Auswirkungen, die von leichten depressiven Verstimmungen über eine Depression bis hin zu Essstörungen reichen können.

Durch die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper können die Betroffenen in eine Magersucht (Anorexie) abrutschen. Außerdem gehen mit der Fettverteilungsstörung viele Nebenaspekte wie Mobbing oder Scham für die Körperform einher, was für die Frauen eine große psychische Belastung darstellen kann.

Anhand eines Selbsttests ein Lipödem erkennen

Leide ich an einer Lipödem-Erkrankung? Im Video erklärt der Lymphologe Dr. Ziah Taufig, wie jede Frau mit einem Selbsttest erkennen kann, ob sie an einer Fettverteilungsstörung leidet oder nicht. Der Selbsttest dient jedoch nur zu einer ersten Einschätzung und ersetzt nicht den Gang zu einem Fachmediziner.

Diagnose: Lipödem

Durch das Betrachten und Abtasten der betroffenen Körperpartien können Mediziner recht gut bestimmen, ob es sich bei den Beschwerden der Patientin um ein Lipödem handelt und welchem Typ es zuzuordnen ist. Dabei müssen ähnliche Erkrankungen wie beispielsweise ein primäres Lymphödem ausgeschlossen werden. Daher sollte die Meinung eines Facharztes mit entsprechenden Erfahrungen eingeholt werden.

Therapieformen: Wie kann ein Lipödem behandelt werden?

Eine Medizin gegen Lipödeme gibt es nicht. Allerdings gibt es zwei Therapiemöglichkeiten, durch die einem Voranschreiten der Krankheit vorgebeugt werden kann:

1. Die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE)

Bei dieser Therapie handelt es sich um eine konservative Behandlungsform. Das bedeutet, es kommt nicht zu einem operativen Eingriff. Stattdessen versucht man dem Lipödem mithilfe einer manuellen Lymphdrainage in Kombination mit Kompressionsbekleidung entgegenzuwirken.

Bestimmte Sportarten wie Walking, Schwimmen, Aquajogging oder Wandern regen die Durchblutung an, sollten jedoch immer mit dem konsequenten Tragen von Kompressionsstrümpfen oder Bandagen verbunden sein.

Auch wenn Lipödeme nichts mit Übergewicht zu tun haben, können sich gesunde Ernährung und eine Gewichtsabnahme (in Absprache mit dem behandelnden Arzt) positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Lockere, bequeme Kleidung, die die betroffenen Körperpartien nicht einschnürt, kann sich, neben einer regelmäßigen Pflege mit pH-neutralen Produkten positiv auf das Wohlbefinden der Betroffenen auswirken.

Je nach Krankenkasse werden im Jahr die Kosten für maximal 4 Paar Kompressionsstrümpfe und 10 x 10er-Rezepte für Lymphdrainagen im Rahmen der konventionellen Lipödem-Behandlung bezahlt.

2. Die operative Entfernung des krankhaft vermehrten Fettgewebes (Liposuktion)

Durch operative Maßnahmen kann die Masse an betroffenem Fettgewebe verringert werden. Der Eingriff ist die einzige Möglichkeit, um die krankhaften Fettzellen dauerhaft zu entfernen und ein schmerzfreies Leben ohne weitere Therapie-Maßnahmen zu ermöglichen. Jedoch besteht hier neben typischen OP-Risiken die Gefahr einer starken Dellenbildung, so dass der Eingriff gut überlegt und mit dem behandelnden Arzt ausführlich besprochen werden sollte.

Die Kostenhöhe für eine Liposuktion beträgt mehrere Tausend Euro, hängt jedoch stark von verschiedenen Faktoren wie beispielsweise der betroffenen Körperregion oder dem Umfang der Fettabsaugung ab. Allerdings werden die OP-Kosten häufig nicht von den Krankenkassen bezahlt, da dieser Posten nicht im Leistungskatalog steht.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden. Für weitere Informationen sollten sich Betroffene an den Berufsverband der Lymphologen wenden. Neben nützlichen Hinweisen zum Lipödem gibt es hier eine Ärzteliste.