Sogar Standard-Schmerzmittel Ibuprofen knapp

Liefer-Engpässe bei Medikamenten: Was heißt das für den Patienten?

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14. Oktober 2019 - 17:08 Uhr

Medikament auf Rezept nicht da - und jetzt?

Blutdruckmittel, Antidepressiva, sogar das beliebte Schmerzmittel Ibuprofen: Rund 250 Meldungen zu Liefer-Engpässen bei versorgungsrelevanten Medikamenten liegen dem Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) derzeit vor. Apotheker schlagen deshalb Alarm: Oft können sie ihre Kunden nicht so versorgen, wie es der Arzt verordnet hat. Was hat man als Patient für Möglichkeiten, wenn das Medikament auf dem Rezept nicht verfügbar ist?

„Wir haben stündlich damit zu kämpfen“

Rabattverträge mit den Krankenkassen, günstigere, aber auch weiter entfernte Produktionsstätten im Ausland: Der Kostendruck auf Pharma-Firmen führt offenbar zu immer mehr Liefer-Engpässen bei verschiedenen Medikamenten. Dass daraus ein richtiger Versorgungsengpass wird, sei laut BfArM im Verhältnis zu allen eingehenden Meldungen relativ selten.

Doch für die Apotheken ist das Problem trotzdem spürbar: "Wir haben stündlich damit zu kämpfen, dass Medikamente wie Blutdruckmittel, Antidepressiva oder sogar Ibuprofen nicht für den Kunden da sind", berichtet Apothekerin Lisa Heit. Auch Dr. Ursula Selleberg, stellvertretende Pressesprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), betont: "Dass es so selten zu wirklichen Versorgungsengpässen kommt, liegt vor allem daran, dass sich die Apotheker so ins Zeug legen, um die Patienten gut zu versorgen."

Grundsätzlich handelt es sich immer um eine Entscheidung im Einzelfall, betont Dr. Sellerberg. Aber welche Alternativen gibt es, wenn das gewünschte Medikament wirklich nicht da ist?

1. Gleicher Wirkstoff, anderer Hersteller

"Wenn das Medikament des Herstellers, mit dem die Krankenkasse einen Rabattvertrag hat, nicht vorhanden ist, kann der Apotheker oft ein Präparat einer anderen Firma bestellen. Das könnte für den Patienten allerdings bedeuten, dass er etwas darauf warten muss und das Präparat anders aussieht als das gewohnte, zum Beispiel gelbe Kapseln statt rote", so Dr. Sellerberg.

2. Gleicher Hersteller, gleicher Wirkstoff, andere Dosierung

"Eine weitere Möglichkeit ist das Ausweichen auf eine geringere oder höhere Dosierung – also etwa Tabletten mit 10 Milligramm Wirkstoff statt 20 Milligramm, von denen der Verbraucher dann die doppelte Menge nehmen muss. Auch ein höher dosiertes Präparat, dass dann entsprechend aufgeteilt ist, ist denkbar. Das bedeutet natürlich, dass sich der Kunde umorientieren muss und es zu Verwechslungen kommen kann."

Bei Ibuprofen 800, das laut Apothekerin Lisa Heit derzeit überhaupt nicht verfügbar ist, könnte man theoretisch auch zwei 400er-Tabletten einnehmen – "die sind allerdings nicht verschreibungspflichtig, deshalb werden die Kosten auch nicht von der Krankenkasse übernommen," stellt Dr. Sellerberg klar.

3. Andere Apotheke

"Lieferengpässe sind oft bundesweit, deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, das Medikament in einer anderen Apotheke der Stadt zu bekommen, nicht sehr hoch", gibt Dr. Sellerberg zu bedenken. Manchmal habe man jedoch Glück, weil sich eine bestimmte Apotheke vielleicht noch rechtzeitig damit bevorratet hat. Das könne man aber nur herausfinden, indem man alle abtelefoniert oder vor Ort nachfragt – ein ziemlich hoher Zeitaufwand.

4. Anderer Wirkstoff, Rücksprache mit behandelndem Arzt

Dr. Sellerberg: "Ist der gewünschte Wirkstoff weder im verschriebenen noch in einem alternativen Medikament eines anderen Herstellers vorhanden und auch nicht bestellbar, kann der Apotheker mit dem Arzt Kontakt aufnehmen und ihm einen ähnlichen Wirkstoff vorschlagen, der für den Patienten infrage kommt." Gegebenenfalls bedeutet das allerdings für den Patienten, dass er ein neues Rezept beim Arzt abholen oder sogar einen neuen Termin zur Klärung ausmachen muss. "Das wäre etwa bei einem Antibiotikum der Fall, falls vorher getestet werden muss, ob der Patient es auch verträgt."

Frühzeitig um Rezept kümmern

Grundsätzlich empfiehlt Dr. Sellerberg, sich gerade bei einer Dauerbehandlung vorausschauend und frühzeitig mit dem entsprechenden Rezept und Medikament zu versorgen, um im Zweifelsfall noch einen kleinen Vorrat davon zu Hause zu haben. Denn wenn der Patient dann auf dem Trockenen sitzt und Liefer-Engpässe bestehen, müssen sowohl er als auch die Apotheker Geduld beweisen.