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Liebe auf den ersten Blick: Gibt es sie wirklich?

Nur ein Mythos oder real: Liebe auf den ersten Blick?
Um echte Liebe zu entwickeln, braucht es mehr Zeit, sagen die Forscher der Universität Groningen. © www.peopleimages.com, Yuri Arcurs

Laut einer aktuellen Studie gibt es keine Liebe auf den ersten Blick

Liebe auf den ersten Blick? Alles Lüge! Es gibt keine Liebe auf den ersten Blick – sagt zumindest eine aktuelle Studie. Macht aber nix: Wer der großen Liebeslüge auf den Leim geht und sich Knall auf Fall in sein Gegenüber verliebt, kann aus diesem emotionalen Urknall (seien wir ehrlich: meistens handelt es sich um einen hormonellen Big Bang) immer noch ein dauerhaftes Liebesuniversum erschaffen.

Am Anfang war die Erotik, nicht die Liebe

Schon ernüchternd: Das, was wir jetzt einfach mal weiterhin Liebe auf den ersten Blick nennen, tritt nicht nur in der Warteschlange an der Kasse auf, sondern lässt sich auch unter Laborbedingungen züchten. Für ihre Studie ließen Psychologen der Universität Groningen zum Beispiel 400 Männer und Frauen Fotos bewerten oder baten Unbekannte zum Speed Dating. Danach wurden sie zu ihren Gefühlen befragt. Etliche erzählten, dass sie Liebe auf den ersten Blick verspürt hätten.

Haben sie aber nicht, sagt der Leiter der Studie. Sie hätten lediglich eine starke körperliche Anziehungskraft empfunden. Dafür reichen maximal drei Sekunden. Um echte Liebe zu entwickeln braucht es mehr Zeit, schließlich geht es bei ihr ja nicht nur um Erotik und Sehnsucht sondern auch um Dauerbrenner wie Fürsorge, Toleranz und Verantwortung für den anderen.

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Das erste Treffen wird verklärt

Aber trotzdem: In Umfragen geben meistens etwa 30 Prozent der Befragten an, dass sie schon einmal die Liebe auf den ersten Blick erlebt haben. Auch viele Langzeitpaare erzählen gerne mit glänzenden Augen von ihrem ersten Mal: "Weißt du noch? Damals? Am Glascontainer? Wir haben uns nur einmal in die Augen geschaut und dann war´s das für den Rest unseres Lebens."

Hach ja! Von diesem Glascontainer-Moment träumt wohl jede, die noch auf der Suche nach dem richtigen Partner ist. Dabei entfaltet er seinen Reiz – so die gestrenge Wissenschaft – erst in der Rückschau. Studienleiter Florian Zsok formuliert es so: "Liebe auf den ersten Blick ist ein Blitz, der im Nachhinein einschlägt." Magic! Totale Umkehr der Naturgesetze!

Oder weniger zauberhaft gesagt: Die Liebe auf den ersten Blick gibt es nur in der paarinternen Legendenbildung. Der Retro-Liebesmechanismus funktioniert in etwa so: Ein Paar ist auch nach Jahren noch glücklich miteinander. Also kommt es zu der Überzeugung, dass es von Anfang an füreinander bestimmt war. Und fluggs werden über die Vergangenheit so viele Soft- und Oxytocin-Filter gelegt, bis das erste Treffen im hehren Licht der dauerhaften Liebe auf den ersten Blick erscheint. Auch wenn es am Anfang nur Begierde, Neugier oder große Sympathie war.

Aber was ändert das? Eigentlich nichts. Denn wenn aus der bloßen Illusion von Liebe, aus diesem Dauerbeschuss durch Hormone und Neurotransmitter, echte Liebe wachsen konnte, ist das doch auch eine Form wunderschöner Magie!

Naja. Strenggenommen ist wahres Liebesglück in der Realität wahrscheinlich weniger eine Folge von romantischem  Feenstaub als von bodenständiger Alltagsbewältigung und Beziehungsarbeit mit all dem, was Beziehungsratgeber und erfahrene Paare so empfehlen: Gegenseitiges Vertrauen und Vergeben, Selbstentfaltung und Respekt für die Bedürfnisse des Anderen. Liebe eben, nicht nur Verliebtsein.

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