Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt

Frauen mit Behinderung kämpfen gegen Benachteiligung

30. April 2021 - 16:31 Uhr

Frauen mit Schwerbehinderung haben es extrem schwer auf dem Arbeitsmarkt

Eine aktuelle Studie zeigt: Frauen mit Schwerbehinderung sind auf dem Arbeitsmarkt gleich doppelt benachteiligt. ganze 16 Prozent der Arbeitslosen in Hessen sind Frauen mit Schwerbehinderung. Für eine gerechte Teilhabe am Arbeitsleben ist ein Bewusstseinswandel erforderlich. Im Video sprechen wir mit Betroffenen, die etwas verändern wollen!

Heike Raab: "Es war immer schwierig eine Stelle zu bekommen"

Heike Raab aus Langenselbold hat einen Doktor in Politik und arbeitet als Dozentin für Gesellschaftswissenschaften. Seit dem dritten Lebensjahr hat sie eine chronische Nierenerkrankung und seit 30 Jahren ein Nierentransplantat. Schon zu Beginn ihrer Arbeitssuche aber auch im weiteren Verlauf ihrer Berufskarriere macht sie negative Erfahrungen. In Bewerbungsgesprächen wurde sie beispielsweise gefragt ob sie lange sitzen kann und das, obwohl sie schon 30 Jahre berufstätig war.

Melissa macht diskriminierende Erfahrungen - vor allem mit Kunden

Melissa Ruiz-Lopez ist 25 Jahre alt und arbeitet als Friseurin in Willingshausen. Auch sie hat ein Handicap, trägt von klein auf Hörgeräte und leider unter Nystagmus, einem unkontrollierbaren Augenzittern. Auch sie macht diskriminierende Erfahrung aber nicht mit dem Chef, sondern mit einigen Kunden. Aufgrund ihrer Erkrankun trauen ihr Kunden nicht zu, dass sie ihr Handwerk beherrscht.

Frauen mit Behinderung sind aber die großen Verlierer auf dem Arbeitsmarkt, wie eine aktuelle Studie der Aktion Mensch jetzt ergab. Von den Arbeitslosen in Hessen sind 16 Prozent Frauen mit einer Behinderung. Der Durchschnitt für die Gesamtbevölkerung liegt im Vergleich bei gerade mal 5,4 Prozent. In Vollzeit beschäftigt sind nur 37 Prozent. Bei Männern mit Behinderung ist der Wert mit 69 Prozent knapp doppelt so hoch. Auch bei der Bezahlung schneiden Frauen schlechter ab. 27 Prozent haben ein persönliches Nettoeinkommen unter 1000 Euro. Bei Männern mit Behinderung sind es nur 12 Prozent, die so wenig verdienen.

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Koordinationsbüro für Frauen mit Behinderung gibt Hilfe

Nicht jeder weiß, welche Unterstützungsmöglichkeiten es zur Inklusion von Behinderten in Hessen gibt. Da kommt Rita Schroll ins Spiel. Sie leitet das Koordinationsbüro für Frauen mit Behinderung in Marburg.

Damit Frauen wie Heike Raab und Melissa Ruiz-Lopez wegen ihrer Erkrankungen nicht mehr diskriminiert und benachteiligt werden, fordert die Aktion Mensch einen Kultur- und Bewusstseinswandel in der Gesellschaft. Im Vordergrund müssen die individuellen Stärken und die Qualifikationen der Frauen stehen und nicht die Behinderung.