Längst keine Szenedroge mehr: Crystal Meth offenbar weit verbreitet

Crystal Meth ist nur ein Name für ein Rauschmittel, das viele Experten für ein wahres Teufelszeug halten. 'C', 'Tina' oder 'Ice' sind andere. Es hält lange wach, vermindert das Schmerzgefühl bzw. setzt es außer Kraft. Außerdem wirkt die Droge enthemmend und aufputschend, euphorisiert. Hunger und Durst werden nicht mehr wahrgenommen, das Gift steigert zudem die Lust auf Sex. Und macht extrem schnell abhängig. Längst wird Crystal Meth nicht mehr nur in Szene-Kreisen konsumiert.
Dies ist das alarmierende Ergebnis einer aktuellen Studie, berichten das Magazin 'Spiegel' und die Zeitung 'Welt am Sonntag'. Das Bundesgesundheitsministerium hatte die Forschungsarbeit in Auftrag gegeben. Die erste öffentlich geförderte Crystal-Meth-Studie in Deutschland soll in der kommenden Woche von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), veröffentlicht werden.
Laut 'Welt am Sonntag' gab etwa die Hälfte der Befragten an, bei der Arbeit auf das Methamphetamin zurückzugreifen. Nach 'Spiegel'-Angaben nennt ein Drittel der annähernd 400 Befragten "Schule und Studium" als Grund für den Crystal-Meth-Konsum. Als weitere Risikogruppe hätten die Forscher des Hamburger Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung "konsumierende Eltern" ausgemacht.
Studie mit erschreckenden Zitaten von Konsumenten
Der Markt werde derzeit förmlich überschwemmt. "Wir erleben eine Ausweitung aus dem deutsch-tschechischen Grenzgebiet bis hin in grenzfernere Regionen, insbesondere deutsche Großstädte", wird Mortler zitiert. Die Probleme seien nicht flächendeckend, dennoch bestehe Grund zur Sorge: "Wir müssen wachsam sein und dürfen nicht zulassen, dass daraus deutschlandweit ein Problem wird."
Die etwa 100 Seiten starke Studie beinhaltet Zitate von Konsumenten, Statistiken und Analysen von Experten. Das Ergebnis klingt erschreckend. "Der einzige Kontakt nach außen war dann nur noch Kneipe oder Spielothek, sonst habe ich weiter nichts mehr gemacht. Dann Paranoia, Depressionen, Realitätsverlust", zitiert die Zeitung einen Konsumenten. Ein anderer habe geäußert: "Psychosen sind aufgetreten. Ich war nicht mehr arbeitsfähig, und Selbstbewusstsein ist im nüchternen Zustand kaum mehr vorhanden gewesen." Weiter heißt es "Bei längerem Konsum Verfolgungswahn, Schweißausbrüche, Panikattacken beim Entzug."
Auch wenn "nur" 400 Konsumenten von Speed und Crystal befragt wurden und die Studie somit nicht repräsentativ ist, liefert sie Wissenschaftlern einen aufschlussreichen Überblick. Das Alter der Teilnehmer liege zwischen 15 und 63 Jahren. Circa 60 Prozent lebten in Großstädten. Viele hätten die Schule mindestens mit einem Fachabitur abgeschlossen.
Allerdings lebe fast die Hälfte der Befragten von weniger als 600 Euro. Nur rund 15 Prozent verfügten über ein monatliches Einkommen von mehr als 2.000 Euro. Auffällig sei auch, dass nahezu alle Konsumenten vor Crystal Meth andere Drogen ausprobiert hätten, überwiegend Cannabis. Für viele der Einstieg in eine Drogenkarriere mit ungewissen Folgen.