Nach schwerem Autounfall

Diagnose "unfruchtbar" - und trotzdem schwanger

4. Juni 2019 - 18:15 Uhr

Danielles sehnlichster Wunsch wurde wahr

Wenn es auf natürliche Weise nicht mit dem Kinderwunsch klappt, nutzen viele den Weg der künstlichen Befruchtung. Kaum zu glauben, aber jedes siebte Paar geht nach Schätzungen diesen Weg.

Auch Danielle Bartley-Mould konnte nach einem schweren Autounfall keine Kinder mehr bekommen, so die Diagnose der Ärzte. Der Grund: Ihre Eileiter wurden beim Aufprall zerstört. Doch dann geschieht ihr ganz persönliches Wunder: Danielle wird mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung doch noch einmal Mama - von Zwillingen! Im Video sehen Sie ihre bewegende Geschichte.

Gängige Methoden zur künstlichen Befruchtung

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die man für eine künstliche Befruchtung in Erwägung ziehen kann. Am häufigsten hört man jedoch von der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (IC SI) und der In-vitro-Fertilisation (IVF).

Künstliche Befruchtung durch Intrazytoplasmatische Spermieninjektion

Die Methode der IC SI wird meist dann genutzt, wenn der Mann Probleme mit der Fruchtbarkeit hat, zum Beispiel bei zu wenigen oder zu unbeweglichen Spermien. Denn hierbei wird nur eine einzige intakte Samenzelle benötigt. Diese wird per Nadel in eine Eizelle, die der Frau zuvor entnommen wurde, injiziert. Die Eizelle wird anschließend in die Gebärmutter eingepflanzt. Mehr als die Hälfte aller künstlichen Befruchtungen finden mit dieser Technik statt. Die Wahrscheinlichkeit, mit IC SI schwanger zu werden, liegt zwischen 15 und 20 Prozent.

Künstliche Befruchtung durch In-vitro-Fertilisation

Die IVF-Methode ist eine Befruchtung im Reagenzglas. Diese wird vor allem dann angewandt, wenn die Frau Probleme mit der Fruchtbarkeit hat. Dabei werden ihr zunächst Hormonpräparate verabreicht, um die Eizellreifung anzuregen.

Sind die Eizellen genügend gereift, werden sie abgesaugt und in einem Reagenzglas mit dem Samen des Mannes zusammengebracht. Hierbei wird nicht nachgeholfen - das Ei wird sozusagen natürlich befruchtet. Die Qualität des Spermiums spielt demnach eine große Rolle.

Die daraus entstehenden Embryonen wachsen zunächst in einem Brutschrank heran, bis ihre Qualität feststellbar ist. Spätestens fünf Tage nach der Befruchtung werden sie der Frau in die Gebärmutter eingesetzt. Nach zwei Wochen kann dann festgestellt werden, ob die Schwangerschaft geglückt ist. Die Wahrscheinlichkeit, durch In-Vitro-Fertilisation schwanger zu werden, liegt zwischen 20 und 40 Prozent.

Kosten für eine künstliche Befruchtung

Wie viel eine solche Behandlung kostet, hängt von dem Aufwand, möglichen Komplikationen und der Anzahl ab. Grob kann jedoch für die gängigsten Methoden gesagt werden:

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (IC SI)

Bei dieser Befruchtungsmethode muss schnell mit 5.000 Euro gerechnet werden – pro Versuch. Die hohen Kosten entstehen dadurch, dass sowohl der Mann als auch die Frau behandelt werden müssen.

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Eine solche Behandlung kostet rund 3.000 Euro - die Hälfte davon wird für Medikamente fällig. Da die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft relativ gering ist, können sich die Kosten auf bis zu 9.000 Euro anhäufen.

Insemination

Diese Methode ist schon deutlich günstiger. Denn hierbei wird das Sperma des Mannes künstlich in die Gebärmutter der Frau befördert. Bei einem spontanen Zyklus belaufen sich die Kosten auf circa 200 Euro. Bedarf es zusätzlich einer hormonellen Stimulation, kann diese Behandlung um die 1.000 Euro kosten. Die Medikamente sind in diesem Preis noch nicht enthalten. Da die Schwangerschaftschancen hier noch geringer sind als bei der obigen Methode, können sich die Kosten schnell versechsfachen.

Krankenkassen übernehmen meist die Hälfte der Kosten

Alle Krankenkassen übernehmen die ersten ein bis drei Versuche einer künstlichen Befruchtung zu 50 Prozent. Bei gesetzlich Versicherten gehört dies zur sogenannten Regelleistung. Es gibt sogar manche Krankenkassen, die die ersten Versuche mit bis zu 100 Prozent Kostenübernahme unterstützen. Der Grund dafür ist, dass eine ungewollte Kinderlosigkeit als Krankheit anerkannt ist.

Die Voraussetzungen hierfür:

  • Sowohl die Frau als auch der Mann müssen über 25 Jahre alt sein. Die Frau darf zudem nicht älter als 40 Jahre sein, der Mann nicht älter als 50.
  • Vor der Befruchtung muss der Krankenkasse ein Behandlungsplan vorliegen, welchen diese genehmigen muss.

Die Untersuchung, um die Gründe für die mögliche Unfruchtbarkeit zu erkennen, wird von den Krankenkassen komplett übernommen.

Immer mehr Frauen lassen sich künstlich befruchten

Mehr als acht Millionen Babys sind weltweit bereits durch eine künstliche Befruchtung auf die Welt gekommen - das erste im Jahr 1982. Und die Anzahl nimmt jedes Jahr zu, wie Studien belegen. Im Jahr 2015 haben fast 97.000 künstliche Befruchtungen stattgefunden. Das sind deutlich mehr als Kinder adoptiert werden.

Künstliche Befruchtung
Die Zahl der künstlichen Befruchtungen steigt. Quelle: statista.de
© RTL Interactive, Jasmin Bergmann