Kampf ums Wasser

Konzerne verdienen Milliarden mit Mineralwasser – doch der Rohstoff wird an einigen Orten knapp

Demonstration in Lüneburg
Demonstration in Lüneburg
© RTL

28. August 2020 - 17:33 Uhr

Ärger in Lüneburg: Coca-Cola will hier noch mehr Wasser fördern

"Unser Trinkwasser gehört uns – nicht Coca-Cola", unter diesem Motto demonstrieren Anwohner aus Lüneburg und der Umgebung am Freitag. Der Großkonzern will in der Region 200 Meter tief in die Erde bohren, um Grundwasser an die Oberfläche zu holen, es in Flaschen abzufüllen und als Vio-Mineralwasser zu verkaufen. Der Brunnen wäre schon der dritte des Konzerns in der Region. Und auch an anderen Orten auf der Welt nehmen Anwohner es mit Großkonzernen auf, die mit Wasser Milliarden verdienen.

„Der Kampf ums Wasser ist international“

Seit Anfang des Jahres wehrt sich die Bürgerinitiative "Unser Wasser" in Lüneburg gegen das Bauvorhaben von Coca Cola. Die Mitglieder haben Angst um ihr Grundwasser. Sie fürchten, dass es irgendwann aufgebraucht sein wird, vor allem, wenn die Sommer weiterhin so trocken bleiben. "Der Kampf ums Wasser ist international", sagt Bettina Schröder-Henning von der Bürgerinitiative. "Wir hatten bisher das Glück in einem relativ seligen Land zu leben und wir merken jetzt, dass wir so verletzlich sind wie die restliche Welt."

Wird das Wasser wirklich knapp?

Sollte Coca Cola den dritten Brunnen im Raum Lüneburg in Betrieb nehmen, käme das Unternehmen auf eine Fördermenge von rund 700 Millionen Litern Wasser im Jahr. Bislang ist dafür noch genug Grundwasser da. Ob das in Zukunft allerdings immer noch so ist, kann auch der Landkreis und seine untere Wasserbehörde nicht vorhersagen. Doch Sigrid Vossers vom Landkreis Lüneburg erklärt: "Die Trinkwasserversorgung für die Bevölkerung hat immer Vorrang vor kommerziellen Entnahmen."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Auch Vittel fürchtet um sein Wasser

In dem kleinen Örtchen Vittel in Frankreich sinkt der Grundwasserspiegel laut Medienberichten jährlich um 30 Zentimeter. Schuld ist vor allem der Großkonzern Nestlé. Für sein berühmtes Vittel-Wasser darf das Unternehmen jährlich bis zu eine Million Kubikmeter Wasser aus dem Boden holen und in Flaschen abfüllen. Das Wasser im Supermarkt ist das Gleiche, was im Örtchen Vittel aus dem Hahn kommt. Doch es wird knapp. Im vergangenen Jahr sollte eine Pipeline gebaut werden, um die Menschen vor Ort mit anderem Trinkwasser zu versorgen, damit Nestlé weiter die gleichen Mengen fördern kann. Dagegen gab es so großen Widerstand aus der Bevölkerung, dass die Behörden das Pipeline-Projekt beendeten.

Doch wem gehört das Wasser?

Grundwasser hat keinen Eigentümer, sondern es gehört der Allgemeinheit. Deshalb kann auch niemand einen Preis für Grundwasser verlangen. Wenn Konzerne wie Coca Cola oder Nestlé den Rohstoff fördern, zahlen sie lediglich eine Gebühr.

So funktioniert das Geschäft mit dem Wasser

In Lüneburg zahlt Coca Cola für einen Kubikmeter Wasser 9 Cent Gebühr, also 0,009 Cent pro Liter. Die Flasche Vio-Wasser im Supermarkt kostet im Schnitt 85 Cent – das ist mehr als das neuntausendfache. Coca Cola weist aber darauf hin: "In einer Flasche Mineralwasser im Regal stecken dann unter anderem Kosten für die Abfüllung, für die Verpackung, für die Beschäftigten und für den Transport." Und natürlich sorgt Coca Cola damit auch für Arbeitsplätze. Am Standort in Lüneburg sind es 190 Mitarbeiter.

Was ist die Lösung?

Die Konzerne haben erkannt, dass Nachhaltigkeit immer wichtiger wird. Vittel wirbt mit einer Kampagne für Artenvielfalt. Demnach schützt das Unternehmen Lebensräume in Vittel. Zudem strebe man eine volle CO2-Neutralität an. Coca Cola weist darauf hin, inzwischen einen Teil der Vio-Getränke auf der Schiene zu transportieren. Außerdem stelle man in Zukunft alle PET-Flaschen für die Vio-Getränke aus Lüneburg auf 100 Prozent recyceltes Material um. Und am Ende muss dann eben jeder für sich entscheiden, welches Wasser er trinkt. Sigrid Vossers vom Landkreis Lüneburg sagt: "Leitungswasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel, was wir in Deutschland haben."