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Koch für todkranke Menschen: Ruprecht Schmidt erfüllt Hospiz-Patienten ihren letzten Essenswunsch

Im Hospiz findet er einen neuen Sinn

Seine Gäste sind Sterbende: Koch erfüllt todkranken Menschen den letzten Essenswunsch

Koch erfüllt letzte Essenswünsche Seine Gäste sind Sterbende
01:19 min
Seine Gäste sind Sterbende
Koch erfüllt letzte Essenswünsche

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von Jessica Sander, Samira Bonneik und Catharina Tomm

Ruprecht Schmidt und seine Gerichte sind ein Lichtblick für die Bewohner des Hospiz Leuchtfeuer auf St. Pauli in einer ganz dunklen Zeit – am Ende ihres Lebens. Der Koch hat gemerkt, dass ihm Sterneküche und Karriere nicht den Sinn im Leben geben, den er sucht. Er will etwas Gutes tun und kocht noch einmal die Lieblingsmahlzeit derjenigen, die ganz am Ende ihres Lebens stehen. Welche Gerichte sich die Bewohner wünschen und wie das Essen ankommt, sehen Sie im Video.

Schmidt ist so viel mehr als "nur" ein Koch

Wenn Ruprecht Schmidt in seiner Küche Hühnchen mariniert, Kartoffeln schält oder Gemüse schneidet, scheint dies erst einmal ein ganz normaler Job als Koch zu sein. Doch seine Rolle ist so viel mehr. Seit mittlerweile 24 Jahren erfüllt der Koch die Essens-Wünsche der sterbenden Bewohner im Hospiz Leuchtfeuer. Eine Entscheidung gegen die Sterneküche und für die Menschlichkeit. „Das sind für mich zwei Sachen gewesen. Einmal habe ich für mich festgestellt, dass ich nicht der Koch bin, der höher, schneller, weiter denkt und auch macht. Und das zweite, was mir gefehlt hat oder was mir aufgefallen ist, dass so eine Sinnhaftigkeit gefehlt hat, dass ich mit den Menschen Kontakt habe für die ich koche”, erzählt Ruprecht Schmidt im Gespräch mit RTL Nord.

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Vormittags sammelt er Wünsche

Henrinna Randt ist seit vier Wochen im Hospiz. Sie erzählt dem Koch ihr Lieblingsgericht.
Henrinna Randt ist seit vier Wochen im Hospiz. Sie verrät dem Koch ihr Lieblingsgericht.
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Anders als im Restaurant kommen die Gäste nicht wegen seines guten Essens, sondern er ist dafür da, den Menschen ihr Leben mit einem Wunschgericht zu versüßen. Die Zeiten von unbekannten Gästen, die Ruprecht Schmidt nur mal kurz am Abend sieht, sind vorbei. Jeden Vormittag geht der Koch von Zimmer zu Zimmer und fragt, was sich die schwer Erkrankten wünschen. „Es ist für mich wunderschön, wenn sich Menschen etwas wünschen möchten. Ich weiß, damit kann ich sie wirklich erreichen. Und dann besteht ja die große Kunst für mich darin, das nachher auch so zu kochen, wie Sie es sich halt wünschen oder im besten Fall auch in Erinnerung haben. Das sind dann die schwierigsten Gerichte”, berichtet Schmidt.

Gerichte gegen die Traurigkeit

Piccata vom Huhn - das schmeckt der 75-Jährigen.
Piccata vom Huhn - das schmeckt der 75-Jährigen.
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Seine Gerichte sind nicht einfach nur Nahrung, sondern auch Ablenkung. „Ich erlebe sehr oft, dass die Menschen einfach noch einen Appetit entwickeln und noch mal das Essen genießen und somit auch die Situation vielleicht manchmal leichter nehmen können. Und das ist dann für mich einfach auch der besondere Moment, wenn ich dann merke, ich kann sie mit dem Essen vielleicht aus der Traurigkeit herausreißen“, erzählt der Koch. Für die Bewohner ist es keine leichte Situation, mit dem nahenden Tod klarzukommen, viel im Bett zu liegen und auf Hilfe angewiesen zu sein. Noch einmal das Lieblingsessen zu bekommen, vielleicht nach dem Rezept, wie es früher nur die Mutter gekocht hat, zaubert den Sterbenden in ihren dunkelsten Stunden oft noch einmal ein Lächeln auf die Lippen.