"Mamba-Mentalität"

Heute hätte er Geburtstag: So inspirierte Kobe Bryant zu Lebzeiten Millionen Menschen

Kobe Bryant
Kobe Bryant
© AP, Mark J. Terrill, TG ER

23. August 2021 - 12:16 Uhr

Von Sebastian Fuhrmann

Eine Generation hat mit Kobe Bryant ein Idol verloren, das die Dame an der Ticketkasse genauso inspirierte wie die Stars am Sunset-Boulevard. Kobe arbeitete hart und Kobe gewann. Er behauptete, diese Gleichung ginge überall im Leben auf. Heute wäre der Weltstar 43 Jahre alt geworden. Unser Autor erinnert sich zu diesem besonderen Anlass noch einmal an die Basketball-Legende.

Die Geschichten über Kobe werden überdauern

Es gibt viele Geschichten über Kobe Bryant, aber es sind diese, die überdauern werden. Da sind die von der Nervensäge am anderen Ende des bimmelnden Telefons, das mitten in der Nacht seine Teambetreuer aus dem Schlaf riss. Kobe hatte wieder einmal das Gefühl, trainieren zu müssen, um vor einem Spiel in den richtigen Rhythmus zu kommen. Auf die Uhrzeit nahm er dann genauso wenig Rücksicht wie auf den Ort. Auch bei Auswärtsreisen musste sein Staff ihm mitten in der Nacht eine Halle zum Werfen besorgen, wenn es sein musste. Wenn das nicht klappte, war der darauffolgende Tag quasi schon im Eimer. Das konnte niemand wollen, denn dann konnte es ungemütlich werden.

Kobe hatte eine Botschaft

Andere Geschichten mussten sich den Weg in die Öffentlichkeit nicht erst bahnen, die Welt konnte dabei zusehen. So wie im Dezember 2009. Kobe brach sich im Spiel den Zeigefinger seiner Wurfhand, ließ sich gegen jede Vernunft einen Verband verpassen und spielte unter größten Schmerzen weiter. Mit einer Bandage am Finger stand er einige Monate später mit seinem vierten von fünf Titeln im Gepäck im Staples Center, der Halle der Los Angeles Lakers. Goldener Glitter regnete vom Himmel.

Kobe war positiv besessen vom Basketball, vom Gewinnen. Seine Arbeitshaltung wurde als "Mamba-Mentalität" bekannt. "Black Mamba", so lautete sein Spitzname, weil er in den entscheidenden Momenten des Spiel zubiss wie die gleichnamige Giftschlange. Niemand konnte ihm entkommen, wenn die Partie auf Messers Schneide stand. Kobe lebte für diese Augenblicke. Und er bereitete sich mit allem darauf vor, was er hatte. Die Hingabe, die Liebe, der Eifer und der Wille zur Perfektion machten ihn zur Legende auf dem Parkett. Zu einem Vorbild für Millionen wurde er aber, weil er eine Botschaft hatte.

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Kobes Erfolgsformel

Kobe gewann nicht nur für sich, sondern für die Menschen abseits des Sports. "Das Wichtigste ist, es zu versuchen und Menschen zu inspirieren, damit sie großartig in dem sein können, was auch immer sie tun wollen", sagte er einmal. Seine alten Teamkameraden zitieren gerne diese Worte. Auch daran ist zu erkennen, wie ernst die Mamba es damit meinte.

Und Kobe lieferte den Schlüssel zum Erfolg gleich mit: "Alles Negative - Druck, Herausforderungen - sind für mich nur Möglichkeiten zu wachsen." Offen sprach er auch über Selbstzweifel. Jeder habe sie. Aber nur weil sie da seien, sei es kein Grund, vor ihnen zu kapitulieren. Kobe war in der Lage, über eigene Schwächen zu sprechen. Er verstand die Sorgen der "normalen" Menschen und wollte sie wissen lassen, dass das alles ganz normal sei. Er lieferte die einfache Erfolgsformel: Arbeite hart, überwinde deine Zweifel, sehe Hindernisse als Chancen und gewinne - egal in welchem Lebensbereich. Sein eigenes Leben lieferte den Beweis, dass es funktionierte.

Aura der Unbesiegbarkeit

Er hatte noch dazu das Talent, sich immer neu zu erfinden. Man muss sich das so vorstellen: Bryant kam direkt von der Highschool als sprunggewaltiger Teenager in die NBA. In den ersten Jahren lebte er von seiner Athletik. Als die schwand, stellte er sein Spiel nach und nach um. Er verfeinerte seinen Wurf, die Fußarbeit, baute sich ein schier unerschöpfliches Arsenal von Wurffinten und Bewegungen, die den Gegner ausstiegen ließen. So schaffte es der Jungspund von einst, auch mit schwindender Athletik zu dominieren. Und so schaffte er es auch, nach seinem Achillessehnenriss 2013 zurückzukommen. Daran hatten nicht wenige gezweifelt. Kobe nicht. Ihn umgab eine Aura der Unbesiegbarkeit.

Lesen Sie hier unseren Nachruf auf Kobe Bryant.