Mehr Emissionen als Erdgas-, Benzin- und Dieselfahrzeuge

Elektroautos sind nicht so klimafreundlich wie gedacht

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19. September 2019 - 15:28 Uhr

Elektroautos sind bei der Klimafreundlichkeit ganz hinten

Autos mit Erdgasantrieb haben nach einer Studie des ADAC derzeit die beste Klimabilanz. Rechnet man über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs sämtliche benötige Energie zusammen, schneiden sie besser ab als Benziner und Diesel - und liegen vor allem deutlich vor Elektroautos. Diese liegen bei der Klimafreundlichkeit derzeit weit hinter allen anderen Antriebsarten. Das ändert sich erst, wenn sie komplett mit regenerativem Strom betrieben werden.

Erdgasantrieb am wenigsten klimaschädlich

Die Forschungsgesellschaft Joanneum Research hat für den ADAC sämtliche Energien, die für die verschiedenen Antriebsarten während ihrer Gesamtlebensdauer aufgewendet werden müssen, zusammengerechnet. Das sind die Treibhausgas-Emissionen, die bei der Herstellung und der Entsorgung des Fahrzeugs entstehen. Aber auch die Energien, die bei der Erzeugung und Bereitstellung des nötigen Kraftstoffs sowie bei der Fahrzeugnutzung selbst benötigt werden.

Ziel war es, herauszufinden, welche Wirkung die einzelnen Antriebsarten auf das Klima haben. Untersucht wurden Fahrzeuge in der sogenannten "Golfklasse" mit einer Gesamtlebensdauer von 15 Jahren und einer jährliche Fahrleistung von 15.000 Kilometern.

Das überraschende Ergebnis: Es sind bei weitem nicht die Elektroautos, die über ihre gesamte Lebensdauer die wenigsten Treibhaus-Emissionen verursachen. Diese liegen in der Bilanz weit hinter Benzin- und Dieselfahrzeugen zurück. Am wenigsten klimaschädlich sind derzeit Autos mit Erdgasantrieb.

Deutscher Strommix sorgt für schlechte Klimabilanz

Der Hauptgrund dafür, dass Elektroautos so schlecht abschneiden, ist der aktuelle deutsche Strommix: Der Braun- und Steinkohleanteil ist nach wie vor hoch und sorgt für eine miese Klimabilanz bei mit Strom betriebenen Fahrzeugen. Anders aussehen würde es, wenn Elektroautos vollständig mit regenerativem Strom betrieben werden würden - dann hätten sie schnell eine deutlich bessere Klimabilanz als andere Antriebsarten.

Bei der Klimabilanz von E-Autos fällt außerdem die Produktion der Batterien stark ins Gewicht. Die ist sehr aufwendig und verursacht viele Treibhausgase. Sie beschert den Elektroautos also schon bei der Herstellung ein dickes Minus.

Wann ist ein E-Auto klimafreundlicher als andere Antriebsarten?

Vergleicht man ein Elektroauto, das mit dem deutschen Strommix betrieben wird, mit einem Benziner, ist es erst nach 127.500 Kilometern oder 8,5 Betriebsjahren klimafreundlicher. Im Vergleich zum Diesel ist die Bilanz noch schlechter: Erst nach 219.000 Kilometern oder ganzen 14,6 Betriebsjahren überholt das E-Auto den Diesel in punkto Klimafreundlichkeit. Ein mit Erdgas betriebenes Fahrzeug kann es über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg nie einholen.

Diese Bilanz wird deutlich besser, wenn die E-Autos ausschließlich mit regenerativem Strom betrieben werden würden: Dann würden sich die hohen Treibhaus-Emissionen aus der Produktion gegenüber dem Benziner schon nach etwa 37.500 gefahrenen Kilometern ausgleichen, gegenüber dem Diesel nach circa 40.500 Kilometern. Verglichen mit einem Erdgasauto rechnet sich ein mit regenerativem Strom betriebenes E-Auto klimatechnisch dann schon nach etwa 48.000 Kilometern.

Vergleichsweise gute Bilanz bei konventionellen Antrieben

Dem ADAC zufolge zeigt das gute Abschneiden des Erdgasautos, wie gut die Treibhaus-Bilanz auch bei konventionellen Antrieben sein kann. Diese könnte sich noch weiter verbessern, wenn sich der Anteil von Biomethan aus Abfall- und Reststoffen erhöhen würde.

Die schlechte Bilanz von Elektroautos dagegen zeigt, dass der deutsche Strommix dringend sauberer werden muss. Mit Nutzung von ausschließlich regenerativem Strom würde sich diese Bilanz schnell verbessern. Das könnte möglich werden, wenn man erneuerbare Quellen zur Stromerzeugung ausbauen, das Angebot regenerativ erzeugter Energien erhöhen und zudem die Versorgungsnetze an die neuen Bedingungen anpassen würde, so der ADAC.

Video: Stromkollaps durch E-Autos?

Die Zahl der E-Autos auf deutschen Straßen soll sich in den nächsten Jahren vervielfachen. Wie sich das auf unser Stromnetz auswirken könnte, zeigen wir im Video.