Kira Grünberg gibt nicht auf: Erstes Interview nach dem Horror-Unfall

16. September 2015 - 15:59 Uhr

Stabhochspringerin Kira Grünberg wusste sofort, dass sie querschnittsgelähmt ist

Sechs Wochen ist es her, dass sich Stabhochspringerin Kira Grünberg im Training so schwer verletzt hat, dass sie seitdem querschnittsgelähmt ist. Doch statt nach der Horror-Diagnose aufzugeben, kämpft die 22-Jährige und beweist dabei unermüdlichen Lebensmut, der sich bereits auszahlt. Seit drei Wochen befindet sich Kira nun in der Reha und macht dabei sehr gute Fortschritte auf ihrem Weg zurück ins Leben.

Kira Grünberg: Erstes Interview nach dem Horror-Unfall
Seit August 2015 ist Kira Grünberg in der Reha und macht bereits Fortschritte

Dennoch wird Kira Grünberg wohl für immer auf die Hilfe von anderen angewiesen sein wird. Kiras Mutter Karin ist deswegen rund um die Uhr bei ihrer Tochter. Denn alltägliche und selbstverständliche Dinge sind nun eine große Herausforderung. Selbst das Atmen und Essen musste Kira erst wieder lernen. "Es sind so Kleinigkeiten. Sie liegt im Bett und es juckt die Augenbraue oder es juckt die Nase und sie kann sich nicht kratzen. Im Moment sind wir noch ihre Hände", erzählt ihre Mutter im Interview mit dem 'ORF' und Kira fügt hinzu: "Eltern wissen, was ein Kind braucht. Ob man jetzt ein Baby füttert oder ein älteres Kind, das ist eh fast das gleiche."

Trotz ihres tragischen Schicksals hat die 22-Jährige ihren Humor nicht verloren. Und das, obwohl seit dem 30. Juli 2015 nichts mehr ist, wie es einmal war. Sport war ihr Leben und sie wurde als neue Hoffnung im Stabhochsprung gefeiert. Doch beim Training stürzt die Österreicherin plötzlich nach dem Absprung kopfüber in den Einstichkasten vor der Matte und bricht sich die Halswirbelsäule. Ihre Eltern haben den schrecklichen Unfall hautnah miterlebt: "Wir haben es eigentlich nicht so schnell realisiert. Es war Kira, die gesagt hat: 'Mama, ruf' den Notarzt an und Papa, beweg' mich nicht. Ich glaube, ich bin jetzt querschnittsgelähmt'", erinnert sich Karin Grünberg. Dass Kira selbst die Schuld an ihrem Unfall trägt, sieht sie dabei nicht als Problem – ganz im Gegenteil: "Nichts anderes - kein Wind, kein Gerät - ist schuld an meinem Unfall. Und das hilft mir."

Kira Grünberg will Menschen mit einem ähnlichen Schicksal Mut machen

Seitdem trainiert sie täglich mehrere Stunden, um irgendwann wieder ein bisschen Kontrolle über ihren Körper zu bekommen. "Wieder selbstständig essen, wäre sicher das erste Ziel. Und das ist auch realistisch", macht Ergotherapeutin Lisa Gugglberger im 'ORF'-Interview Hoffnung. Dank ihrer Fitness kann Kira bereits wieder sitzen und ihre Hände ein wenig bewegen. Tägliche Übungen in der Physio- und Ergotherapie sowie in der Logopädie sollen nun auch noch die anderen vorhandenen Restfunktionen weiter stärken: "Es kommt mir zugute, dass ich das harte Training und die Beschäftigung mit dem eigenen Körper gewöhnt bin." Dass noch ein weiter Weg vor ihr liegt, ist der ehrgeizigen Kira dabei immer bewusst.

Kira gibt nicht auf und genießt stattdessen alle positiven Momente in ihrem neuen Leben – so klein sie auch sein mögen. "Es ist genauso ein schönes Leben. Man freut sich über kleinere Dinge. Als ich mit meinem Vater in der Sonne gesessen und ein Eis gegessen habe, war ich wie ein kleines Kind. Da freut man sich, das ist wirklich fantastisch." Sie hat ihr Schicksal akzeptiert und will in Zukunft anderen helfen, die ähnliches erlitten haben und ihnen Mut machen, ein neues Leben zu beginnen. "Ich sitze jetzt im Rollstuhl, aber alles andere, mein Geist, mein Kopf sind gleich geblieben." Starke Worte von einer starken Frau.