Drei ist das neue Zwei

Kinderreiche Familien: Der Trend geht zum Drittkind

Auch bei deutschen Familien macht sich der Trend zum dritten Kind bemerkbar.
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19. Januar 2020 - 17:43 Uhr

Auch Sila Sahin wünscht sich ein drittes Kind

Sila Sahin träumt von einer kleinen Schwester für ihre Söhne Elija und Noah. Zwar hat sie momentan alle Hände voll zu tun mit ihren beiden Jungs – aber weiterer Nachwuchs (am liebsten weiblich) ist schon geplant. Und mit diesem Wunsch nach einem Drittkind steht Sila definitiv nicht allein da. Während noch vor ein paar Jahren Familien mit mehr als zwei Kindern für Verwunderung oder gar Ablehnung sorgten, geht heute der Trend zum Drittkind. Zumindest scheint es so.

​Aber was ist dran an dem Trend zum dritten Kind?

Mama, Papa, Kind: ein Auslaufmodell?

Der Trend zum Drittkind boomt: Sebastian Vettel hat erst Ende 2019 die Geburt seines dritten Kindes bekannt gegeben, Miranda Kerr zeigt stolz ihre Babykugel von Kind Nummer drei und auch Nina Moghaddam hätte gerne noch ein drittes Kind. Aber auch in ganz "normalen" Kitas und Grundschulen scheinen sich immer mehr Eltern für ein drittes (oder viertes) Kind zu entscheiden.

Mutter, Vater und zwei Kinder. Das war lange das klassische Familienmodell in Deutschland. Alles was darüber hinaus ging war "asozial", "unvernünftig" - oder ein Versehen. Doch das Image der kinderreichen Familie verändert sich. Das bestätigt auch die 2019 veröffentlichte Studie "Drei Kinder und mehr – Familien aus der Mitte der Gesellschaft" der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

Zwar ist die Zahl der kinderreichen Familien in Deutschland mengenmäßig nicht gestiegen, sie hat sich in den letzten Jahrzehnten auf etwa 16 Prozent eingependelt. Aber was sich laut Studie verändert, ist das Image und die Herkunft kinderreicher Familien. So hat vor allem die jüngere Generation insgesamt eine positivere Einstellung zu größeren Familien.

Die Mittelschicht wünscht sich viele Kinder

Dabei fällt anders als früher auf, dass die Mehrheit der "Drei-Kind-Familien" aus der Mittelschicht kommt. So haben bei den etwa 50-jährigen Frauen mit drei oder mehr Kindern 73 Prozent einen mittleren oder höheren Bildungsabschluss. Der Anteil der Akademikerinnen unter den Kinderreichen hat sich seit der Generation zuvor mehr als verdreifacht und liegt nun bei knapp 20 Prozent. Man könnte also durchaus sagen, dass die Drei-Kind-Familie zumindest hier im Trend liegt. Was neben einem Imagewechsel, bei dem Kinderreichtum als Statussymbol angesehen wird, unter anderem am  Ausbau einer flächendeckenden Kinderbetreuung liegen kann.

Familienpolitik hat Familien mit drei Kindern und mehr zu wenig im Blick

Das Stichwort Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in diesem Zusammenhang zentral. Denn vor allem gut ausgebildete Paare der jüngeren Generation leben vermehrt ein Modell, bei dem beide Partner eine aktive Rolle in Beruf und Familie einnehmen, so die Forscher. Und gerade für diese sollte viel getan werden, um die Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit besser zu ermöglichen. Denn noch sind Mehrkindfamilien (ab drei Kindern) viel zu wenig im Blick der Familienpolitik.

So könnten beispielsweise Steuererleichterungen ab dem dritten Kind, wie es unser Nachbar Frankreich vorlebt, die Trendwende "3 als die neue 2" noch unterstützen.