Kinderpsychologin gibt Tipps

Kinder verpassen durch Corona ihre letzten Kita-Monate: Erschwert das die Einschulung?

Kinder sind in der aktuellen Situation oft unterfordert und nicht mehr an Gruppendynamiken gewöhnt.
© iStockphoto, SyhinStas

12. Mai 2020 - 11:29 Uhr

Corona-Krise: Kindern wird der Übergang von der Kita- zur Schulzeit genommen

Die Corona-Krise bedeutet auch für die Kleinsten unter uns eine enorme Belastung. Seit Wochen können sie nicht mehr in die Kita oder den Kindergarten gehen, mit ihren Freunden spielen oder das Leben im Gruppenverband üben. Und auch wenn Bund und Länder im Zuge der Lockerungen der Corona-Maßnahmen vorgeben, dass die Kitas nun schrittweise wieder vom Not- in den Normalbetrieb übergehen sollen: Viele der Kleinen werden ihre Einrichtung bis zu den Sommerferien vielleicht nur noch ein oder zwei Mal besuchen können. Bedeutet: Einige Kinder verpassen ihre letzten Kita-Monate nun fast komplett und müssen aus dieser Situation heraus eingeschult werden. Wie erschwert das den Schulstart?

Wie die einzelnen Bundesländer ihre Kita-Öffnung planen, erfahren Sie hier.

+++ Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus können Sie im Live-Ticker auf RTL.de nachlesen +++

"Es ist zu erwarten, dass Kinder im Schulbetrieb überfordert sein werden.“

Ob der fehlende Kita-Alltag den Schulstart erschweren wird, erklärt uns Kinderpsychologin Sabine Werner-Kopsch: "Wenn plötzlich die Bezugspersonen, der gewohnte Ort und die Rituale wegfallen und stattdessen ein gänzlich anderes Umfeld mit deutlich geänderten Bedingungen zum Alltag gehören, kann dieses große Ängste in Kindern auslösen und Anpassungsschwierigkeiten zur Folge haben." 

Zum einen könnten Kinder in der Corona-Krise verlernen, wie man sich in Gruppensituationen zurechtfindet, zum anderen führten die aktuell stark reduzierten Anforderungen bei den Kindern zu vermehrter Gereiztheit. "Es ist zu erwarten, dass viele Kinder mit der üblichen Kombination aus erhöhten inhaltlichen und sozialen Anforderungen des Schulbetriebs überfordert sein werden."

Psychologin rät: Kinder brauchen Übergangsrituale

Die Psychologin empfiehlt, für diese Kinder Übergangsrituale zu finden. "Übergänge sind für Kinder eine besondere Herausforderung. Abschied nehmen und etwas Neues beginnen gehört zum persönlichen Wachstum eines Menschen." Es sei wichtig, dass die Kinder in dieser besonderen Phase auch pädagogisch begleitet würden. Da die Abschiedsrituale innerhalb des Kita-Verbands nun ausfallen, sollten Eltern sich überlegen, wie sie individuelle Rituale für ihr Kind gestalten können. Diese sollten dem Kind dabei helfen zu verinnerlichen, dass die Kita-Zeit bald vorbei ist und die Schulzeit beginnt – zum Beispiel durch regelmäßige Gespräche.

Auch ein Abschiedsgeschenk für die Erzieher*innen oder eine kleine private Kita-Abschlussfeier im engsten Familienkreis seien denkbar. "Wichtig ist, dass der Abschied erlebt werden kann - niemand möchte, dass jemand geht, ohne sich zu verabschieden und eine offene Situation bleibt. Darauf muss für die Kinder geachtet werden", so Sabine Werner-Kopsch. Und auch die Schulen sollten sich auf die besondere Situation der Corona-Erstklässer vorbereiten und besondere Rücksicht auf sie nehmen.

RTL.de-Doku „Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus: Was lernen wir aus der Krise?“

Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen den Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind? Das sehen Sie hier im dritten Teil der RTL.de-Serie "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus".​