"Ich bin froh für ihn, dass sie ihn hier rausbringen. Wenigstens kann er an einen besseren Ort.“

Kinder aus Flüchtlingslagern reisen nach Deutschland - Geschwister teilweise getrennt

17. April 2020 - 21:06 Uhr

Geschwister müssen sich voneinander trennen

Nach monatelangem Streit ist es soweit: 53 Kinder dürfen die Hölle der überfüllten Flüchtlingslager in Griechenland verlassen. Sie kommen am Samstag in Niedersachen an. In Osnabrück sollen die unbegleiteten Minderjährigen erst einmal zwei Wochen in Quarantäne. Die Abreise in Griechenland war tränenreich – wie im Video zu sehen ist. Denn teilweise wurden Geschwister voneinander getrennt. Eine Schwester läuft winkend und weinend hinter dem Auto her, das ihren Bruder wegbringt.

„Ich bin froh, dass sie ihn aus dieser Hölle hier rausschaffen“

Für die Kinder, die die Reise nach Deutschland antreten durften, gibt es endlich ein kleines bisschen Hoffnung. Aber Tausende weitere harren noch unter katastrophalen Bedingungen in den Lagern aus. Eine Jugendliche fing bitterlich an zu weinen, als sich der Minibus mit ihrem Bruder in Bewegung setzte. "Ich bin froh, dass sie ihn aus dieser Hölle hier rausschaffen", sagt die Schwester unter Tränen. Sie weine aus Freude für ihren Bruder, aber auch weil sie jetzt alleine zurechtkommen muss.

Das jüngste der Kinder, das in Niedersachsen erwartet wird, ist acht Jahre alt, der älteste Jugendliche 17. Die Minderjährigen kommen aus Syrien, Afghanistan und Eritrea – die meisten haben Schreckliches durchgemacht. "Die Kinder mussten viele Monate in erbärmlichen und katastrophalen Zuständen leben und haben zum Teil ihre Eltern im Krieg oder auf der Flucht verloren", sagte die Landrätin des Landkreises Osnabrück, Anna Kebschull.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Griechenland
Eine Gruppe unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wird aus Griechenland nach Deutschland gebracht.
© dpa, Angelos Tzortzinis, nic

Flüchtlingskinder gehen in Osnabrück zwei Wochen in Quarantäne

Der genaue Ort, an dem die Kinder untergebracht werden, wird nicht bekannt gegeben. Die Behörden wollen sie vor zu viel öffentlicher Aufmerksamkeit schützen, dass die Kinder in Ruhe ankommen und sich erst mal erholen können.

Etwa 20 der Kinder hätten Verwandte hier in Deutschland, hieß es in einer Pressemitteilung des Landes. Nach der Quarantäne sollen sie darum bei ihren Familienangehörigen untergebracht werden. Die anderen werden vorerst in Niedersachsen betreut, aber auch andere Bundesländer haben schon angeboten, Flüchtlingskinder aufzunehmen.

Die Kinder sind die erste Gruppe, die nach Deutschland geholt wurde, um die völlig überfüllten Lager zu entlasten. Weitere sollen folgen. Deutschland sei entsprechend seiner Zusage auch bereit, mehr unbegleitete Minderjährige von den Ägäis-Inseln aufzunehmen, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums.