Katastrophale Kombination aus zwei Reflexen

Kälteschock: Deshalb kann der Sprung ins kalte Wasser so gefährlich sein

Ein Sprung ins kalte Wasser kann gefährlich werden.
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22. Januar 2020 - 21:09 Uhr

Dreijähriger Junge stirbt an Kälteschock

Gerade bei Sommerhitze ist ein Sprung ins kalte Wasser verlockend: Der Körper sehnt sich nach Abkühlung - und das geht im Wasser natürlich besonders gut. Ein Sprung oder Sturz ins kalte Wasser kann allerdings zu jeder Jahreszeit gefährlich werden: Ist der Körper nicht auf den Temperaturunterschied vorbereitet, kann es zum Kälteschock kommen - und dieser endet schnell tödlich. Erst am Montag wurde ein Dreijähriger in Schwäbisch Gmünd leblos in einem Fluss gefunden - laut Polizei ist er nicht ertrunken, sondern starb an einem Kälteschock. Wir erklären, was dabei im Körper passiert.

Das passiert beim Kälteschock im Körper

Anders als eine Unterkühlung, die deutlich harmloser ist und auftritt, wenn man sehr lange in kaltem Wasser ist, passiert ein Kälteschock ganz plötzlich: Weil der Körper nicht auf die Kälte vorbereitet ist, verkraftet der Kreislauf die Situation nicht und spielt verrückt. Je größer die Differenz zwischen der Körpertemperatur und der Wassertemperatur, desto gefährlicher wird es für den Körper.

Der Mensch reagiert beim Sprung ins Wasser nämlich mit zwei Reflexen, deren Kombination am Ende fatal ist: Beim kompletten Eintauchen ins Wasser kommt es zunächst zum sogenannten Tauchreflex. Der Herzschlag verlangsamt sich, die Atmung kommt zum Stillstand, der Sauerstoffverbrauch wird auf die überlebenswichtigen Organe reduziert.

Dazu kommt ein weiterer Reflex, mit dem der Körper auf Kälte reagiert: Der Puls wird automatisch schneller. Das Herz ist von der Kombination beider Reflexe verwirrt und weiß nicht, wie es damit umgehen soll. Bei einem Kälteschock hört es dann einfach auf zu schlagen. Im schlimmsten Fall kommt es innerhalb von wenigen Minuten zum Tod. 

So vermeidet man einen Kälteschock

Unterscheidet sich die Wassertemperatur stark von der Außentemperatur, ist vor allem eines wichtig: sich langsam an die kältere Temperatur des Wassers zu gewöhnen. Wer baden will, sollte auf jeden Fall langsam ins Wasser gehen oder den Körper vorher unter einer Dusche etwas abkühlen. Im Idealfall benetzen Badende erst den Oberkörper, bevor sie ganz untertauchen.

Zudem darf man keinesfalls zu lange im kalten Wasser bleiben. Sobald man friert, sollte man das Wasser verlassen. Der Körper nutzt seine Energiereserven dann, um die Kerntemperatur aufrecht zu erhalten - die Bewegungsenergie schwindet und als Schwimmer hat man unter Umständen keine Kraft mehr, zurück ans Ufer zu schwimmen.

Wichtig ist auch, nicht unter Alkoholeinfluss ins kalte Wasser zu springen: Wer getrunken hat, überschätzt die eigenen Fähigkeiten schnell. Außerdem weitet Alkohol die Blutgefäße. Für den Kreislauf sind große Temperaturunterschiede dann besonders gefährlich.