Jugendliche landen mit lebensgefährlichen Schäden im KrankenhausExperte warnt: So gefährlich ist die Droge "Spice"

Drei Jugendliche landeten in den vergangenen Tagen mit teils lebensgefährlichen Schäden im Krankenhaus. Der Grund laut Polizei: Der Konsum der Droge Spice! Doch was ist Spice überhaupt? Und wie gefährlich kann die relativ unbekannte Droge tatsächlich werden? Ein Experte klärt auf.
Polizei: „Lebensgefährliche Beeinträchtigungen“ durch Spice
Einer der Jugendlichen, die in Duisburg ins Krankenhaus eingeliefert wurden, habe „lebensgefährliche Beeinträchtigungen der inneren Organe“ gehabt, teilte die Polizei am Montag mit. Zwei weitere hätten zudem „deutliche, gesundheitliche Beschwerden“ gehabt und über Übelkeit geklagt.
Die 15 bis 17 Jahre alten Teenager sagten der Polizei gegenüber selbst, sie hätten sogenanntes „Spice“ geraucht. In Duisburg hatten die Jugendlichen den Stoff offenbar in flüssiger Form per E-Zigarette zu sich genommen. Doch was ist Spice überhaupt?
Experte warnt: „Bis zu 300 mal stärker als herkömmliches Cannabis“
„So genannte neue psychoaktive Substanzen, kurz ‘NPS’, werden oft unter dem Namen Spice verkauft“, erklärt Ralf Wischnewski, Fachreferent für neue Drogen bei der Drogenhilfe Köln. „Die als Spice gehandelten Substanzen gehören zur Stoffgruppe der synthetischen Cannabinoide. Fälschlicherweise werden diese oft auch als „legal highs“ bezeichnet - dabei sind sie größtenteils illegal!“
Das große Problem bei diesen Drogen ist: Niemand weiß wirklich, was drin ist und in welcher Dosierung. Jede Mischung kann anders zusammengestellt sein. „Allein bei den synthetischen Cannabinoiden gibt es über 200 unterschiedliche Stoffe“, erklärt Wischnewski. „Sie können bis zu 200 bis 300 mal stärker wirken als herkömmliches Cannabis. Es ist nie klar, was man wirklich konsumiert.“
Wischnewski: Spice kann „zum Tod führen“

Daher kann die Wirkung – ebenso wie die Nebenwirkungen – beim Konsum der Droge nie wirklich vorausgesagt werden. „Sehr viele der synthetischen Cannabinoide wirken sehr stark, sie können zu Paranoia oder Halluzinationen führen, aber auch zu Verwirrung, Krampfanfällen, Herzproblemen, Bluthochdruck, Übelkeit oder Erbrechen“, sagt Wischnewski. „Je nachdem, was ich bekomme, kann es zu Fällen wie jetzt in Duisburg kommen. Die Drogen können ähnlich wie Cannabis wirken, in schlimmsten Fällen aber eben auch zum Tod führen.“
„Die Stoffe haben zudem oft ein wesentlich höheres Abhängigkeitspotenzial und dadurch auch entsprechend starke Entzugserscheinungen. Der Begriff ‘legal highs’ wird zur Falle“, erklärt der Experte weiter. Seine Einschätzung: „In der Regel sind diese Drogen wesentlich gefährlicher als andere, verbotene Substanzen.“
Spice in Deutschland nicht weit verbreitet
Vor einigen Jahren verbreiteten sich Spice und ähnliche Drogen vor allem in Großbritannien sehr schnell. Die Substanzen kamen zunächst legal in Umlauf und wurden erst später verboten. In einem Brief ans britische Innenministerium warnten Polizeikommissare damals, die „Zombiedroge“ sei die größte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit seit Jahrzehnten.
Doch auch in anderen Ländern sind so genannte NPS sehr verbreitet. Im Herbst 2014 landeten in Russland mehr als 1000 Patienten wegen Spice und ähnlicher Drogen im Krankenhaus, 40 Menschen starben damals. In Deutschland ist der Konsum von synthetischen Cannabinoiden dagegen nicht besonders weit verbreitet, die Drogen eher ein Nischenthema – zum Glück! (jda)