„Erinnert an amerikanischen Sekten-Gottesdienst“

Übergewichtige müssen an Selbsthilfegruppe für Magenbypass teilnehmen

20. April 2019 - 11:24 Uhr

Hilfe oder Verkaufsveranstaltung?

Ein Magenbypass lässt sich nicht rückgängig machen. Daher verlangen manche Kliniken, dass Patienten zunächst an einer Selbsthilfegruppe teilnehmen müssen. In der aktuellen Folge von "Jenke macht Mut" begleitet Jenke von Wilmsdorff die übergewichtige Nadya zu dieser Veranstaltung und ist geschockt – genau wie die Zuschauer der Sendung.

Die ganze Szene zeigen wir im Video.

Selbsthilfe gewinnt 1.300 Patienten

Psychologische Betreuung vor einer Operation ist wichtig. Daher bietet das Klinikum Köln-Merheim eine Selbsthilfegruppe an, zu der Übergewichtige vor und nach einem Magenbypass kommen können.

Jenke ist von dieser Selbsthilfegruppe geschockt. Ihn erinnert die Veranstaltung an "einen amerikanischen Sekten-Gottesdienst." Ehemalige Patienten werden vorgestellt, der operierende Arzt wird wie ein Guru der Abnehmenden präsentiert.

Reporter Jenke von Wilmsdorff (l.) begleitet Dr. med. Jürgen S. Meyer bei einer Magenbypass-Operationen.
Jenke von Wilmsdorff und der operierende Arzt im Operations-Saal.
© TVNOW

Jenke begleitet den operierenden Arzt auch in den OP, um sich anzusehen, wie eine Magenbypass-OP abläuft.

Viele Zuschauer kritisieren diese Veranstaltung in den sozialen Medien, schließlich diene sie dazu, Menschen für einen kostenpflichtigen Eingriff zu motivieren. Die Leitung der Selbsthilfegruppe, Petra Kirsch, bestätigt im Interview mit Jenke, dass 1.300 Menschen durch die Veranstaltung zu zahlenden Patienten dieser einen Klinik in Köln-Merheim geworden sind.

Zuschauer sind geschockt

Dieser Teil der Reportage wühlt auch die Zuschauer auf, die sich auf Facebook und Twitter zu den gezeigten Bildern äußern.

Der größte Kritikpunkt ist, dass die veranschlagte Selbsthilfegruppe dem "Verkaufen" der Magenbypass-Operationen dient.

Facebook-Nutzerinnen sehen die Selbsthilfegruppe kritisch

Auch andere Zuschauer stimmen dieser Meinung zu. Auf der Facebook-Seite schreibt eine Zuschauerin: "Jenke sagte schon zu ihr, dass ihm das wie eine Sekte vorkam. Hatte das gleiche auch gedacht. Nun, dank ihr macht das Krankenhaus gute Umsätze 😠 Furchtbar....".

Eine andere Nutzerin vergleicht die Selbsthilfegruppe mit einer Kaffeefahrt. "Die Dame stigmatisiert Patienten. Angestellte einer Klinik dürfen keine Selbsthilfegruppe leiten.
Die Selbsthilfegruppe war schrecklich. So läuft das echt nicht ab. Sorry.Das ging gar nicht!"

Eine Zuschauerin schreibt, dass sie sich selbst einer Magen-OP unterzogen habe. Sie berichtet auf Facebook, dass sie sich für einen Schlauchmagen entschieden hat. 

"Für extrem Übergewichtige Menschen ist es das Beste... Nicht so dicke Menschen oder auch schlanke Menschen können das nicht nachvollziehen. Aber das ist ok. Jeder soll das für sich tun, was er am besten findet und so leben lassen, wie er es für richtig hält."

Reportage zeigt nur eine Möglichkeit

Die aktuelle Folge von "Jenke macht Mut" zeigt exemplarisch eine Selbsthilfegruppe eines Klinikums. Andere Einrichtungen bieten inhaltich und formell andere Programme an, um Übergewichtige während des Abnehm-Prozesses zu begleiten.