Grusel-Expedition in der Wüste

Forschern gelingt erstmals Abstieg in „Höllenbrunnen"

Der „Höllenbrunnen" im Jemen.
Der „Höllenbrunnen" im Jemen.
© AFP Agence France-Presse GmbH, AFP

28. September 2021 - 10:35 Uhr

Die Angst vor dem riesigen Loch im Jemen

Mitten in der Wüste im Westen des Jemen ist ein 30 Meter breites, schwarzes Loch. Von Einheimischen als "Höllenbrunnen" bezeichnet. Sie fürchten das sagenumwobene Loch. Es bringe Unglück, heißt es von einigen. Früher war es ein Dämonengefängnis, sagen andere. Keiner wusste bisher, wie tief dieses Loch wirklich ist. Bis jetzt. Vergangene Woche gelang es Forschern zum ersten Mal, sich 112 Meter in die Tiefe abzuseilen und den Boden der Hölle zu betreten. Darüber berichten verschiedene Medien unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AFP. Statt Mythen und Dämonen, trafen die Forscher aber auf eine eher ernüchternde Realität.

Jemen: Entdeckungen in der Höhle

Forscher seilen sich in den "Höllenbrunnen" ab.
Forscher seilen sich in den „Höllenbrunnen" ab.
© AFP Agence France-Presse GmbH, AFP

Von oben sieht es aus wie ein riesiger Kratereinschlag aus einer längst vergangenen Zeit. In der Mitte ein schwarzes, großes Loch. Felsbrocken liegen herum und helle Sandabsetzungen schlängeln sich durch die dunkel-rötlicher Oberfläche um das Loch, wie kleine feine Adern eines Auges. Kilometerweit ist keine Menschenseele zu sehen. Zugegeben, einladend sieht der "Höllenbrunnen" nicht aus. Kein Wunder also, dass sich bisher niemand bis ganz nach unten getraut hatte.

60 Meter tief waren Forscher in der Vergangenheit schon gekommen und hatten von eigenartigen Gerüchen und seltsamen Dingen berichtet. Einer der acht Höhlenforscher, die es jetzt bis zum Boden der Lochs geschafft haben, ist Geologieprofessor Mohammed al-Kindi. Er kann die Beobachtung seiner Vorgänger laut einem Bericht bei ntv.de nicht bestätigen: "Dort gab es Schlangen, aber sie belästigen einen nicht, solange man sie nicht stört." Dazu fanden sie viele tote Vögel, die den eigenartigen Geruch erklären, sowie graue und lindgrüne Höhlenperlen, die sich aus herabtropfendem Wasser gebildet hatten. Das war wohl auch der magischste Fund von dort unten.

Auswertungen der "Höllenbrunnen"-Proben laufen noch

Das Team nahm außerdem verschiedene Wasser-, Boden- und Gesteinsproben mit – die Auswertungen laufen noch, wie die private German University of Technology mitteilte. Übermenschliches oder Mythisches hat bei der Entdeckungstour demnach aber niemand gefunden. Es darf also bezweifelt werden, das die Gründe für menschliches Leid wie durch den jahrelangen Bürgerkrieg im Jemen in übernatürlichen Mächten aus dem "Höllenbrunnen" zu finden sein werden. (cap)