Sie gilt als talienische Maddie McCann

Vermisstenfall Denise Pipitone: Welche Rolle spielt die Ex des Vaters beim Verschwinden der Dreijährigen?

So könnte Denise Pipitone sich im Laufe der Jahre verändert haben: 2008 und 2014 erstellten die italienischen Behörden Bilder des vermissten Mädchens.
So könnte Denise Pipitone sich im Laufe der Jahre verändert haben: 2008 und 2014 erstellten die italienischen Behörden Bilder des vermissten Mädchens.
© BKA

17. Juni 2021 - 19:54 Uhr

Hat ihre Eifersucht sie so weit gebracht, das Kind entführen zu lassen?

Die dreijährige Denise verschwand am 1. September 2004 spurlos. Sie spielte vor der Tür ihres Elternhauses auf Sizilien, während die Oma das Mittagessen vorbereitete. Der Fall beschäftigt die italienische Justiz seit 17 Jahren. Noch immer ist er ungelöst. Die Eltern glauben, dass ihre Tochter noch lebt, hoffen, sie eines Tages wiederzufinden. Bei der Suche nach den Tätern rückt vor allem eine Person immer wieder in den Vordergrund: Anna C. - die Ex von Denises Vater. Was hat sie mit dem Fall zu tun?

Fall der vermissten Denise Pipitone seit 17 Jahren ungelöst

Credit: cerchiamodenise.it
Das Suchplakat zeigt Denise Pipitone.
© Facebook, cerchiamodenise.it, Unbekannt

Das Erste, was die Mutter Piera M. der Polizei damals sagte, war: "Fahrt bitte zum Haus von Anna C. – der Ex meines Mannes." Das erzählte sie in der italienischen Fernsehsendung "Chi l´ha visto" ("Wer hat sie/ihn gesehen?"), in der vermisste Menschen gesucht werden. Piera M. hatte in dem Moment des Verschwindens sofort das Gefühl, dass nur sie dahinterstecken könnte, sagt sie dort.

Hintergrund: Denise ist ein uneheliches Kind, das aus einer Affäre entstanden ist. Ihre Mutter Piera M. und ihr Vater Piero P. waren beide mit anderen Partnern verheiratet, als Piera M. mit Denise schwanger wurde. Beide trennten sich daraufhin von ihren Ehepartnern. Anna C.. die Ex von Denises Vater habe Piera M. von da an nachgestellt, heißt es.

Anna C. drohte Denises Mutter immer wieder, sie werde "bezahlen"

Piera M. erzählt in der italienischen Sendung " Chi l´ha visto": "Das was heute Stalking genannt wird, ist mir mit Anna C. widerfahren. Damals war das allerdings noch keine Straftat. Sie hat mir vor dem Verschwinden meiner Tochter die Reifen aufgestochen, ging immer wieder zu meinem Vater und hat damit gedroht, dass ich eines Tages für alles bezahlen werde. Außerdem wurde der Laden meiner Mutter in Brand gesetzt, die Täter sind bis heute nicht ermittelt worden."

Die Polizei folgte dem Hinweis von Piera M. und suchte Anna C. nach dem Verschwinden der Dreijährigen auf. Die empfing die Polizei – was die Ermittler aber damals nicht wussten: sie trafen Anna C. nicht in ihrer Wohnung, sondern der ihrer Nachbarin an. Die Frau behauptete allerdings, es handle sich um ihre Wohnung. Im Zuge der Ermittlungen wurden Anna C. und Jessica P. – die Halbschwester von Denise – von der Polizei abgehört. Ihre Telefonate werfen Fragen auf.

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Auch Halbschwester von Denise zwischenzeitlich verdächtig

Hier verschwand Denise Pipitone 2004.
Denise Pipitone ist beim Spielen vor der Haustür spurlos verschwunden.
© Google Maps

Jessica P., die Tochter von Denises Vater und Anna C. sei nach der Trennung ihrer Eltern ebenfalls sehr eifersüchtig auf die neue Familie gewesen. "Jessica P. lief jeden Tag mehrmals an unserer Haustür vorbei. Und vor allem genau dort lang, wo Denise verschwunden ist", erzählt Piera M. bei "Chi l´ha visto".

Jessica P., die Halbschwester von Denise, hatte bei den Befragungen angegeben, den ganzen Tag bei sich zu Hause gewesen zu sein. Daraufhin fragt die Mutter Anna C. sie am Telefon: "Es heißt, du seist den ganzen Tag zu Hause gewesen, aber hattest du mir nicht gesagt, dass du mit Alice draußen unterwegs warst?" Und weiter: "Ich darf nicht in deine Aussage sehen, also sag mir, was du gesagt hast." Später finden die Ermittler raus, dass Jessica an dem Tag an sechs unterschiedlichen Orten war.

TV-Sender strahlt aufgezeichnetes Gespräch aus

In der Sendung "Mattino Cinque" des italienischen Fernsehsenders "Canale 5" wurden weitere Auszüge des Telefonats zwischen von Anna C. und Jessica P. eingespielt. Es soll am 11. September, zehn Tage nach dem Verschwinden von Denise Pipitone, stattgefunden haben:

"Warst du den ganzen Vormittag Zuhause?", fragt Anna C. ihre Tochter in dem aufgezeichneten Gespräch. Jessica P. verneint das. Dann diskutieren die beiden darüber, was die Tochter den Polizei Ermittlern gesagt hat und was nicht, offenbar um sich abzusichern, dass sich ihre Aussagen decken. "Ich habe jetzt einen Termin bei der Polizei, ich bin deine Mutter. Du musst jetzt ruhig bleiben", fordert Anna C.

Im Fall Denise Pipitone wurde bis heute niemand verurteilt

Trotz der vielen falschen Angaben, die Anna C. und Jessica P. im Laufe der Ermittlungen machten, wurden sie nicht verurteilt – aus Mangeln an Beweisen. Und Piera M. sucht ihre heute 21-jährige Tochter Denise Pipitone noch immer. (mca)

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