Wilder ist mächtig angepisst

Irre Show nach Box-Wahnsinn: Tyson Fury ruft sich selbst zur Legende aus

Tyson Fury dominierte den Kampf mit zunehmder Dauer.
Tyson Fury dominierte den Kampf mit zunehmder Dauer.
© dpa, Chase Stevens, JL exa

10. Oktober 2021 - 16:16 Uhr

Fury bringt die Arena in Las Vegas zum Kochen

Tyson Fury schluchzte, bei den Liebesgrüßen an seine Frau Paris übermannten selbst den Boxriesen die Gefühle. Doch nur Sekunden später war der Schwergewichts-Champion schon wieder ganz in seinem Element, funktionierte kurzerhand den Ring zur Showbühne um. Mit dem WM-Gürtel über der Schulter trällerte Fury lauthals seine ganz eigene Version des Kultsongs "Walking in Memphis", die prall gefüllte T-Mobile-Arena in Las Vegas kochte.

"Schläge wie dieser beenden Karrieren"

 LAS VEGAS, NV - OCTOBER 09:  In Blk trunks Tyson Fury delivers a right cross hit during the 11 round and KO s Deontay Wilder for the World Heavyweight Championship III trilogy fight at T-Mobile Arena Saturday October 9, 2021 in Las Vegas, Nevada.MB
"Schläge wie dieser beenden Karrieren."
© imago images/MB Media Solutions, MB Media via www.imago-images.de, www.imago-images.de

So wie zuvor während der epischen Schlacht gegen Deontay Wilder. Fury musste leiden, landete zweimal auf dem Boden - und ging letztlich doch als Triumphator aus der dramatischen Trilogie hervor. "Ich bin der größte Schwergewichtler meiner Ära, ohne Zweifel", tönte der ungeschlagene WBC-Weltmeister: "Ich habe immer gesagt, ich bin der Beste der Welt, und er ist der Zweitbeste."

Fury hatte seinem taumelnden Kontrahenten mit einem rechten Haken in der elften Runde vor 15.820 Zuschauern den Knockout versetzt. "Schläge wie dieser beenden Karrieren", sagte Fury grinsend. Und tatsächlich dürfte sich Wilder zumindest von der ganz großen Bühne verabschiedet haben, nach der zweiten Niederlage in Folge rücken weitere WM-Chancen in weite Ferne.

Fury greift dagegen nach dem Box-Thron. Als nächstes Ziel bleibt dem "Gypsy King" eigentlich nur noch die ultimative Titelvereinigung mit den wichtigen WM-Gürteln der Verbände WBA, WBO und IBF. Doch bis zu einem Vereinigungsfight wird es vermutlich dauern, schließlich fordert der entthronte Champion Anthony Joshua zuvor den Ukrainer Alexander Usyk zu einem Rückkampf.

Pflichtverteidigung vor der Mega-Schlacht

Boxing - Tyson Fury v Deontay Wilder - WBC Heavyweight Title - T-Mobile Arena, Las Vegas, Nevada, U.S. - October 9, 2021 Tyson Fury during a press conference after winning the fight against Deontay Wilder REUTERS/Steve Marcus
Schon wieder in Pöbel-Plauderlaune: Tyson Fury.
© REUTERS, STEVE MARCUS, ao

Fury wird deshalb vor der potenziellen Mega-Schlacht wohl einmal zur Pflichtverteidigung antreten müssen, Ende Oktober ermitteln Dillian Whyte und Otto Wallin den Herausforderer. Doch Fury hat es nach dem erfolgreichen Abschluss der Trilogie ohnehin nicht eilig. "Rausgehen, einige Drinks genehmigen, eine Zeit lang nicht an Boxen denken und einfach genießen", gab er als Motto aus.

Auch vor dem dritten Aufeinandertreffen hatte es zwischen den beiden Kontrahenten gekracht. Fury beschimpfte Wilder als "Penner", "Stück Scheiße" und "Pussy". Selbst der obligatorische Staredown fiel aus. Auch nach der epischen Schlacht mit insgesamt fünf Niederschlägen beruhigten sich die Gemüter nicht, Wilder war so gar nicht nach Versöhnung.

"Ich ging zu ihm hin, um ihm die Hand zu schütteln und ihm zu sagen, dass er es gut gemacht hat, und er sagte: 'Nein, ich respektiere dich nicht'", erzählte Fury. Wer lang genug "mit dem Feuer" spiele, "verbrennt sich eben", fügte er mit schelmischem Grinsen hinzu: "Ist er ein schlechter Verlierer oder was?" Als Verlierer verließ Fury noch nie den Ring - diese Serie geht auch nach seinem 32. Profikampf weiter. (tno/sid)