Wales: Wenn sie Alkohol tranken "eskalierte die Situation"

Tochter und Vater haben Sex - Psychologe erklärt, wie es zu Inzest kommen kann

Ein Vater und seine leibliche Tochter standen in Wales vor Gericht, weil sie miteinander intim geworden sind. (Symbolbild)
Ein Vater und seine leibliche Tochter standen in Wales vor Gericht, weil sie miteinander intim geworden sind. (Symbolbild)
Viacheslav Peretiatko

von Denise Kylla

Sie redeten, sie tranken und dann „eskalierte die Situation“ – und das wohl immer wieder. Eine 18-Jährige aus Carmarthenshire in Wales hatte immer wieder Sex mit ihrem eigenen Vater. Vor dem Swansea Crown Gericht wurde der Mann jetzt zu einer Freiheitsstrafe und gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Wie kann es zu Inzest kommen? Psychologe Dr. Dirk Baumeier erklärt im RTL-Interview, weshalb Verwandte Verwandte lieben.

Wales: 18-Jährige suchte Vater immer wieder für Sex auf

Zuerst habe die junge Frau geglaubt, ihr Vater sei unter gewaltsamen Umständen zu Tode gekommen, das berichtet das Portal „WalesOnline“. Bis ins Teenageralter wusste sie nicht, dass er noch am Leben war. Als sie es erfuhr, soll sie Nachforschungen in den sozialen Medien angestellt haben – mit Erfolg. Die damals Minderjährige fand ihren Vater und suchte ihn auf, so der Bericht. Zuerst habe es auch keine ungewöhnlichen Vorkommnisse gegeben. Beide hätten eine normale Beziehung zueinander aufgebaut, heißt es. Doch als die Tochter 18 geworden sei, habe sich alles geändert. Der Vater soll sich mit ihr betrunken haben, danach sei es zum Sex bekommen. Und das immer wieder.

Ein Richter am Swansea Crown Gericht sagte dem Angeklagten bei der Verhandlung, dass das, was er getan habe, „illegal, völlig unmoralisch und ausbeuterisch“ gewesen sei, das berichtet „WalesOnline“. Vorerst soll die 18-Jährige die Klage gegen ihren Vater unterstützt haben. Diese habe sie aber schnell wieder schriftlich zurückgezogen, schreibt die britische Zeitung „Metro“. Sie sagte, sie liebe ihren Vater und wolle eine „normale“ Beziehung zu ihm, wird Staatsanwalt Tom Scapens zitiert. Aufgeflogen war die Beziehung übrigens nur, weil sich die junge Frau bei einem Besuch im Pub verplapperte – dumm gelaufen.

Richter Paul Thomas KC sagte, die Staatsanwaltschaft habe in diesem Fall akzeptiert, dass die sexuelle Aktivität zwischen dem Angeklagten und seiner Tochter einvernehmlich gewesen sei. Dementsprechend hätte der Mann eine Haftstrafe von circa fünf Monaten absitzen müssen. Weil der angeklagte Vater aber seit Oktober 2022 in Untersuchungshaft gesessen und daher fast das Äquivalent einer fünfmonatigen Haftstrafe verbüßt ​​hatte, musste er nicht erneut in den Knast. Er wurde er zu drei Jahren gemeinnütziger Arbeit verurteilt, muss einen Kurs für Sexualstraftäter absolvieren und ein Rehabilitationsprogramm besuchen.

Psychologe ordnet ein: „Zwischen blutsverwandten Menschen besteht oft eine besonders innige Beziehung"

Dr. Dirk Baumeier ist Diplom-Psychologe. Im Interview mit RTL erklärte er, warum es zu Inzest kommen kann.
Dr. Dirk Baumeier ist Diplom-Psychologe. Im Interview mit RTL erklärte er, warum es zu Inzest kommen kann.
RTL

Zwei eng Verwandte, die miteinander schlafen: Ein Tabu in Deutschland. Hierzulande ist es verboten, wenn Kinder, Eltern, Großeltern oder Geschwister untereinander Geschlechtsverkehr haben. Das besagt der Paragraph 173 des Strafgesetzbuches. Gleiches gilt auch für Großbritannien und Wales, wo sich der Fall abspielte. Im Interview mit RTL erklärt Diplom-Psychologe Dr. Dirk Baumeier, weshalb es trotzdem immer wieder zu Fällen von Inzest kommt.

„Zwischen blutsverwandten Menschen besteht oftmals eine besonders innige Beziehung, da ja Gene geteilt werden. Wir spüren eine gewisse Ähnlichkeit zueinander und diese wiederum lässt uns wechselseitig sympathischer erscheinen“, erklärt er. Deshalb könne es vorkommen, dass unbewusst eine Anziehung zu jemandem entstehe, der sich später als Verwandter herausstelle.

„Auch in früheren Kulturen wurde über Inzest berichtet und mitunter wurden sogar Kinder in allzu gerader Linie gezeugt. Dennoch wurde die ‘Blutschande’ nahezu überall mit einem Tabu belegt“, erklärt Dr. Baumeier. „Legendär ist beispielsweise der altgriechische Ödipus, der unwissentlich seine Mutter heiratet. Als die Wahrheit ans Licht kommt, sticht er sich aus Verzweiflung die Augen aus und geht ins Exil.“ Heute werde oft argumentiert, dass durch Inzucht die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Erbkrankheiten massiv erhöht werde. „Das stimmt zwar, aber in den alten Hochkulturen wusste man noch nichts Genaueres über Humangenetik und sprach trotzdem entsprechende Verbote aus.“ Das spreche stark für eine soziale Komponente.

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