Ist der Höhepunkt erreicht?

Inflationsrate im November in den meisten Bundesländern über 5 Prozent

Auch die Ausgaben des täglichen Lebens sind deutlich gestiegen.
Auch die Ausgaben des täglichen Lebens sind deutlich gestiegen.
© picture alliance, Kai Remmers

29. November 2021 - 11:27 Uhr

Erstmals seit 1992 Inflation mit 5 vor dem Komma

Die deutsche Inflationsrate trägt im November voraussichtlich erstmals seit 1992 eine Fünf vor dem Komma. Darauf deuten erste Daten aus den Bundesländern hin. In Bayern, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen verteuerten sich Waren und Dienstleistungen zwischen 5,0 und 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die Statistischen Landesämter am Montag mitteilten. Nur in Baden-Württemberg blieb die Teuerungsrate mit 4,9 Prozent etwas niedriger.

Inflationsrate im Oktober bei 4,5 Prozent

Das Statistische Bundesamt will an diesem Nachmittag seine erste Schätzung für ganz Deutschland veröffentlichen, die auf den Daten der genannten sechs Bundesländer basiert. Von Reuters befragte Ökonomen rechnen hier mit einem Wert von 5,0 Prozent - es wäre der höchste seit September 1992. Im vergangenen Oktober hatte die Inflationsrate noch bei 4,5 Prozent gelegen. Teurer wurden vor allem folgende Waren und Dienstleistungen:

Verbraucherpreisindex: Diese Waren und Dienstleistungen sind im Oktober 2021 besonders teuer geworden

Waren und DienstleistungenVeränderungen gegenüber Vorjahreszeitraum
in Prozent
Leichtes Heizöl101,1 %
Diesel43,9 %
Autogas35,5 %
Superbenzin32,1 %
Fotokameras11,4 %
Erdgas7,4 %
Fahrschule9,5 %
Bus, Bahn & Taxi9,4 %
Computer & Notebooks8,4 %
Fahrräder7,5 %
Erdgas7,4 %
Speisefette- und Speiseöle7,3 %
Fahrzeuge (Pkw)7,2 %
Eier6,0 %
Brot5,0 %
Butter, Käse5,0 %
Möbel und Leuchten5,0 %
Zucker, Marmelade, Honig4,5 %
Kaffee, Tee und Kakao4,4 %
Milch4,4 %

EZB-Direktorin Isabel Schnabel erwartet künftig wieder niedrigere Werte. "Wir gehen davon aus, dass im November der Höhepunkt der Inflationsentwicklung erreicht ist", sagte die Währungshüterin im ZDF. Die Teuerungsrate dürfte 2022 wieder allmählich in Richtung zwei Prozent sinken, der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Sondereffekte wie etwa die zeitweise Mehrwertsteuersenkung im vergangenen Jahr würden dann aus der Statistik fallen. "Auch die Energiepreise werden nicht mit dem gleichen Tempo weiter steigen", sagte Schnabel. Die pandemiebedingten Lieferengpässe in der Wirtschaft dürften sich zudem allmählich auflösen.

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FILE PHOTO: Isabel Schnabel, then member of the German advisory board of economic experts, at the Old Opera house in Frankfurt, Germany November 22, 2019. REUTERS/Ralph Orlowski/File Photo
Isabel Schnabel, Direktorin der Europäischen Zentralbank (EZB).
© REUTERS, Ralph Orlowski, /FW1F/Kevin Liffey

Sollte sich die Inflation dauerhaft auf einem höheren Niveau als zwei Prozent festsetzen, dann werde die EZB entschlossen reagieren. "Aber im Moment wäre es eben ein Fehler, die Zinsen frühzeitig zu erhöhen und damit den Aufschwung zu bremsen, denn das würde im Wesentlichen zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit führen und würde an der aktuell sehr, sehr hohen Inflation gar nichts mehr ändern können", sagte Schnabel. (reuters/aze)