In Nordkorea gefoltert? Gerichtsmediziner widersprechen Otto Warmbiers Eltern

28. September 2017 - 12:35 Uhr

Fred und Cindy Warmbier geben Interview im US-Fernsehen: "Sie haben ihn zerstört"

Der Tod des US-Studenten erregte weltweit Aufsehen: Otto Warmbier wurde im Juni 2016 nach 17 Monaten Haft in Nordkorea nach Hause entlassen, in erschreckendem Zustand. Eine Woche später starb er Otto Warmbier im Alter von 22 Jahren. Nun sprachen seine Eltern Cindy und Fred Warmbier erstmals öffentlich darüber. Die Gerichtsmedizin zweifelt ihre Schilderung allerdings zumindest an.

Otto Warmbier war blind und taub und hatte einen Schlauch in der Nase

Es sind erschütternde Details, die Ottos Vater Fred Warmbier im US-Sender 'Fox News' nennt: Der Kopf seines Sohnes war rasiert worden. "Ein Ernährungsschlauch kam aus seiner Nase, er starrte ins Leere und zuckte ganz schrecklich. Er war blind. Er war taub", so der Vater. "Als wir versuchten, ihn zu beruhigen, sahen wir, dass Zähne im Unterkiefer fehlten, als hätte ihn jemand mit einer Zange bearbeitet."

Fred Warmbier berichtet von "unmenschlichen Geräuschen", die sein Sohn von sich gegeben habe. Er findet, dass Nordkorea auf die Liste der Terror-Staaten gehört. Sein Sohn sei "mit Absicht und zielgerichtet" verletzt worden, sagt er.

"Sie haben ihn zerstört", klagt auch seine Frau Cindy. Für sie steht fest, dass das Regime in Pjöngjang ihren Sohn nur in die USA zurückgeschickt hat, weil Otto im Sterben lag.

"Keine eindeutigen Spuren für Folter"

Für die Gerichtsmedizin bleiben die Todesumstände des US-Studenten dagegen weiterhin ungeklärt. "Wir konnten keine eindeutigen Spuren dafür finden, dass sein durch Sauerstoffmangel hervorgerufener Gehirnschaden durch Folter ausgelöst wurde", sagte die Gerichtsmedizinerin Lakshmi Sammarco bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Warmbiers Körper und sein Gesicht seien für jemanden, der über ein Jahr bettlägerig verbracht hat, in einem exzellenten Zustand gewesen, so Sammarco weiter.

Rückkehr aus der Haft in Nordkorea im Zustand "reaktionsloser Wachheit"

Otto Warmbier in sichtlich angegriffenem Zustand im März 2016 in einem Gericht in Pjöngjang (Nordkorea).
Otto Warmbier wird am 16. März 2016 in einem Gericht in Pjöngjang (Nordkorea) in sichtlich angegriffenem Zustand von zwei nordkoreanischen Polizisten eskortiert.
© dpa, Jon Chol Jin, CD pat

Otto Warmbier war als Student mit einer Reisegruppe in Nordkorea unterwegs, als er im Januar 2016 festgenommen und zu 15 Jahren Schwerstarbeit verurteilt wurde. Angeblich soll er versucht haben, ein Propaganda-Banner zu stehlen.

17 Monate war der junge Mann aus dem US-Bundesstaat Ohio in Nordkorea in Haft, 15 Monate davon lag er im Koma.

Ärzte beschrieben die Verletzungen in seinem Gehirn als gravierend. Der 22-Jährige habe großflächige Schäden am Hirngewebe davongetragen, er habe sich in sich in einem Zustand "reaktionsloser Wachheit" befunden. Er starb nur wenige Tage nach seiner Rückkehr in die USA.