Symptome sollten frühzeitig erkannt werden

Immer kalte Hände? Das „Flammer-Syndrom“ kann die Ursache sein

© iStockphoto, Valentin Casarsa

28. November 2019 - 7:50 Uhr

Eiskalte Hände und Füße

Leiden Sie häufig unter permanent kalten Füßen und Händen? Dann sollten Sie sich unbedingt medizinisch untersuchen lassen. Das Universitätsklinikum Bonn warnt in einer aktuellen Meldung vor dem sogenannten "Flammer-Syndrom", das ohne Behandlung zu riskanten Folgeerkrankungen führen kann. Eine Personengruppe ist dabei besonders gefährdet.

Viele Beschwerden können auf das „Flammer-Syndrom“ hinweisen

Anhaltend kalte Füße und Hände können verschiedene Gründe haben. Niedriger Blutdruck, allgemeine Blutarmut, eine Schilddrüsenunterfunktion oder Durchblutungsstörungen zählen zu den am häufigsten diskutierten Ursachen.

Prof. Dr. Olga Golubnitschaja, Leiterin der Experimentellen Radiologie am Universitätsklinikum Bonn, warnt in einer aktuellen Meldung nun davor, dass kalte Hände auch ein Anzeichen für das sogenannte "Flammer-Syndrom" sein können. Betroffen seien am häufigsten Frauen mit schlanker Figur sowie erfolgreiche Akademiker, die zu perfektionistischem Verhalten neigen.

Was genau ist das „Flammer-Syndrom“?

Unter dem "Flammer-Syndrom" versteht man eine Vielzahl an Symptomen, die durch eine spezielle Form der Durchblutungsstörung ausgelöst werden. Eine Folge ist die erhöhte Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Reizen, wie z.B. Kälte oder emotionalem Stress – Betroffene haben deshalb unter anderem schneller kalte Hände und Füße.

Zudem ist sehr häufig ein auffälliges psycho-soziales Verhalten bei den Patienten zu beobachten. Dabei weisen diese vor allem einen ausgeprägten Hang zum Perfektionismus auf und leiden gewöhnlich unter einer von ihnen selbst ausgelösten "Stress-Spirale".

Da jedoch weitaus mehr Symptome auf das "Flammer-Syndrom" hinweisen können, haben wir all diese noch einmal für Sie zusammengestellt:

  • Kalte Hände und/oder Füße
  • Verlängerte Einschlafzeit
  • Reduziertes Durstgefühl
  • Erhöhte Empfindlichkeit, z.B. stärkere Reaktion auf gewisse Medikamente, erhöhte Geruchsempfindlichkeit, erhöhte Schmerzempfindlichkeit, vermehrte Höhenkrankheiten, vermehrte Wetterfühligkeit, verstärkte Vibrationsempfindlichkeit
  • Spezielles psycho-soziales Verhalten (Auffallende Gewissenhaftigkeit bis hin zum Perfektionismus)
  • Tinnitus
  • Muskelkrämpfe

Frühe Diagnose wichtig, um mögliche Folgeerkrankungen vorzubeugen

Das Flammer-Syndrom sollte nicht unterschätzt werden. Die Erkrankung kann nicht nur die Entstehung eines Glaukoms (bekannt als "Grüner Star") fördern, Mediziner vermuten außerdem einen Zusammenhang mit vielen weiteren Krankheiten. Unter anderem wird das Syndrom mit Krebskrankheiten wie Brustkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Mund- und Scheidentrockenheit, chronischen Entzündungen, verlangsamter Wundheilung, Schlaganfällen im jungen Alter und psychischen Krankheiten wie Magersucht in Verbindung gebracht.

Olga Golubnitschaj betont deshalb, wie wichtig eine frühzeitige Diagnose ist, um die Krankheit schnellstmöglich zu behandeln und dadurch mögliche Folgeerkrankungen zu vermeiden.

In einem Interview der rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn erklärt die Medizinerin: "Das Flammer-Syndrom hat einen Riesenvorteil für die Früh- und Prädiktivdiagnostik, nämlich dass die Symptome des Flammer-Syndroms sehr früh im Leben auftreten, meistens in der Pubertät. In diesem Alter hat man die seltene Chance, an umkehrbaren Gesundheitsschäden kostengünstig zu arbeiten – im Gegenteil zum fortgeschrittenen Alter, wenn sich die bereits klinisch manifestierten Krankheiten oft nur noch begrenzt effektiv behandeln lassen. Diese Chance dürfen wir nicht verpassen."

Golubnitschaj fordert ausdrücklich eine intensivere Forschungsarbeit, damit mögliche Risiken für Betroffene noch genauer untersucht werden.

Behandlung abhängig von Symptomen

Die Behandlung des Flammer-Syndroms richtet sich individuell nach den jeweiligen Symptomen des Betroffenen. Allerdings können die folgenden Maßnahmen dazu beitragen, dass Beschwerden bereits frühzeitig gelindert werden:

Lebensstil: Sie sollten darauf achten, dass Sie Ihr Stresslevel im Alltag senken. Dabei hilft oftmals schon ausreichend Schlaf sowie ein gesundes Maß an Sport und Bewegung.

Ernährung: Extrem schlanke Menschen weisen häufig ein höheres Erkrankungsrisiko auf, weshalb Sie darauf achten sollten ein Gewicht im Normalbereich zu erreichen. Bei einem niedrigen Blutdruck kann eine erhöhte Aufnahme von Salz und Flüssigkeit helfen. Zudem kann die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren (z.B. in Fisch enthalten) die Blutgefäße stärken. Allgemein empfehlen Mediziner eine antioxidative Ernährung mit vielen Beeren, Tomaten, Kakao sowie Grün- und Schwarztee.

Medikamente: Erhöhen Sie in Absprache mit Ihrem Arzt die tägliche Dosis an Magnesium, um die Regulierung Ihrer Durchblutung zu unterstützen. Ginkgo biloba, ein Mittel um Durchblutungsstörungen sowie Tinnitus und Schwindel zu behandeln, kann Betroffenen bei der Behandlung ebenfalls helfen.

Hilfreiche Tipps, was Sie gegen kalte Hände in der frostigen Jahreszeit tun können, bekommen Sie hier.