Das Testament von Kaiserin Elisabeth

Ihr Erbe hilft Flüchtlingen: "Dank Sisi werden wir ein bisschen mehr tun können"

Denkmal der österreichischen Kaiserin Elisabeth, genannt Sisi, an der Promenade in Genf.
Denkmal der österreichischen Kaiserin Elisabeth, genannt Sisi, an der Promenade in Genf.
© Picture-Alliance/KEYSTONE | GAETAN BALLY

24. Dezember 2021 - 7:59 Uhr

Sisis Erbe an "liebe zukünftige Seele"

Kaiserin Elisabeth von Österreich war eine sehr außergewöhnliche Frau. Schon zu Lebzeiten, doch auch in ihrem Testament spiegelt sich ihre Größe wider. Ihr letzter Wille richtet sich an "eine liebe zukünftige Seele" und beweist große Weitsicht. Sisi war sich beim Verfassen sicher, dass auch in Zukunft "so wenig wie heute, Glück und Frieden, das heißt Freiheit, auf unserem kleinen Planeten herrschen werden".

Sisis Prognose erwies sich als richtig

Dieser recht ernüchternden Feststellung folgend stellte die Kaiserin sicher, dass der Erlös aus dem Verkauf ihres Tagebuches aus den 1880er Jahren jenen zugutekommt, die Tag für Tag um ihre Freiheit kämpfen müssen, nämlich "politisch Verurteilten und ihren bedürftigen Verwandten". Sisi hatte eine eher liberale Erziehung genossen, sie sah die Habsburger Monarchie als nicht gerade fortschrittlich an und war ihr gegenüber recht kritisch eingestellt. So überließ sie das Tagebuch nicht den kaiserlichen Archiven in Österreich, sondern der Regierung der Schweiz. Außerdem verfügte sie, dass es frühestens 60 Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht wird.

1980 entschied der Schweizer Bundesrat, dass der Erlös aus Sisis Tagebuch an die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR gehen soll.

Ein Blick auf die Zeit seit Sisis Tod zeigt: Ihre Prognose bezüglich "Glück und Frieden" hat sich als richtig erwiesen. Sisis Mann, Kaiser Franz Josef, führte Österreich 1914 in eine militärische Auseinandersetzung, die in den Ersten Weltkrieg mündete, nur kurze Zeit später kam es zum Zweiten Weltkrieg, es folgte der Kalte Krieg. Und auch heute noch halten viele bewaffnete Konflikte die Welt in Atem und zwingen immer mehr Menschen dazu, ihr Land zu verlassen. Und einigen von ihnen hilft Sisis Erbe bis heute. 2019 zum Beispiel kam das Geld (15.000 Euro) laut UNHCR einem Programm in der Ukraine zugute, das Sprachkurse und Ausbildungen organisiert und Flüchtlingen so den Start in ein neues und besseres Leben ermöglichen soll.

"Dank Sisi werden wir ein bisschen mehr tun können", dankte Noel Calhoun, stellvertretende Leiterin von UNHCR Ukraine, bei der Scheckübergabe der 1898 verstorbenen Kaiserin.

Interessiert an weiteren Fakten über Sisi? Unser Reporter hat Historiker getroffen, Originalschauplätze besucht und sich in den kaiserlichen Archiven umgeschaut. Die Dokumentation "Die Wahrheit über Sisi - Insider packen aus" sehen Sie am 28.12.2021 um 22:40 Uhr bei RTL.