Reporter macht den Hygienetest

Boarding, Bordservice, Sitzplätze: So läuft es im Flugzeug jetzt ab

21. Juli 2020 - 16:23 Uhr

Wie hoch ist die Corona-Ansteckungsgefahr?

Corona ist zwar noch lange nicht vorbei, doch Reisen ist inzwischen wieder möglich – auch im Flieger. Dabei gelten natürlich deutlich strengere Regeln als vor Ausbruch der Pandemie. Aber welche genau? Und reichen sie wirklich aus, um Fluggäste vor einer Ansteckung zu schützen? Unser Reporter hat den Test gemacht: Ob Abstand, Luftaustausch und Hygiene in den Maschinen wirklich ausreichend sind, sehen Sie im Video.

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60 Prozent des Streckennetzes wieder aufgenommen

Immerhin 239 Ziele in 69 Ländern können Passagiere im Juli wieder von deutschen Flughäfen aus erreichen – das sind 60 Prozent des ursprünglichen Streckennetzes, wie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) erklärt. Dabei gelten sowohl am Boden als auch in der Luft besondere Regeln, um die Corona-Infektionsgefahr einzudämmen.

Diese Regeln gelten am Flughafen

Im Flughafengebäude gilt das Gleiche wie an anderen öffentlichen Orten, und das heißt in erster Linie: Maskenpflicht und Abstand halten. Deshalb sind etwa am Frankfurter Flughafen schon an den Eingangstüren Informationen angebracht, alle fünf Minuten weisen mehrsprachige Durchsagen auf die Regeln hin. An wichtigen Kontaktpunkten stehen Desinfektionsspender bereit, und 10.000 Bodenmarkierungen zeigen den nötigen Abstand auf.

Um direkten Kontakt zwischen Mitarbeitern und Passagieren zu vermeiden, helfen außerdem Online-Check-In und selbstständige Gepäckaufgabe. Ist doch einmal unmittelbarer Kontakt am Schalter nötig, sorgt eine Plexiglasscheibe für gegenseitigen Infektionsschutz.

Die wichtigsten Infos zu Handgepäck, Sicherheitskontrollen und Shopping im Flughafen können Sie hier nachlesen.

Corona-Regeln an deutschen Flughäfen
Abstand halten, Maske tragen: Flugreisende müssen sich in diesem Sommer an Regeln halten, um eine erneute, größere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Foto: Marius Becker/dpa/dpa-tmn
© deutsche presse agentur

Beim Boarding

Laut BDL wird das Betreten des Flugzeugs generell verlangsamt – so soll ein Gedränge unter den Passagieren vermieden werden. Wo immer es möglich ist, sollen für das Boarding die Fluggastbrücken statt Busse genutzt werden. Falls doch ein Transport der Passagiere mit Bussen erforderlich sei, werden deutlich mehr Fahrzeuge eingesetzt als früher, damit Abstand gehalten werden kann, wie der Verband erklärt.

Bei Flügen der Lufthansa etwa würden die Passagiere in kleinen Gruppen an Bord gebeten, so die Fluggesellschaft. Die Reihenfolge werde durch den Sitzplatz bestimmt - erst die Reisenden mit den Fensterplätzen, dann die Passagiere mit einem Platz am Gang an Bord. Beim Einsteigen werden statt Bonbons Desinfektionstücher verteilt.

Wie die Juristen des ADAC betonen, kann Fluggästen ohne Maske der Zutritt zum Flugzeug grundsätzlich verwehrt werden: "Den Fluglinien steht es im Rahmen ihres Hausrechts frei, eine entsprechende Vorgabe an Bord ihrer eigenen Flugzeuge zu erlassen." 

Im Flugzeug

Laut Flugzeughersteller Airbus sorgt ein geschlossenes Umluftsystem mit sogenannten HEPA-Filtern für sehr saubere Luft und damit ein geringes Infektionsrisiko an Bord. Das System sei höchst effizient in der Abscheidung von Staub und Schadstoffen aus der Luft, wie Tröpfchen, Bakterien und große Mikroben. Je nach Flugzeugtyp werde das gesamte Kabinenluftvolumen alle zwei Minuten ausgetauscht. Airbus-Chef-Ingenieur Jean-Brice Dumont versichert deshalb: "Die Luft im Flugzeug ist bei der Landung sauberer als nach dem Schließen der Türen beim Start."

Eine Infektion durch Anhusten oder direkten Kontakt ist allerdings auch im Flugzeug möglich - gerade, wenn Menschen eng beieinandersitzen.

  • Laut ADAC herrscht deshalb in allen Lufthansa-Maschinen (also auch bei Swiss, Austrian Airlines, Eurowings und Brussels Airlines) Maskenpflicht. Es gibt keinen Bordverkauf und nur einen eingeschränkten Bordservice. Die Toiletten sind mit Desinfektionsseifen ausgestattet.
  • Auch bei Condor und Easyjet gilt die Maskenpflicht. Der Bordservice ist eingeschränkt, auf den Toiletten gibt es Seife, aber keine Desinfektionsmittel.
  • Bei Ryanair muss ebenfalls Maske getragen werden. Passagiere sind angehalten, regelmäßig Hände zu waschen. Der Bordservice beschränkt sich auf verpackte Snacks und Getränke.

Damit möglichst viel Abstand zwischen den Passagieren eingehalten werden kann, empfehlen die EU-Behörden für Flugsicherheit (EASA) und für Krankheitsbekämpfung (ECDC), den Mittelsitz einer Reihe oder jede zweite Reihe freizulassen - wenn es die Zahl der Passagiere erlaubt. Dass es sich dabei aber nur um eine Empfehlung handelt, zeigt unser Video.

TVNOW-Doku: Endlich wieder Urlaub! Reisen in der Corona-Krise

Wie sehen die verschiedenen Corona-Sicherheitskonzepte in Europas Urlaubsregionen aus? Welches Urlaubspotenzial bietet Deutschland, und welche Geheimtipps gibt es hierzulande? Erfahren Sie mehr in der neuen Dokumentation auf TVNOW: "Endlich wieder Urlaub! – Reisen in der Corona-Krise".