Vorsitzende des Tierschutzverein appeliert: Hingucken! Hingucken! Hingucken! Besser ein Mal zu viel als zu wenig!

Berner Sennenhund Bruno vernachlässigt und von Maden aufgefressen

Trauriger Überlebenskampf: Berner Sennenhund Bruno wurde von Maden zerfressen
Trauriger Überlebenskampf: Berner Sennenhund Bruno wurde von Maden zerfressen
© Tierheim Dorf Mecklenburg

21. September 2021 - 12:00 Uhr

Bruno wollte lebten, doch am Ende versagen seine Organe

Der 12-jährige Berner Sennenhund Bruno wollte leben - da sind sich die Mitarbeiter des Tierheim in Dorf Mecklenburg sicher. Doch Bruno schafft es nicht, stirbt trotz einer Rettungsaktion von Polizei, Veterinäramt und Tierheim an Organversagen. Besonders tragisch: Schuld am Schicksal des Vierbeines ist sein eigener Besitzer - der hatte sich nicht mehr um ihn gekümmert, sodass Maden den Körper befallen und ihn regelrecht aufgefressen haben.

Hätte Bruno gerettet werden können?

Brunos Geschichte erschüttert auch Meike Gutzmann. Sie ist Vorsitzende des Tierschutzverein Wismar und Umgebung und versuchte gemeinsam mit dem angeschlossenen Tierheim Dorf Mecklenburg acht Tage lang den Hund zu retten. "Wenn man sich vorstellt, wie der arme Kerl da gelegen hat und angefressen wird, was der für Schmerzen gehabt haben muss, das kriegt man nicht aus dem Kopf", beschreibt Meike Gutzmann im Interview mit RTL ihre Gefühlslage. Für die Tierschützerin hätte Bruno eventuell überleben können - wenn ihm früher jemand geholfen hätte und Nachbarn deutlicher hingesehen hätten.

Aufmerksame Spaziergänger entdecken Bruno

Es waren Spaziergänger, die Bruno am 31.8.2021 in einer Gartenanlage entdeckt haben - zu diesem Zeitpunkt war der Berner Sennenhund bereits unfähig sich zu bewegen und dehydrierte. Sofort informieren die Spaziergänger die Polizei und das Veterinäramt. Weil vom Besitzer weit und breit keine Spur ist, verschaffen sich die Beamten Zugang zu der Gartenanlage. Als sie sich dem Tier nähern, wird deutlich, wie kritisch sein Gesundheitszustand ist: "Man konnte sehen, dass der Hund von Fliegen schon attackiert wurde", beschreibt Meike Gutzmann seinen Zustand und fügt hinzu: "Er war unfähig, die Fliegen abzuwehren". Das Veterinäramt informiert daraufhin das Tierheim, das Bruno sofort abholt und zum Tierarzt bringt.

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Bruno nach seiner Rettung
Bruno nach seiner Rettung
© Tierheim Dorf Mecklenburg

Tiere aus misslichen Lagen retten- das kann jeder tun

Das Vorgehen der Spaziergänger war in diesem Fall genau richtig, so Gutzmann. Wer sich nicht ganz sicher ist, ob ein Tier Hilfe braucht, kann zunächst auch erst einmal versuchen, das Tier anzulocken und zu rufen. "Wenn man sieht, der bewegt sich nicht oder kann nicht mehr aufstehen, dann ist das natürlich schon ein Alarmzeichen", erklärt die Tierschützerin. Spätestens jetzt sollte man Anzeige erstatten und entweder die Polizei, das Veterinäramt oder den Tierschutzverein informieren. "Wenn die Anzeige aus der Bevölkerung kommt, fahren wir hin und gucken uns das an. Und lieber fährt man einmal zu viel raus als einmal zu wenig", so Gutzmann. Die Tierschützerin appelliert deshalb an die gesamte Bevölkerung: "Hingucken, hingucken, hingucken". Nicht wegschauen und auch auf sein Bauchgefühl hören.

Brunos Lebenswille reicht nicht aus

Für Berner Sennenhund Bruno kam zwar Hilfe, aber leider zu spät. Der Tierarzt musste feststellen, dass der Vierbeiner bei lebendigen Leib von den Maden gefressen wurde. "Das ist so ein Zustand, der geht nicht von jetzt auf gleich. "Wenn es so schlimm ist, muss es schon einige Zeit so gewesen sein, vielleicht ein bis zwei Tage", erklärt Gutzmann.

Trotz seines schlimmen Zustand versucht der Tierarzt Bruno wieder aufzupäppeln. Er rasiert den Hund, holt die Maden aus ihm raus und versorgt ihn mit Medikamenten. Kurze Zeit später kommt er ins Tierheim und erhält eine Physiotherapie, um seine Muskulatur wieder aufzubauen- denn die hatte er durch seine Bewegungsunfähigkeit verloren. "Er hat auch gut mitgemacht.", erinnert sich Gutzmann. Die Physiotherapeutin sagte ihr, sie merkte, Bruno will leben, er möchte einfach noch dabei sein.

Rettungsaktion des Tierheim kommt zu spät
Bruno will leben, doch sein Körper wurde schon zu lange vernachlässigt
© Tierheim Dorf Mecklenburg

Doch Brunos starker Wille reicht am Ende nicht aus. Am 08.09., etwa eine Woche nach seinem Auffinden, verstirbt der Hund an Organversagen.

Tierbesitzer vermutlich überfordert

Warum Brunos Besitzer es soweit kommen ließ, ist noch nicht eindeutig geklärt. Vermutlich war er mit der Fürsorge überfordert, wusste sich nicht mehr zu helfen und hat dann einfach weggeguckt. Auch Alkoholismus, Drogenprobleme oder die Veränderung der Lebensumstände können laut Tierschützerin Gutzmann ein Grund für eine Vernachlässigung eines Tieres sein. Corona spielt hier ebenso eine große Rolle. Wenn während der Pandemie Ehen beispielsweise zerbrechen, müssen die Pflege und Aufsicht eines Tieres neu organisiert werden. Viele sind damit dann schnell überfordert, lassen ihr Tier 10 Stunden allein zu Hause. "Das ist auch eine Form der Misshandlung", sagt Gutzmann.

Richtiges Verhalten für Tierbesitzer

Wer mit seinem Tier nicht mehr zurecht kommt – aus welchem Grund auch immer- hat auch die Möglichkeit selbst die Reißleine zu ziehen und sich beim Tierschutzverein zu melden. "Man findet immer auch irgendwie eine Lösung", betont Meike Gutzmann. In erster Linie muss jeder Tierbesitzer über seine Probleme reden. Gemeinsam können dann Lösungsideen entwickelt werden. Gutzmann wünscht sich, dass Tiere dabei als Familienmitglieder, als Lebewesen gesehen werden. "Den Ehepartner gibt man ja auch nicht einfach weg."

Wenn es zwischen Mensch und Tier schlussendlich gar nicht läuft, ist es immer noch eine bessere Möglichkeit, neue Besitzer zu suchen statt- wie in Brunos Fall- das Tier sich selbst zu überlassen. (cbe)