Polizei geht nicht von "sexueller Motivation" aus

Horror auf Spielplatz: Fremder nimmt kleines Mädchen einfach mit - Frau verfolgt den Kinderfänger

02. Juli 2020 - 9:53 Uhr

Täter schon wieder auf freiem Fuß

Die Mutter hatte sich kurz unterhalten, als ein Fremder ihre Tochter einfach bei der Hand nahm und mit ihr fortging. Am helllichten Tag, mitten auf einem belebten Spielplatz am Boxhagener Platz in Berlin. Zum Glück war eine andere Mutter aufmerksam und nahm ohne zu zögern die Verfolgung des Kinderfängers auf. Mit Hilfe eines Kiosk-Mitarbeiters konnte sie ihn stoppen – das Interview dazu lesen Sie hier.

Handyvideo zeigt den Entführungsversuch am Boxhagener Platz

Ein Handyvideo zeigt den groß gewachsenen Mann, der das kleine Mädchen im dunkelblauen Sommerkleid am Abend des 18. Juni auf seinen Schultern davonträgt. Der "Bild" erzählt die Frau, die die Verfolgung aufnahm, später: "Das war so ein bestimmtes Gefühl: Das Mädchen und der Mann passten nicht zusammen. Dann ging es ganz schnell. Er hat das Kind an die Hand genommen und ist losgelaufen. Das Kind ist einfach so mitgegangen. Für mich war klar, dass ich hinterher muss." Mit ihrer eigenen Tochter (2) auf dem Arm rannte die 27-Jährige los.

Doch der 1,90 Meter große Mann war schnell. "Er hatte inzwischen bemerkt, dass ich ihm folge. Ich war zunächst noch hin- und hergerissen." Doch sie blieb dran und bat kurzerhand Kioskbesitzer Zoran Zivkovic (44) um Hilfe, der den Entführer einholte und zur Rede stellte. Der Mann gab sofort unumwunden zu, dass das Kind nicht zu ihm gehöre. Auf die Frage, weshalb er das Mädchen mitgenommen habe, antwortete er: "Ich liebe Kinder. Ich kann überhaupt nicht verstehen, wie deutsche Mütter und Väter ihre Kinder zu Hause lassen mit irgendwelchen Betreuern. Furchtbar! Ich finde, Kinder sind einfach das Wichtigste. Kinder sind doch unsere Zukunft, oder?"

Der Mann ließ sich ohne Widerstand von Zoran und der mutigen Mutter zurück zum Spielplatz eskortieren, wo längst große Aufregung herrschte.

Polizei geht von "psychischer Erkrankung" des Mannes aus

Die Polizei nahm den 44-Jährigen fest, doch inzwischen ist er wieder auf freiem Fuß. Die Polizei twitterte, es gebe "bislang keine Anhaltspunkte für eine sexuelle Motivation oder eine böse Absicht", vielmehr sei vermutlich von einer "psychischen Erkrankung" des Mannes auszugehen. Das LKA habe die Ermittlungen wegen des Verdachts des Kindesentzuges aufgenommen. Aktuell werde außerdem geprüft, ob der Mann in eine Klinik eingewiesen wird.

"Der Besuch eines Spielplatzes ist für Familien mit Kindern in Berlin nicht gefährlicher als sonst auch", heißt es in dem Tweet der Polizei weiter. "Ungeachtet dessen ist es natürlich immer gut, achtsam zu sein und eine gesunde Vorsicht walten zu lassen – insbesondere in der Anonymität einer Großstadt. Das gilt nicht nur auf Spielplätzen."

Worte, die wohl beruhigen sollen, doch für viele Mütter und Väter bleibt die Sorge. Sie können nicht verstehen, weshalb der Täter wieder auf freiem Fuß ist. Auch die Mutter, der es wohl zu verdanken ist, dass der Mann nicht unerkannt mit dem Mädchen entkommen konnte, hat nun große Angst. "Jetzt weiß ich auch noch, dass er wieder da ist. Dass er jederzeit wieder vor uns stehen kann. Dass er mich und meine Tochter vielleicht erkennt", sagt sie. "Das macht Angst."