Denis Winter: "Ich bin Deutschlands erster Strandkorb-Tuner"

Hier FÄHRT ein Strandkorb durch Braunschweig

Denis Winter in seinem Strandkorb-Mobil am Yachthafen von Heiligenhafen.
Denis Winter (44) in seinem Strandkorb-Mobil am Yachthafen von Heiligenhafen.
Privat

von Sina Schlink

Für die einen bedeutet er Urlaubs-Stimmung, für Denis Winter aber ist sein Strandkorb pure Medizin. Der 44-Jährige sitzt nicht nur in dem blau-weiß gestreiften Korb, er fährt sogar darin. Und das gibt ihm neuen Lebensmut.

Denis Winter: "Ich bin Deutschlands erster Strandkorb-Tuner"

Wenn Denis Winter mit seinem fahrbaren Strandkorb über die Seebrücke in Heiligenhafen oder durch Braunschweigs Straßen düst, hat nicht nur er ein Lächeln im Gesicht. Auch Passanten können sich das Grinsen nicht verkneifen. Winter zu RTL: „Andere tunen ihr Auto. Ich bin Deutschlands erster Strandkorb-Tuner.“

Der Grund, warum er das ungewöhnliche Fahrzeug gebaut hat: Winter hat gesundheitliche Beschwerden, ist seit zehn Jahren schwerbehindert. Es gibt Tage, an denen der gelernte Elektroingenieur so starke Probleme mit seinem linken Bein hat, dass er nicht gehen kann. Dann ist er auf ein sogenanntes E-Mobil angewiesen – und das mit gerade mal 44 Jahren.

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Das Strandkorb-Mobil ist seine Medizin

Keine leichte Situation für ihn. „Die Leute verstehen nicht, warum man mit Mitte 40 ein E-Mobil braucht und sprechen einen darauf an. Man wird immer wieder daran erinnert, dass vieles nicht so geht, wie es gehen sollte.“ Und weiter: „Mir hat das Strandkorb-Projekt sehr viel Kraft gegeben. Das ist meine Art, mit meinem Schicksal umzugehen. Das ist meine Medizin.“

Und auch anderen möchte der Braunschweiger Mut machen: „Selbst, wenn nur einer ein Lachen im Gesicht hat, dann hat sich das schon gelohnt.“ Und es funktioniert! „Die Leute feiern das - vom Teenager bis zum Rentner“, so Winter.

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Der Bau hat 16 Monate gedauert

Der 44-Jährige beim Bau des fahrbaren Strandkorbs. Insgesamt 16 Monate hat dieser gedauert.
Der 44-Jährige beim Bau des fahrbaren Strandkorbs. Insgesamt 16 Monate hat dieser gedauert.
Privat

Die Idee zu dem Strandkorb-Mobil hatte der 44-Jährige schon im April 2021. Rund 16 Monate später, im August bekam er die Straßenzulassung. E-Mobile sind generell für Straßen zugelassen – doch auch der neue Strandkorb-Sitz musste alle Voraussetzungen erfüllen. Der Tag als klar war, dass Größe und Gewicht des Fahrzeugs straßentauglich sind – einer der wohl besten im Leben des Braunschweigers. „Ich habe gefeiert und geschrien vor Freude, ich habe Tränen gelacht. Denn: „Ich war mir selbst bis zum Schluss nicht sicher, ob es funktioniert.“

Winter: "Ohne meine Eltern und meine Freunde hätte ich das nicht geschafft"

Doch das hat es! Zwar ist Winter besonders stolz, dass er fast alles selbst geplant hat, die Befestigung hätte er selbst aber nicht wuppen können: „Ohne meine Eltern und meine Freunde hätte ich das nicht geschafft.“ Und weiter: „Die waren für mich da, es war sehr emotional und zusammen haben wir das hingekriegt.“ Kosten: Circa 4.000 Euro.

Einer seiner ersten Ausflüge ging nach Heiligenhafen

Einer seiner ersten Ausflüge mit seinem neuen fahrbaren Untersatz führte Denis Winter an seinen liebsten Ostsee-Ort: Heiligenhafen. Seit 2017 war er dort aus gesundheitlichen Gründen und wegen der Corona-Pandemie nicht mehr gewesen. Freunde brachten ihn und sein neues Strandkorb-Mobil für eine Woche dort hin. „Wenn ich die Urlaubsbilder jetzt sehe, kann ich es selbst kaum glauben. Da kommt alles wieder hoch. Dann ist man auf der Seebrücke, und sieht den Sonnenuntergang. Ich habe da gesessen und geheult. Auch vor Freude. Auf einmal ist alles wieder gut.“

Jetzt ist der Niedersachse zurück in Braunschweig, möchte aber so schnell wie möglich wieder zurück in den Norden. Da gehört ein Strandkorb schließlich hin!